Usters schwierige Jagd nach Erfolgsmomenten
Es hätte dieses Viertelfinal-Duell auch ohne den Wahlmodus gegeben. Wiler-Ersigen aber durfte als Zweitplatzierter nach der Qualifikation seinen ersten Playoff-Gegner aussuchen – und wählte Uster (7.).
Die Entscheidung der Emmentaler ist absolut nachvollziehbar. 31 der letzten 32 NLA-Spiele gegen Uster entschied der Rekordmeister für sich. Vor der Wiederauflage des letztjährigen Playoff-Viertelfinals spricht zumindest auf dem Papier wenig bis gar nichts für den Underdog. Dass Wiler-Ersigen gegen Uster jeweils gewinnt, scheint eine Art Gesetz zu sein.
Usters finnischer Trainer Mika Heinonen lässt die vernichtende Statistik kalt. Mit Zahlenspielereien dürfe sich beschäftigen, wer wolle, sagt der ausgebildete Sportlehrer. Er stellt sich auf den Standpunkt: «Es ist eine neue Serie.» Und kündigt an, sein Team werde «von der ersten Minute an» alles in die Waagschale werfen.
Auf und Ab wegen Ausfällen
Es wird interessant zu sehen sein, wie stark der UHC Uster den Favoriten fordern kann.
Die von Thomas Berger trainierten Berner können noch immer auf ein Quintett an hochdekorierten Routiniers um Rekordnationalspieler Matthias Hofbauer (37) zählen. Sie haben in den letzten Jahren aber auch eine Verjüngung vollzogen, ohne ihren Status als Spitzenteam zu verlieren.
Die Formkurve stimmt, zuletzt reihte Wiler-Ersigen fünf Siege aneinander.
Die längste Erfolgsserie der Ustermer diese Saison ist derweil drei Siege lang. Dafür kassierten sie nur einmal zwei Niederlagen hintereinander.
«Das zeigt, dass wir schwer zu bezwingen sind», sagt Heinonen. Eine konkrete Erklärung für das Auf und Ab hat der 41-Jährige nicht. Die permanenten Umstellungen aufgrund der vielen Ausfälle dürfte aber der Hauptgrund dafür sein. Lediglich neun Spieler konnten alle Partien bestreiten.
Der schwedische Weltklassestürmer Joel Kanebjörk, für Nationaltrainer David Jansson «ein fantastischer Leader», lief gar nur fünfmal auf. Gut für Heinonens Team: Kanebjörk ist laut dem Trainer zwar weiterhin angeschlagen, wird in den Viertelfinals aber spielen.
Uster schreibt Geschichte
Der souveräne Ustermer Playoff-Einzug ist bei der Ausgeglichenheit der Liga und solch gravierenden personellen Problemen umso bemerkenswerter. Mehr noch: Der Aufwärtstrend der letzten Jahre hielt an, besser schloss Uster eine Qualifikation nie ab.
Unter Heinonen wurden 35 Punkte geholt, das sind sechs mehr als unter dessen Vorgänger Simon Meier. Innerhalb von vier Saisons steigerte man sich um satte 21 Punkte. Aus dem Liga-Wackelkandidaten ist ein etabliertes NLA-Team geworden.
Die erstmalige Playoff-Qualifikation 2018 nach zwölf vergeblichen Anläufen hat zu einem neuen Selbstverständnis geführt, stellte Sportchef Thomas Schwarz fest. «Wir gehen jetzt ins Spiel, um zu gewinnen.»
«Wir hoffen, dass in den Playoffs weitere Erfolgsmomente folgen.»
Uster-Präsident Michael Reimann
Uster hat zudem mittlerweile die Geduld, Gelassenheit und das nötige Vertrauen, um in engen Partien das Glück auf seine Seite zu zwingen. Zwei Drittel der Siege bewerkstelligte Uster mit einem Ein-Tore-Vorsprung.
Der Hunger als Faktor
Jetzt soll der nächste Schritt der Entwicklung kommen – mit Siegen in der entscheidenden Phase der Meisterschaft. Oder wie sich Präsident Michael Reimann äussert: «Wir hoffen, dass in den Playoffs weitere Erfolgsmomente folgen.»
«Die Abwehrarbeit war unsere ganz grosse Stärke.»
Coach Mika Heinonen
Um solche bewerkstelligen zu können, müsse man mental und taktisch bereit sein, sagt Coach Heinonen. «Und vor allem auch hungrig.» Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Defensive – wie schon in der Qualifikation. Heinonen sagt: «Die Abwehrarbeit war unsere ganz grosse Stärke.»
101 Gegentore kassierte Uster und ist damit die Nummer 5 der Liga. Deutlich weiter hinten ist die Mannschaft hingegen bei den erzielten Toren – nur zwei Teams trafen weniger häufig. Die Arbeit wird dem finnischen Trainer also nicht ausgehen.
«Ein Coach benötigt in der Regel mehr als Jahr, um ein Team an den angestrebten Punkt heranzuführen», sagt er. Der 41-Jährige erhält die Zeit, um seine Ideen noch fester zu verankern. Der Verein hat sich mit ihm geeinigt, die Zusammenarbeit wird fortgeführt.
Für ihn sei es eine einfache Entscheidung gewesen, sagt Heinonen. Er fühlt sich mit seiner Familie in Uster wohl, ihm gefällt die Atmosphäre im Klub, und die sportlichen Perspektiven stimmen ebenfalls.
Die Gedanken an die Zukunft rücken bei den Ustermern vorerst allerdings wieder in den Hintergrund. Im Fokus steht jetzt ausschliesslich der SV Wiler-Ersigen. Und mit ihm die Absicht, dem Favoriten möglichst wehzutun.
