Mit Schalk und Köpfchen
Sein Palmarès ist mit mehreren Schweizer Meistertiteln und über 120 Länderspielen beachtlich. Vaidas Klimciauskas war Profi in Frankreich, Israel, Österreich und der Schweiz, in der er bereits seit 2003 lebt. Für sein Heimatland Litauen nahm er je an einer WM- und EM-Endrunde teil.
«Eigentlich war mit Coach Robin Gerber abgemacht, dass ich etwa 15 Minuten pro Match auf dem Feld bin. Jetzt spiele ich fast immer durch.»
Vaidas Klimciauskas
Über 20 Jahre ist dies bereits her. Das Feuer für den Handball-Sport hat er aber selbst im Alter von 40 Jahren nicht verloren – auch wenn seine Bühne kleiner geworden ist. Seit dieser Saison ist er beim TV Uster spielender Assistenztrainer in der 1. Liga. «Eigentlich war mit Coach Robin Gerber abgemacht, dass ich etwa 15 Minuten pro Match auf dem Feld bin. Jetzt spiele ich fast immer durch», sagt er.
Doch kann Klimciauskas überhaupt noch die Erwartungen erfüllen? Das schwache Abschneiden des Teams mit dem Verpassen der Finalrunde könnten zu einem negativen Schluss führen. Dem entgegnet TVU-Sportchef Rolf Schärer: «Wir sind zufrieden. Vaidas nimmt seine Doppelfunktion gut wahr, bringt Stabilität auf das Feld und hat einen Draht zu den Spielern.» Einfluss nimmt er dabei insbesondere in Einzelgesprächen mit den Spielern. Davon profitiert hat beispielsweise Peter Balsiger, wie Schärer festhält. «Er hat sich enorm entwickelt – auch dank dem Einfluss seines routinierten Rückraumkollegen.»
Klimciauskas sei «ein Spassvogel, der es ernst meint», schrieb die «Basler Zeitung» einst nach seinem Wechsel zum damaligen A-Ligisten RTV. Den Schalk hat er sich offenbar über all die Jahre bewahrt. Usters Captain Florian Schlumpf zeichnet nämlich ein ähnliches Bild und spricht von einem «seriösen und aufgestellten Typen, der noch immer nicht gerne verliert».
Verloren hat der TVU aber in dieser Saison eindeutig zu viel. Als Konsequenz folgte Mitte Januar noch vor dem Start zur Abstiegsrunde die vorzeitige Trennung von Trainer Gerber. Und so geht es für die Ustermer bis zum Ende der Saison mit Präsident Walter Flessati an der Seitenlinie nur noch um den Ligaerhalt.
Zu viele Dinge liefen schief
«Wir stehen da wo wir nicht hin wollten», sagt Klimciauskas mit einem Schulterzucken. Eine schlüssige Erklärung für das schwache Abschneiden hat er nicht. «Es sind ganz viele Details.» Fehlende Abstimmung in der Verteidigung, Verletzungen und teils ungenügende Trainingsbesuche, nennt der 1,92 Meter grosse Rückraumspieler als Faktoren. Aus seiner Enttäuschung macht er keinen Hehl. «Jetzt spielen wir halt eine gute Abstiegsrunde.»
«Viele Dinge macht man mit dem Kopf.»
Vaidas Klimciauskas
Natürlich: Mit 40 hat auch der gefürchtete Konterspieler Klimciauskas an Schnelligkeit eingebüsst. Mit einem Schnitt von fast fünf Toren pro Spiel zählt er aber auch beim TVU zu den besten Skorern im Team. «Viele Dinge macht man mit dem Kopf», sagt der Linkshänder und erwähnt seinen Landsmann Arunas Vaskevicius, der noch als 45-Jähriger das Tor von Pfadi Winterthur in der NLA hütete. «Als Rückraumspieler ist die Belastung sogar deutlich grösser», betont er.
Zukunft in Uster möglich
Und dennoch ist für Klimciauskas eine weitere Saison auf dem Feld wahrscheinlich – und ebenso in Uster denkbar. «Es macht mir ungebrochen Spass. In der jungen Mannschaft steckt viel Potenzial. Das Ziel ist es meine Erfahrung weiterzugeben», sagt er. Positive Signale bezüglich einem weiteren Engagement sendet auch TVU-Sportchef Schärer aus. «Es gilt einfach die genaue Rolle von Vaidas zu definieren. Da sind mehrere Optionen möglich.»
Und wann soll für Klimciauskas auf dem Feld endgültig Schluss sein? «Wenn ich merke, dass mich die Jungen überrennen», antwortet er und lächelt verschmitzt. Soweit ist es offenbar noch nicht.
