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Schlumpf lässt einen Testballon steigen

Die Wetziker Steeplerin Fabienne Schlumpf hat die Olympischen Spiele 2020 im Fokus. Sie testet heuer allerdings auch für die Zeit nach ihrer Bahn-Karriere, indem sie erstmals einen Marathon läuft.

Fabienne Schlumpf setzt bis zu den Olympischen Spielen 2020 auf Steeple., Für ihre grossen Erfolge wurde Fabienne Schlumpf von der Stadt Wetzikon geehrt., 2018 gewann Schlumpf den Greifenseelauf., Einen Grossteil ihrer Höhenblöcke absolviert Schlumpf im Engadin.

Archivfoto: PD

Schlumpf lässt einen Testballon steigen

Perfektes Trainingswetter, ein seit längerem gutes Laufgefühl und am Samstag am Bremgarter Reusslauf der ersehnte Wettkampfauftakt – Fabienne Schlumpf hat momentan zahlreiche Gründe, bei bester Laune zu sein.

«Ich freue mich sehr auf die Rennen», sagt die Wetzikerin. Sie wird in einer ersten Phase ausschliesslich auf der Strasse unterwegs sein, ehe sie danach wie gewohnt auf die Bahn zurückkehrt. Die EM-Zweite über 3000 m Steeple spricht von «einer wichtigen Zubringersaison für Tokio», die ansteht. 

In den nächsten rund anderthalb Jahren ordnet sie im Prinzip alles ihrem Fernziel, den Olympischen Spielen 2020 unter. In Japans Hauptstadt möchte Schlumpf den Schlusspunkt hinter ihre Zeit als Steeple-Spezialistin setzen.

Danach bricht sie auf zu neuen Ufern, wechselt auf die Marathon-Strecke. «Eine neue Herausforderung anzupacken hat mich gereizt.»

«Ob ich nach 30 km tatsächlich noch Spass habe, werde ich dann ja sehen.»
Fabienne Schlumpf

Schlumpf nutzt heuer die Chance, die sich ihr dank der erst Ende September und damit deutlich später als üblich stattfindenden WM bietet, einen Testballon im Marathon steigen zu lassen. 

2:30 Stunden im Blickfeld

Am 7. April feiert die 28-Jährige ihr Debüt in Rotterdam. An einem Lauf, der nicht zu den allergrössten zählt, «in dem aber dennoch eine gewisse Dichte vorhanden ist», wie Schlumpf sagt.

Ein grosses Brimborium möchte die Oberländerin wegen ihres Einstandes in der Königsdisziplin des Langstreckenlaufs nicht veranstalten. Die Frohnatur sagt, wenig überraschend, grundsätzlich wolle sie einfach rennen und Spass haben. Dann lacht sie kurz, ehe sie fortfährt: «Ob ich nach 30 km tatsächlich noch Spass habe, werde ich dann ja sehen.» 
 

Es sei cool, ohne Erwartungen und Selektionsdruck antreten zu können, um erste Erfahrungen auf der Marathonstrecke zu sammeln. Frei von Ambitionen ist die Leistungssportlerin trotz aller Lockerheit dennoch nicht.

Auf dem flachen Kurs in Rotterdam  strebt sie an, die 42,195 km unter 2:30 Stunden zu absolvieren. «Das traue ich mir zu.»

In den letzten vier Jahren blieben nur zwei Schweizerinnen unter diesem Wert. Zweimal gelang es Maja Neuenschwander, der Schweizer Rekordhalterin, einmal Martina Strähl. 

Letztere luchste Schlumpf 2018 den Schweizer Rekord im Halbmarathon ab. In einer Disziplin also, die Schlumpf sehr mag und die demnächst in ihrem Rennplan steht. Am 10. März läuft Schlumpf den Halbmarathon von Den Haag (NED). Sie kennt die Strecke gut. Und hofft darauf, sich da den Schweizer Rekord zurückzuholen.

Schlumpf ist erstaunt

In drei verschiedenen Disziplinen hält die Athletin der TG Hütten derzeit Landesrekorde. Es ist ein kleiner Hinweis auf Schlumpfs riesige läuferische Bandbreite. In den letzten zwei Jahren startete die 17-fache Elite-Schweizer-Meisterin auf Distanzen von 800 m bis zum Halbmarathon. Dass sie nun auch noch die längste olympische Laufdistanz in Angriff nimmt, war längst absehbar.

Trainingstechnisch hat Schlumpf für ihr Marathon-Debüt derweil nicht alles auf den Kopf gestellt. Schliesslich wird sie im Anschluss daran – wenn auch etwas später als in den Vorjahren – ihren Fokus wieder auf den Steeple legen. Aber sie hat im Training Anpassungen vorgenommen. Die Einheiten – Schlumpf nennt sie «Halbmarathon-Plus-Trainings» – sind länger geworden. «Es bis jetzt erstaunlich gut gegangen», kann sie erfreut festhalten. 
 

Überhaupt: Bisher verlief der Aufbau sorgenfrei. Erst kürzlich kehrte Schlumpf aus einem längeren Höhenblock in Südafrika zurück, in dem sie wöchentlich rund 190 km Laufkilometer sammelte. Zuvor hatte sie zehn Tage in Portugal trainiert.

Die Pläne von Trainer Michael Rüegg seien jeweils gut gefüllt gewesen, sagt sie. «Wir konnten trotzdem alles umsetzen. Ich bin sehr zufrieden.» Für einmal ist ihr sogar die Rückkehr aus südafrikanischen Sommer in den Schweizer Winter leicht gefallen. Die frühlingshaften Bedingungen im Oberland dürften ihren Teil dazu beigetragen haben. 

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