Der Sprung aufs Podest scheint möglich
Die Wintersaison von Fabienne Schlumpf ist kurz, aber intensiv. Rund einen Monat dauert der Wettkampfblock, am Sonntag steht für die Wetzikerin mit der Cross-EM im holländischen Tilburg der Höhepunkt auf dem Programm.
Die 28-Jährige freut sich «mega» darauf und wirft dann ein, gefolgt von einem für sie so typischen Lachen: «Es wäre aber auch blöd, mit einem schlechten Gefühl anzureisen.»
Für die beste Schweizer Bahn-Langstreckenläuferin, die im August mit dem Vize-Europameistertitel im Steeple ihren bislang grössten Erfolg feierte, gibt es auch gar keinen Grund, nicht optimistisch zu sein. All ihre Rennen im November hat Schlumpf für sich entschieden.
Darunter vor knapp zwei Wochen die Hauptprobe auf der EM-Strecke. Die grossgewachsene Läuferin schränkt allerdings ein: «Das Rennen war nicht so stark besetzt wie erwartet.»
Wie fischen im Trüben
Das ist am Sonntag definitiv anders. Aus insgesamt 79 Läuferinnen besteht das Feld. Neben der türkischen Titelverteidigerin Yasemin Can, die nach dem Gold-Hattrick greift, ist auch die letztjährige EM-Dritte Karoline Bjerkeli Grovdal dabei. Die Norwegerin gewann in Berlin hinter Schlumpf im Steeple Bronze.
Daneben stehen beispielsweise auch die an der Cross-EM 2017 überzeugenden Roxana Barca (4.) und Elena Burkard (5.) am Start sowie eine Handvoll starker Holländerinnen, die nach Medaillen streben.
Zuverlässige Prognosen über den Ausgang des Rennens sind derweil kaum machbar. Schliesslich treten Läuferinnen aus ganz verschiedenen Bereichen gegeneinander an. Zudem können im Cross keine Bestzeiten verglichen werden.
«Das Ganze dürfte offen sein», mutmasst Schlumpf, die von sich sagt: «Ich kann mich zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidatinnen zählen.»
«Tilburg ist im Cross-Fieber.»
Fabienne Schlumpf
Es ist keine Behauptung, die die Athletin der TG Hütten ins Blaue hinaus macht. Zweimal lief Schlumpf, die bei der Wahl zur Sportlerin des Monats Dezember zu den Nominierten des europäischen Leichtathletikverbands zählt, zuletzt an der Cross-EM in die Top Ten. Und ihre couragierten EM-Auftritte in Berlin, die letztlich belohnt wurden, haben ihr Selbstvertrauen weiter gestärkt.
Kommt hinzu: Die Strecke gefällt ihr. Und was gegenüber anderen Läuferinnen von Vorteil sein kann: Sie ist sich als Steeple-Spezialistin die Rhythmuswechsel gewohnt, die es auf den sechs Runden über 8,3 Kilometer gibt.
Das Gefühl zählt
Cross ist in Holland beliebt. Entsprechend viele Zuschauer dürften für die EM-Rennen auf die Anlage im Beekse Bergen Safari Park strömen, dem mit rund 1300 Tieren grössten Zoo in den Benelux-Ländern.
«Tilburg ist im Cross-Fieber», hat Schlumpf schon bei ihrem letzten Besuch festgestellt. Sie nimmt nicht nur an den Geländeläufen teil, weil diese von den Distanzen her gut in ihren Aufbau passen. Schlumpf liebt die anspruchsvollen und bisweilen brutal strengen Cross-Rennen, in denen sie eine gute Basis für die Sommersaison legen kann.
Anders als auf der Bahn und der Strasse spielt die Zeit keine Rolle. Einzig der Rang zählt. «Man muss auf sein Gefühl hören», sagt Schlumpf, die an Wettkämpfen keine Sportuhr trägt. Auch ohne Hilfsmittel kann sie ihr Tempo gut einschätzen.
Die Freude am Dreck
Wie es für sie nach der Cross-EM weiter geht, ist zu ganz grossen Teilen klar. Die 28-Jährige setzt 2019 auf Bewährtes und darum erneut häufig auf Höhenblöcke. Im Frühling bestreitet Schlumpf einige Strassenläufe. Geplant ist auch ein «hoffentlich schneller» Halbmarathon, wie sie sagt.
Ende September steht mit der WM in Doha dann der Saisonhöhepunkt an. Schlumpf weiss, was sie erwartet: «Die Temperaturen haben vorne alle eine vier.»
Es ist ein krasser Gegensatz zu dem, was Schlumpf in Tilburg erwartet. Acht Grad und Regen sind angekündigt. Damit dürfte auch ein Aspekt erfüllt sein, der Schlumpf an Cross-Rennen durchaus gefällt: «Man wird dreckig und nass.»
