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Für Lukas Rüegg gilt es bereits ernst

Andere feilen noch am Formaufbau, Lukas Rüegg hingegen ist schon im Rennmodus. Der junge Madetswiler ist auf der Bahn im Einsatz und versucht da, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sein Ziel sind die olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Lukas Rüegg pendelt zwischen Bahn und Strasse hin- und her.

Foto: Reinhard Eisenbauer

Für Lukas Rüegg gilt es bereits ernst

Am Sonntag hat Lukas Rüegg dem Winter den Rücken gekehrt. Der Madetswiler ist in Neuseelands Sommer geflogen. Bei Temperaturen von aktuell über 20 Grad würde sich die Radsaison da gut im Freien vorbereiten lassen.

Doch der 22-Jährige, der zwischen Strasse und Bahn hin- und her pendelt, treibt in Cambridge nicht etwa seinen Formaufbau voran, wie man annehmen könnte, sondern schaltet bereits in den Wettkampfmodus.

Ab übernächstem Freitag ist er in der neuseeländischen Kleinstadt am fünften Bahnweltcup der Saison im Einsatz, eine Woche später dann an jenem in Hongkong bevor Ende Februar als Höhepunkt die Teilnahme an der WM in Polen folgen soll.

«Es tut gut, etwas zu lernen, sich zu beschäftigen.»
Lukas Rüegg

Noch hat Rüegg, der 2017 im Weltcup debütierte und in der Mannschaftsverfolgung meistens an Position drei oder vier zum Einsatz kommt, sein WM-Ticket nicht auf sicher. Entsprechend wichtig sind die kommenden Auftritte für den gelernten Zimmermann, der seit letzter Saison voll auf die Karte Sport setzt.

Heuer allerdings mit einer Einschränkung. Um sich auch geistig zu fordern und um bisweilen Abstand zur Szene zu gewinnen, lässt sich Rüegg zum Fitness- und Bewegungstrainer ausbilden. «Es tut gut, etwas zu lernen, sich zu beschäftigen.»

Rüeggs Blick nach Japan

Erst Mitte März und damit später als ein Grossteil der Radprofis dürfte der vom Team Vorarlberg zur Swiss Racing Academy gewechselte Fahrer in die Strassensaison einsteigen. Rüegg geht sie mit dem Anspruch an, «einige Akzente zu setzen».

Wie 2018. Der Madetswiler wurde in der U23 Schweizer Meister. An der Strassen-WM in Innsbruck wusste er im U-23-Rennen, das zur grossen Schweizer Triumph-Fahrt wurde, ebenfalls zu überzeugen und trug seinen Teil zum WM-Titel von Marc Hirschi bei.

Erfolge wies Rüegg 2018 auch auf der Bahn auf, an der U-23-EM gewann er zwei Medaillen. Die Rennen im Oval haben für ihn nicht nur zu Beginn des Jahres erste Priorität, sondern auch später wieder, im Oktober nach dem Abschluss der Strassen-Saison.

«Viele starke Fahrer verfolgen dasselbe Ziel wie ich.»
Lukas Rüegg

Der Grund dafür sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Rüegg möchte in Japan Teil des Schweizer Bahnvierers zu sein. Die interne Konkurrenz ist jedoch gross. «Viele starke Fahrer verfolgen dasselbe Ziel wie ich», sagt Rüegg, der sich von dieser Situation nicht beeindrucken lässt.

«Man muss schauen, im richtigen Augenblick seine Leistungen abrufen zu können.»

Neun verschiedene Fahrer setzte Nationaltrainer Daniel Gisiger in den letzten fünf Rennen ein, darunter mit dem Wolfhauser Nico Selenati auch einen weiteren Oberländer.

Einzig am Weltcup in Berlin trat die Schweiz mit Cyrille Thièry, Stefan Bissegger, Claudio Imhof, Frank Pasche sowie Théry Schir an. Es ist jene Besetzung, die im August an der EM in Glasgow die Silbermedaille gewann.

Die Chancen sind begrenzt

Dem grossen Erfolg folgten danach mehrere Enttäuschungen. Dreimal hintereinander verpasste das Bahn-Aushängeschild von Swiss Cycling zuletzt im Weltcup den Einzug in die Hauptrunde. Rüegg findet, mitunter sei auch etwas Pech dabei gewesen.

Eine Steigerung ist aber in jedem Fall unabdingbar. Die zweijährige Olympia-Qualifikationsphase hat bereits begonnen. Lediglich acht Nationen werden sich für die Spiele in Tokio in der Mannschaftsverfolgung qualifizieren. Momentan liegen die Schweizer in der Qualifikationsrangliste nur auf Platz 11.

«Plötzlich ist es 2020.»
Lukas Rüegg

Überraschend kommt das nicht. Nationaltrainer Gisiger hatte schon im März und nach dem 6. Platz an der WM geahnt: «Es könnte knapp werden.»

Die Schweizer und damit auch Rüegg sind also gefordert. «Wir hoffen auf gute Resultate», sagt er mit einem Blick auf die anstehenden Wettkämpfe. Der 22-Jährige ist sich bewusst, die Chancen – für ihn selber, aber auch für das Team – sind begrenzt. «Plötzlich ist es 2020.»

Junge Fahrer, junger Chef

Die zwölf Fahrer der Mannschaft namens Swiss Racing Academy sind grösstenteils jung. Und auch Teamchef Pirmin Lang ist erst 34-jährig.

Im Herbst 2017 beendete der Luzerner seine Profikarriere, dem Radsport blieb er mit der Gründung der Swiss Racing Academy verbunden, deren Fokus auf der Nachwuchsförderung liegt. Schon im zweiten Jahr des Bestehens hat das Team den Continental-Status.

Im Staff finden sich einige frühere Veloprofis wie Rubens Bertogliati und Martin Kohler, aber auch Marcello Albasini

Der erfahrene Thurgauer war zuletzt beim Continental-Team Vorarlberg Sportlicher Leiter und betreute dabei auch Lukas Rüegg und den aus Schalchen stammenden Gian Friesecke. ­Albasini war letztlich der Hauptgrund, weshalb das Oberländer Duo ebenfalls zur Swiss Racing Academy wechselte, wo auch
der Egger Raphael Krähemann unter Vertrag steht.

«Das Team ist professionell geführt», lobt Rüegg und sagt: «Ich fühle mich hier sehr wohl.» (ome)

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