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Darum muss sich Wetzikon auf etwas gefasst machen

EHCW-Trainer Roger Keller fordert in der Halbfinal-Serie gegen Herisau von seiner Mannschaft Cleverness. Denn die Appenzeller dürften sehr körperbetont auftreten, um die Wetziker aus dem Konzept zu bringen.

Dem EHCW (Luca Luchsinger, unten) drohen gegen die Herisauer wohl blaue Flecken.

Archivfoto: Christian Merz

Darum muss sich Wetzikon auf etwas gefasst machen

Der Weg zur Titelverteidigung ist weit. Erst am 30. März würde ein entscheidendes fünftes Finalspiel um den Schweizer-Meister-Titel in der 1. Liga stattfinden. Maximal 15 Partien stehen für den EHC Wetzikon bis dann noch an. 

Doch auch wenn die Reise ­lange ist, sie beginnt immer mit dem ersten Schritt. Und den haben die Wetziker erfolgreich hinter sich gebracht. Die Mannschaft von Trainer Roger Keller steht in den am Samstag beginnenden Halbfinals gegen Herisau, nachdem sie sich gegen Prättigau mit 3:1 Siegen durchgesetzt hat. 

«Geschenkt wird einem nichts.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Ein Selbstläufer war das Duell gegen die hartnäckigen Bündner keineswegs. Die Wetziker verpatzten den Auftakt und ­hatten danach bis in die vierte Partie hinein Mühe, ihre spie­lerischen Vorteile in Tore um­zumünzen.

Optisch wusste der Oberländer Erstligist durchaus zu gefallen. Doch statt die Scheibe konsequent vors Tor zu bringen, spielten die Wetziker nach Einschätzung von Keller zu häufig den Banden entlang.

Mit einem Blick auf den Verlauf der Serie lässt sich aber sagen: Die Hoffnungen des Trainers auf einen Steigerungslauf haben sich erfüllt. Zum Abschluss gelang dem EHCW der beste Auftritt. Und das ist für die Oberländer beruhigend: Sie haben längst nicht ihr gesamtes Potenzial ausgeschöpft.

Der positive Widerstand

Die Leistungskurve stimmt also. Und es könnte sich im weiteren Verlauf der Playoffs durchaus auszahlen, dass die Wetziker von Prättigau gefordert worden sind und nicht leichtfüssig durchmarschieren konnten. «Das war gut für uns», sagt Keller, «es erinnerte uns daran, dass man für Erfolge hart arbeiten muss. Geschenkt wird einem nichts.»

Überraschenderweise heisst der nächste Gegner Herisau. Die nach der Qualifikation sechstklassierten Appenzeller eliminierten in einer emotional geführten Serie Frauenfeld (3.) gleich 3:0. Nachdem er sich zwei der Herisauer Partien auf Video angesehen und sich mit Frauenfeld-Trainer Emanuel Marbach ausgetauscht hat, sagt Keller: «Wir können uns auf etwas gefasst machen.» 

Er erwartet einen auf Wetziker Fehler lauernden, schnörkellosen und sehr körperbetont auftretenden Gegner. Durch den Coup dürfte die erfahrene Appenzeller Mannschaft, die einen zwei Jahre höheren Altersschnitt als der EHCW aufweist, viel Selbstvertrauen getankt haben.

Anders als die Oberländer, bei denen die Erwartungshaltung gross ist, können die Appenzeller völlig unbeschwert auftreten. Sie haben ihr Soll erfüllt, sind jetzt am Dessertbuffet. 

Kampf um die grosse Bühne

Das Frohlocken bei den Herisau-Anhänger über den Halb­final-Einzug ist derweil gross. Der Fanklub preist seine Carreise am Samstag ins Oberland gar mit den Worten an: «Herisau rockt die grosse Bühne.»

Letzteres wollen die favorisierten Wetziker selbstredend verhindern. Und wenn man die zwei Kader vergleicht, müsste die Hauptrolle definitiv den Wetzikern gehören. Aber in der entscheidenden Meisterschaftsphase, wenn sich die Partien in kurzen Abständen folgen, ist letztlich oftmals nicht das Talent entscheidend, sondern wie viel Willen und Opferbereitschaft man in die Waagschale wirft. 

Den Herisauern, die sieben ihrer letzten acht Spiele gewannen, mangelt es definitiv nicht an diesen Eigenschaften. Gegen Frauenfeld traten sie sehr entschlossen auf.

«Wir dürfen gegen sie nicht in Schönheit sterben.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Keller ist sich der Gefahr des euphorisierten Underdogs bewusst. «Wir dürfen gegen sie nicht in Schönheit sterben, müssen clever sein und Ruhe bewahren», fordert er.

Das beste Mittel aus seiner Sicht? Die Serie mit einem Sieg zu beginnen. ­Dieser gäbe dem Titelverteidiger nicht nur Selbstvertrauen. Keller ist überzeugt: «Er würde dem Gegner auch Luft nehmen.» 

Neun Vertragsverlängerungen

Schon seit Längerem läuft beim EHC Wetzikon die Kaderplanung für die nächste Saison. Nun hat der Oberländer Erstligist eine erste Tranche von Vertragsverlängerungen bekannt gegeben.

Gleich neun Spieler bleiben dem EHCW treu, darunter Kevin Eggimann, Manuel Laimbacher und Gianni Brandi, die drei Wetziker Topskorer in der Qualifikation. Captain Nicolas Marzan bleibt ebenso an Bord wie Adrian Rykart, Chris Wittwer, Luzi Schneider, Brent Buchmüller und Nino Marzan. In den nächsten Tagen sollen weitere Vertrags­verlängerungen bekannt gegeben werden.

Es spricht also vieles dafür, dass weiterhin Kontinuität in der Mannschaft herrschen wird. Die sportliche Zukunft des EHCW ist derweil bereits geklärt. Sollten die Wetziker ihren Schweizer-Meister-Titel in der 1. Liga vertei­digen, verzichten sie erneut darauf, in die höchste Amateurliga MSL aufzusteigen. (zo)

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