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Guyer zieht die Fäden

Vivian Guyer hat sich beim NLA-Spitzenteam VC Kanti Schaffhausen zur festen Grösse entwickelt. Für die Oberdürntnerin stehen nun wegweisende Wochen an – in der Meisterschaft und im Europacup.

Vivian Guyer überwand mit den Volleyballerinnen von Kanti Schaffhausen bereits zwei Hürden im Europacup. 

Foto: Reinhard Standke

Guyer zieht die Fäden

Besser geht es nicht. Seit Jahresbeginn reitet die Oberdürntnerin Vivian Guyer mit dem VC Kanti Schaffhausen auf einer eigentlichen Erfolgswelle. In der Meisterschaft wurden Neuchâtel (3:0), Franches-Montagnes (3:2) und Genf (3:0) nacheinander bezwungen.

Und vor Wochenfrist gab es von den 600 Fans nach dem Viertelfinals-Einzug im Challengers-Cup sogar stehende Ovationen. Als Lohn warten jetzt die Sloweninnen von Nova ­Gorica.

«Man berührt als Regisseurin fast jeden zweiten Ball. Da muss man immer hellwach sein.»
Schaffhausen-Trainer Nicki Neubauer

«Es ist für uns eine grosse Ehre, dass wir im Europacup verbleiben», freute sich Guyer, die entscheidenden Anteil an den jüngsten Ergebnissen hatte. So beispielsweise auch im engen Vergleich gegen Franches-Montagnes, als sie im Tiebreak den Matchball verwertete.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Oberländerin beachtlich. In ihrer dritten Saison beim Schaffhauser NLA-Volleyballklub hat sie sich auf der wichtigen Zuspielerin-Position zur festen Grösse entwickelt – mit gerade mal 20 Jahren.

Lehrzeit nach dem Wechsel

Das ist keine Selbstverständlichkeit. «Man berührt als Regisseurin fast jeden zweiten Ball. Da muss man immer hellwach sein», sagt Kanti-Trainer Nicki Neubauer. Er kennt Guyer bereits aus seiner Zeit als Schweizer Nachwuchs-Nationalcoach und fördert sie seit seiner Amtsübernahme im Herbst 2017 nun auch in Schaffhausen. 

Dabei erlebte Guyer nach ihrem Transfer von Volley Toggenburg, wo sie bereits im Alter von 17 in der höchsten Spielklasse debütierte, auch schwierigere Zeiten mit wenig Einsatzzeit. «Bei Toggenburg war sie Stammkraft. Bei uns musste Vivi lernen, hinten anzustehen und weitere Fortschritte erzielen», sagt Neubauer.

Und die Geduld sollte sich auszahlen. Guyer wurde von ihrem Trainer je länger je mehr eingesetzt und schliesslich auf diese Saison hin sogar zur Stammpasseuse bestimmt. Es ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zwar müssen laut dem Reglement in der Nationalliga A immer zwei lokal ausgebildete Volleyballerinnen auf dem Feld stehen, doch gerade die Rolle der Zuspielerin wird vielerorts von erfahreneren Ausländerinnen ausgefüllt. So wie bisher auch in Schaffhausen.

Doch Neubauer scheut das Risiko nicht und setzt dort sogar ganz auf die Jugend. Guyers Konkurrentin, die Holländerin Anna Mebus, ist erst 18 Jahre jung. «Von den vier Topteams sind wir auf der Zuspielerin-Position am Unerfahrensten besetzt», sagt Neubauer.

«Vivi ist im mentalen Bereich stabiler geworden.»
Schaffhausen-Trainer Nicki Neubauer

Guyers Entwicklung dürfte aber auch mit dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Hochbauzeichnerin im letzten Sommer zu tun haben. Seither spielt die Oberländerin professionell Volleyball.

«Vivi ist im mentalen Bereich stabiler geworden», findet Neubauer. Ein Zeichen dafür sei, dass Guyer nach Fehlern mittlerweile viel weniger mit sich hadern würde. «Sie hat einen schönen Anteil am derzeitigen Lauf», bekräftigt der 41-Jährige.

Vierkampf um den Titel

Und wohin kann der Weg von Kanti Schaffhausen noch führen – sogar zum Meistertitel? Es ist nach dem Rückzug von Serienmeisterin Voléro Zürich tatsächlich ein denkbares Szenario.

Mit Aesch-Pfeffingen, Düdingen Neuchâtel und Kanti Schaffhausen kommt ein ganzes Quartett als mögliche Nachfolger in Frage. Trainer Neubauer sprach deshalb vor dem Saisonauftakt sogar forsch von der Cup- und Playoff-Finalqualifikation. 
 

Etwas defensiver äussert sich da Guyer, die nach dem vierten Platz im Vorjahr eine Medaille als Minimalziel definiert hat. Tatsächlich fehlte den Schaffhauserinnen vor allem in der ersten Meisterschaftsphase noch die letzte Konstanz, wodurch sie nach 16 Runden mit sieben Punkten Rückstand auf Leader Aesch-Pfeffingen als Dritter klassiert sind.

«Mir fehlt etwas der Ausgleich zum Sport.»
Vivian Guyer

Aufschluss über das tatsächliche Leistungsvermögen dürften nun gerade die nächsten Aufgaben geben, wo Guyer mit Kanti zunächst in den Viertelfinals des Swisscups auf Mitfavorit Düdingen und dann im Europacup auf Nova Gorica trifft.

Zukunft noch offen

Es sind auch für Guyer wichtige Reifeprüfungen, die womöglich einen Einfluss auf den weiteren Karriereverlauf haben. Ein klares Zeichen sendet da jedenfalls schon Trainer Neubauer aus. «Ich würde sie gerne im Kader behalten», sagt dieser zum auslaufenden Vertrag der 1,83 Meter grossen Oberdürntnerin.

Einem Verbleib in Schaffhausen ist auch Guyer nicht abgeneigt. Sie hat aber ebenso den Drang, baldmöglichst wieder Teilzeit arbeiten. «Mir fehlt etwas der Ausgleich zum Sport», sagt sie.

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