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Gelingt Selenati an der WM ein Exploit?

Nico Selenati erhält an der Bahn-WM im polnischen Pruszkow eine Bewährungschance. Der Wolfhauser startet mit seinem Partner Robin Froidevaux in der Disziplin Madison.

Der Wolfhauser Nico Selenati löst beim Weltcup in Hongkong Tristan Marguet ab. 

Foto: Guy Swarbrick/Swiss Cycling

Gelingt Selenati an der WM ein Exploit?

Es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Auf der Verbandswebsite Swiss Cycling wird in der Jahresbilanz aufgrund des guten Abschneidens an den letzten Weltmeister- und Europameisterschaften sogar von einer «Renaissance des Bahnvierers» gesprochen.

Und diesen Worten folgte im Januar an den Weltcups in Cambridge und Hongkong die Bestätigung. Zuerst wurde in Neuseeland der nationale Rekord in der Mannschaftsverfolgung unterboten, dann liess die «nächste Generation» in Hongkong ein weiteres Mal aufhorchen.

Zu den jungen Hoffnungsträger im Schweizer Team zählt auch Nico Selenati, selbst wenn er in der «Königsdisziplin» auf der Bahn derzeit keine Rolle spielt. Seine letzten Anläufe waren «nicht allzu gut verlaufen», wie der Wolfhauser bestätigt.

«Nico ist ein starker Starter. Doch im Bahnvierer hat bisher immer etwas gefehlt. Das heisst aber nicht, dass er sich in dieser Disziplin nicht noch entwickeln kann», sagt Daniel Gisiger, der Schweizer Nationaltrainer.

Das Lob des Trainers

Im zehnköpfigen Aufgebot der am Mittwoch beginnenden WM in Pruszkow steht er trotzdem. Selenati wird mit Robin Froidevaux im abschliessenden Madison-Rennen, einem Zweier-Mannschaftsfahren mit regelmässigen Ablösungen, zum Einsatz kommen. «Es ist seine Disziplin. Das hat Nico mehrfach bewiesen.»

«Selenati verfügt über eine gute Technik, hat sich physisch entwickelt und kann seine Position im Feld halten.»

Daniel Gisiger, Schweizer Nationaltrainer

Gisiger denkt an den Exploit in Hongkong, wo es Selenati an der Seite von Tristan Marguet auf Platz 5 schaffte – und das Duo damit für die Schweiz auch wertvolle Punkte im Hinblick auf die Olympischen Spiele von 2020 in Tokio sammelte. Oder an die U-23-EM in Aigle, als er sich mit dem Madetswiler Lukas Rüegg die Bronzemedaille ­sicherte.

«Selenati verfügt über eine gute Technik, hat sich physisch entwickelt und kann seine Position im Feld halten», lobt ­Gisiger. Es ist offensichtlich, dass der Trainer ihm eine Olympia-Qualifikation zutraut. «Eventuell schon 2020 – ganz sicher aber vier Jahre später», fügt er an.

Ähnliches gilt übrigens auch für Rüegg. Der 22-Jährige fand zuletzt in Cambridge im Bahnvierer Berücksichtigung, war aber anschliessend bei der letzten Weltcup-Station aussen vor. «Lukas ist sehr viele internationale Rennen gefahren – auch auf der Strasse. Er braucht deshalb etwas Zeit und Erholung. Er bleibt aber für Olympia ein Thema», sagt Gisiger zur WM-Nichtnomination.

An der Seite des Aufsteigers

Aus einem Oberländer Gespann wurde damit in Polen nichts. Mit dem erst 20-jährigen Froidevaux bekommt Selenati aber den Aufsteiger im Schweizer Team an die Seite. Der Romand stellte jüngst sogar an den SM im olympischen Omnium den letzten Schweizer WM-Medaillengewinner Claudio Imhof in den Schatten.

Als Gespann waren Froidevaux und Selenati zuletzt im Dezember an der Track-Cycling-Challenge im Grenchner Velodrome unterwegs, wo sie in einem starken internationalen Feld gut harmonierten.

Und doch ist die Zusammenstellung des Duos beachtlich, wurde es doch den erfah­reneren Marguet (31) und Théry Scher (26) vorgezogen. «Wir ­blicken in die Zukunft. Deshalb wollen wir den Jungen eine Chance geben», sagt Gisiger. Der 64-Jährige erhofft sich am Sonntag von Selenati/Froidevaux eine Klassierung zwischen Rang 7 und 11. Der Oberländer selbst ist mit einer Prognose zurückhaltend. Er bekräftigt aber, in den letzten Wochen in Grenchen optimal trainiert zu haben.

Selenatis Fokus zeigt auf, welchen Stellenwert die Bahn für ihn hat. Denn nach der WM wird er noch die Six-Days von Hongkong und Manchester bestreiten, ehe Ende März der Wechsel auf die Strasse folgt – wo er für sein Team Akros-Thömus in die zweite Saison steigt.

«Die Bahn kommt vor der Strasse», sagt Selenati. Er betont aber gleichzeitig, dass man sich Rennhärte und Form auf der Strasse holt.

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