Illnauer Fussball-Talent kämpft sich zurück
Sind 8000 Franken nicht zu viel? Und reichen die 50 Tage dafür überhaupt? Es sind Fragen, die sich die Illnauer Fussballerin Noa Schärz zusammen mit ihren Kolleginnen stellte, bevor sie auf der Crowdfunding-Plattform «I believe in you» eine Geldsammelaktion startete.
Der Grund: Nach einer schweren Knieverletzung (Kreuzband, Meniskus, Innenband) im August vor einem Jahr hat die 18-jährige trotz intensiven Aufbautraining noch immer grosse Schmerzen. «Da ich den ganzen Tag auf den Beinen bin, wird mein Knie oftmals überbeansprucht», sagt die angehende Köchin.
«Es hat boom gemacht, und das Geld ist zusammen gekommen. Ich war völlig geflasht.»
Noa Schärz
Schärz will deshalb in eine Rehaklinik ins deutsche Regensburg. «Meine Eltern haben mich stets unglaublich unterstützt. Doch so ein Aufenthalt kostet 350 Franken im Tag, und ich möchte zwei bis drei Monate dahin. Da kommt eine ziemliche Summe zusammen», begründet sie.
Nicht restlos begeistert von der Sammelaktion ist zunächst ihr Vater Dany. «Unsere Tochter ist aber erwachsen und hat vor allem einen Wahnsinnswillen», schreibt er auf Facebook. Und jetzt sei er grad etwas überwältigt, hält er fest, als er sieht, wie die Aktion an Fahrt aufnimmt.
Nach 24 Stunden eingespielt
Denn Noa Schärz’ anfängliche Bedenken sind unbegründet. «Es hat boom gemacht, und das Geld ist zusammen gekommen. Ich war völlig geflasht», sagt sie. Bereits nach 24 Stunden war die Summe eingespielt.
Mittlerweile kamen fast 15’000 Franken von insgesamt 127 Spendern zusammen. Zwischen 10 und 1000 Franken steuern diese bei. Und das Projekt läuft noch immer einen ganzen Monat.
Bemerkenswert auch: Als bekannte Patin kann Schärz sogar Lara Dickenmann gewinnen. Die Schweizer Rekordnationalspielerin hatte sich nach der Verletzung bei Schärz gemeldet – und sagte auch sofort zu, die Aktion unterstützen zu wollen.
«Ich freue mich, ihr bald wieder zuzuschauen, wie sie die Gegner mit ihrer Leichtigkeit alt aussehen lässt.»
Lara Dickenmann, neunfache Schweizer Fussballerin des Jahres
«Noa ist eines der grössten Talente. Damit sie den letzten Schritt in ihrer Reha machen kann, braucht sie deine Unterstützung. Meine hat sie bereits und ich freue mich, ihr bald wieder dabei zuzuschauen, wie sie die Gegner mit ihrer Leichtigkeit alt aussehen lässt», machte die neunfache Schweizer Fussballerin des Jahres eine klare Ansage.
Und Dickenmann trägt mit ihren Worten nicht zu dick auf. Tatsächlich zählt die bei den GC-Frauen in der NLA spielende Schärz zu den Hoffnungsträgerinnen im Schweizer Frauenfussball. «Noa kann am Ball alles», lobte unlängst U-19-Nationaltrainerin Nora Häuptle die Mittelfeldspielerin.
Gerne hätte sie die frühere Juniorin des FC Effretikon an der U-19-Heim-EM im Juli dabei gehabt. Schärz war im Vorfeld eine von sechs Protagonistinnen der zweiten Staffel der SRF-Doku-Serie «Morgen sind wir Champions». Sie wird als «Antreiberin des Teams» vorgestellt. Schärz wird an den Arbeitsort ins Restaurant Rössli begleitet, man sieht sie zu Hause musizieren – und immer wieder in der Reha.
Der abgebrochene Versuch
Denn Schärz spielt im Film kaum Fussball. «Noas harter Weg zurück», heisst die Folge nicht von ungefähr. Die Illnauerin versucht, rechtzeitig gesund zu werden. Am Ende sieht man sieht sie bei ersten Passübungen. «Es hat gut getan, den Rasen zu spüren», sagt Schärz.
Doch die Zeit ist zu knapp. «Es fehlte etwa ein Monat», glaubt Nationaltrainerin Häuptle. Sie irrte sich offenbar. Nachdem klar ist, dass es mit der EM nichts wird, bricht Schärz das Training auf dem Rasen wieder ab. «Es macht keinen Sinn», sagt sie. Schärz erhält von Häuptle aber den Tipp von einem möglichen Aufenthalt in einer Rehaklinik.
Die Unterstützung des Lehrmeisters
Dann geht es schnell. Sie spricht sich mit ihrem Lehrmeister, den Eltern, Trainern sowie dem Arzt ab und erhält sogleich grünes Licht, die praktische Ausbildung im Betrieb für ein Jahr zu unterbrechen, um sich ganz der Heilung des Knies zu konzentrieren.
Es ist keine Selbstverständlichkeit und doch wundert es einem nicht, wenn man ihren Chef René Kaufmann im SRF-Porträt erlebt. «Noa hat viele Talente und wird eine tolle Köchin», betont er. Und: «Sie hat einen Freipass.» Immer wieder sagte er seiner Lehrtochter während der Verletzungsphase, dass er die letzte Priorität sei. «Das Knie geht vor», ist für ihn klar.
Für Noa Schärz selbst war das verlorene Wettrennen um die EM-Teilnahme nicht nur ein geplatzter Traum. «Eine grosse Last ist weggefallen», sagt sie mit etwas Distanz. Sie schwärmt von der Betreuung in Regensburg und schätzt es sich ganz auf das Aufbautraining konzentrieren zu können. Ihr Comeback bei den GC-Frauen will sie erst im Frühjahr 2019 geben.
Weitere Crowdfunding-Projekte aus der Region
Voltige-Reiterinnen im Glück, kein Geld fürs Karpfenfischen
Die Illnauer Fussballerin Noa Schärz ist nicht die einzige Sportlerin aus der Region, die derzeit auf «I believe in you» ein Crowdfunding-Projekt am Laufen hat.
Auf Geldsuche ist beispielsweise auch der Wernetshauer Mountainbiker Laurin Lagler. Der 13-Jährige erhofft sich, mit Spendengeldern ein neues Velo anzuschaffen. Und es schaut nicht so schlecht für ihn aus. Noch bleibt über ein Monat Zeit für die nötigen, letzten 500 der geforderten 2500 Franken.
Intakte Chancen, ihr Projekt erfolgreich abzuschliessen, hat ebenso Dolgoon Ganzorig. Der Fan des Interregio-Klubs FC Dübendorf möchte die in die Jahre gekommene Tribüne auf dem Sportplatz Zelgli sanieren. Ganzorig will dafür mit seinen Kollegen sogar selbst Hand anlegen, ist allerdings auch auf Material angewiesen. Mittlerweile sind bereits fast 4000 Franken – und damit rund 80 Prozent der Gesamtsumme – zusammengekommen.
Weniger gut sieht es hingegen für Milos Antic aus Brüttisellen aus. Er nimmt Anfang Oktober in Belgrad (SERB) mit der Schweiz an der WM im Karpfenfischen teil. Er wollte mit der Aktion die Kosten von 2750 Franken einspielen. Allerdings mit wenig Erfolg: Kurz vor Ablauf der Zeit wurden erst 120 Franken gespendet.
Zufrieden darf dafür die Gutenswiler Voltige-Reiterin Marina Mohar sein. Sie hoffte dank «I believe in you» einen Teil der hohen Auslagen für die derzeit laufenden Weltreiterspiele in Tryon (North Carolina, USA) abdecken zu können. Und die Erwartungen der 22-Jährigen vom Voltige-Klub Harlekin wurden mit fast 3500 Franken bei weitem übertroffen.
Überhaupt scheint der Voltige-Klub Harlekin aus Bietenholz eine breite Basis an unterstützenden Kräften im Umfeld zu haben. Vor der Initiative von Mohar waren nämlich schon die Crowdfunding-Aktionen der Juniorinnen äusserst positiv verlaufen. Der Voltige-Nachwuchs konnte sich so im August den Traum von der Europameisterschaft im ungarischen Kaposvár verwirklichen. (dsc)
