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Die Tüftelei bringt Vorteile

Seine Weltcup-Premiere hat Sebastian Stalder zwar schon hinter sich. Vorerst aber geht es für den 20-jährigen Walder bei den Junioren weiter. Auf die gute letzte Saison soll eine noch bessere folgen – mit Spitzenplätzen.

Sebastian Stalder sieht sich auf dem richtigen Weg: Der junge Walder Biathlet hat im Langlauf weitere Fortschritte erzielt.

Foto: PD

Die Tüftelei bringt Vorteile

Ein unvergesslicher Moment? Offensichtlich nicht, wie man in einem jüngst online gestellten Video der internationalen Biathlon-Union (IBU) sehen kann. Denn nicht alle der fünf arrivierten Biathleten lösten die Auf­gabe richtig, Ort und Jahr ihres Weltcup-Debüts zu nennen.

Sebastian Stalder hätte sie hingegen problemlos erfüllt. Einerseits, weil er ihm ganz speziell in Erinnerung geblieben ist. Andererseits aber auch darum, weil sein erster Auftritt auf höchster Stufe erst wenige Monate zurückliegt.

«Die Strecke war brutal viel härter, als ich mir gewohnt war.»
Sebastian Stalder

Am 15. März feierte der Walder seine Weltcup-Premiere in Oslo. Es war ein steiler, wenn auch zeitlich begrenzter Aufstieg für den 20-Jährigen, der noch nicht einmal ein Rennen auf zweithöchster Stufe (IBU-Cup) aufweisen kann. Seine sportliche Heimat in der letzten Saison war der IBU-Junior-Cup. Da zeigte er konstante Leistungen und verdiente sich so das Schnuppern bei den Weltbesten.  

«Die Strecke war brutal viel härter, als ich mir gewohnt war», erinnert sich Stalder an das Sprint-Rennen in Oslo. 82. wurde er, wobei der junge Oberländer vor allem im Langlauf den grossen Unterschied ausmachte. Fast drei Minuten verlor er auf den Sieger, aber nur rund die Hälfte davon auf den Finnen Olli Hiidensalo, der sich als 40. den letzten Weltcup-Punkt sicherte.

Die WM vor der Haustüre

Der Kurzbesuch im Weltcup hat Stalder, der dem C-Kader Junioren angehört, einen extremen Motivationsschub verliehen, wie er sagt. Rückenwind hat ihm zudem die Regeländerung gegeben, dank derer man neu drei statt nur zwei Jahre bei den Junioren starten kann.

Sie erlaubt es ihm, 2020 an der Jugend- und Junioren-WM teilzunehmen – Stalder gehört dannzumal mit Jahrgang 1998 zu den ältesten und erfahrensten Athleten im Juniorenbereich. Und was besonders ist: Die WM findet in Lenzerheide statt.

Für Stalder ist der Austragungsort nicht nur speziell, weil er häufig in der Biathlon-Arena Lenzerheide trainiert. Seit Frühling wohnt er auch unweit der ­Anlage. In einer aus fünf Per­sonen bestehenden Biathlon-Wohngemeinschaft, zu der auch Stalders jüngerer Bruder Gion gehört. ­

«Es tut mir gut, mich auf den Sport konzentrieren zu können.»
Sebastian Stalder

«Organisatorisch ist vieles einfacher geworden», sagt ­Sebastian Stalder, «ich muss viel weniger aus der Tasche leben.» Arbeitete der gelernte Zimmermann in der Vergangenheit auf Stundenlohnbasis, ist er jetzt Biathlon-Profi. Er hat bemerkt: «Es tut mir gut, mich auf den Sport konzentrieren zu können.»

Der guten letzten Saison mit Platz 14 in der Gesamtwertung des IBU-Junior-Cup soll nun eine noch bessere folgen. Kon­stanz auf höherem Niveau strebt er an, mit 5. oder 7. Plätzen im IBU-Junior-Cup wie in der Vorsaison mag er sich nicht mehr zufriedengeben.

«Jetzt muss ich einfach einmal ein Topresultat liefern», sagt Stalder und spricht in diesem Zusammenhang auch von EM- und WM-Medaillen. Dass er sich mit dieser Anspruchshaltung unter Druck setzt, ist ihm bewusst. Er sagt: «Ich funktioniere so besser.»

Vorteil dank Marke Eigenbau

Stalder verströmt viel Zuversicht. Er glaubt, im zweiten von drei Juniorenjahren die nächste Stufe auf seiner Karriereleiter erklimmen zu können, die ihn einst dauerhaft in den Weltcup bringen soll. Der Vorbereitung verleiht er das Prädikat optimal. Keinen einzigen Trainingstag hat er verpasst, das ist nicht selbstverständlich. In der Loipe sieht er sich auf gutem Weg, da ihm im technischen Bereich weitere Fortschritte gelungen sind.

Im Schiessstand setzt er derweil auf ein neues Gewehr. Stalder hat es zusammen mit seinem Vater in aufwendiger Arbeit entwickelt und gebaut. Vom Ergebnis ist er überzeugt. Dank einem neuen Ladesystem ist er schneller bereit und holt so jeweils rund zwei Sekunden auf die Konkurrenz heraus. «Das dürfte sie nervös machen», sagt Stalder.

Letzte Saison kam er im Junior-Cup auf eine Trefferquote von rund 82 Prozent. Jetzt strebt er eine Verbesserung an. «Mit 85 Prozent wäre ich sehr zufrieden.» Mehr als 9000 Schuss hat er seit dem Frühling abgefeuert.

Und die Entwicklung im Schiessstand unter seinem neuen Trainer Ivan Joller – der 2017 vom Spitzensport zurückgetretene Nidwaldner war selber ein guter Schütze – stimmt Stalder positiv.

Familieninterne Konkurrenz

Bald stehen für ihn ­Selektionsrennen auf dem Programm. Überraschungen ausgeschlossen, dürfte er danach die IBU-Junior-Cup-Rennen in Lenzerheide am 15./16. Dezember und in Prémanon (FRA) bestreiten.

«Es macht jetzt mehr Sinn, Rennen bei den Junioren zu laufen.»
Sebastian Stalder

Der 19-jährige Gion wohl auch. An die familieninterne Konkurrenz im C-Junioren-Kader musste sich Sebastian Stalder nach dem Aufstieg von Gion aus der Kandidatengruppe gewöhnen. Obwohl sich die Brüder gut verstehen, sei die Situation nicht immer ganz einfach, sagt der Ältere.

Wettkämpfe im IBU-Cup sind für Sebastian Stalder vorderhand auch heuer nicht geplant. «Es macht jetzt mehr Sinn, Rennen bei den Junioren zu laufen. Ich kann viel lernen.»

Das Niveau ist auch da hoch, die Felder gross. Und sollte sich erneut eine Tür Richtung Weltcup öffnen, würde Stalder nach seiner soliden Premiere nun ja wissen, was ihn zwei Etagen weiter oben erwartet.

Ein Höhepunkt, der zusätzlich kostet

Vom 26. Januar bis am 2. Februar 2020 findet erstmals ein Biathlon-Grossanlass in der Schweiz statt. Für den nationalen Nachwuchs ist die Jugend- und Junioren-WM in Lenzerheide zweifelsohne ein Höhepunkt und zusätzliche Motivation im Alltag. Um sich darauf optimal vorbereiten zu können, haben die Schweizer Nachwuchsathleten auf der Crowdfunding-Plattform «I believe in you» ein Projekt ins Leben gerufen.

Sie haben sich einen Betrag von 50’000 Franken zum Ziel gesetzt, um beispielsweise die Kosten von zusätzlichen Trainingslagern oder Physiotherapie decken zu können. Seine Kampagne bewirbt der Nachwuchs mit einen kurzen Film. Noch aber läuft das Projekt harzig, erst rund ein Viertel des anvisierten Betrages ist erreicht. Immerhin bleiben weitere 61 Tage, um das Ziel zu erreichen. (zo)

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