Die unbeschwerten Himmelstürmerinnen
Es sind zwei verschiedene Welten, die am Samstag zum Saisonstart in der Elba-Halle aufeinander treffen. Da die jungen, unbeschwerten Himmelsstürmerinnen des UHC Laupen, die den direkten Durchmarsch von der 1. Liga bis in die NLA schafften.
Und dort der Fusionsklub Kloten-Dietlikon Jets. Mit sechs Meistertiteln und acht Cupsiegen ist der bis letzte Saison noch als UHC Dietlikon auftretende Verein so dekoriert wie nur ganz wenige im Frauen-Unihockey.
Und dieses Bild der Gegensätze wird nicht nur in der Konsistenz der beiden Kader unterstrichen. Es reicht da bereits ein Blick auf den neunköpfigen Betreuerstab der Unterländerinnen mit zwei Cheftrainern und insgesamt vier Physiotherapeuten.
«Wir haben auch eine Physio, die zugleich Spielerin ist. Sie pflegt, wenn Bedarf ist», sagt Laupens Trainer Yves Kempf. Der bald 38-Jährige betreut nebst dem NLA-Team weiterhin gleichzeitig den U-21-Nachwuchs im Verein und hat je einen Assistenten an der Seite.
Mit dem selben Aufwand
Es zeigt deutlich: Bei den Oberländerinnen ticken die Uhren auch nach dem Sprung in die höchste Spielklasse nicht anders. In der Vorbereitung wurde einfach zusätzlich eine Crossfit-Lektion pro Woche mit eingebaut. Am generellen Trainingsaufwand hat sich bei Laupen allerdings nichts verändert.
Und bange ist Kempf vor der neuen Herausforderung sowieso nicht. «Wir werden uns auch in der NLA nicht verstecken», sagt er forsch. Für den Trainer sind die beiden Titelfavoriten Piranha Chur und Kloten-Dietlikon Jets sowie Wizards Bern Burgdorf und Berner Oberland vorne weg.
«Dahinter ist alles möglich», ist er überzeugt. Für sein Team hat Kempf die Qualifikation für die Playoffs als Ziel herausgegeben. Ob ein Platz in den Top-8 aber tatsächlich realistisch ist, wird davon abhängen, wie schnell sich die Laupnerinnen an das höhere Tempo gewöhnen werden. Denn: Drei Viertel des aktuellen Kaders spielte vor zwei Jahren noch in der 1. Liga.
«Wir werden uns auch in der NLA nicht verstecken.»
Laupen-Trainer Yves Kempf
Untätig waren die Laupnerinnen im personellen Bereich dann doch nicht. Wie viele Vereine auf dieser Leistungsstufe, holten sie sich – mit Kia Lehmusvuori und Frida Svensson – ausländische Verstärkung. Das Engagement des skandinavischen Duos ist ein Novum – und ein Glücksfall für Laupen, da die Partner der beiden 27-Jährigen ebenso in der Schweiz Unihockey spielen.
Die schwedische Stürmerin Svensson war die letzte Saison noch beim NLB-Klub Mendrisiotto engagiert und zählte dort zu den erfolgreichsten Punktesammlerinnen. Direkt aus Finnland kommt sogar Lehmusvuori, wo sie für den Erstligisten Adalens IF verteidigte.
«Sie geht als Vorbild voraus», lobt Trainer Kempf. Auch andere Vereine hätten an ihr Interesse bekundet, bekräftigt er.
Aus der direkten Nachbarschaft kommt hingegen die von den Floorball Riders dazu gestossene Nancy Gatzsch, die den Konkurrenzkampf unter den Torfrauen zusätzlich belebt. Die genaue Hackordnung auf der Goalieposition lässt Kempf noch offen.
Die zusätzliche Trumpfkarte
Und dann ist da noch Yara Hofmann – die Ur-Laupnerin, die allerdings ebenfalls so etwas wie ein Neuzuzug ist. Nur vereinzelt und so quasi versteckt lief sie aufgrund ihrer parallelen Fussball-Karriere bei den NLA-Frauen des FC Zürich zuletzt auf – und hatte bei ihren raren Einsätzen doch entscheidenden Einfluss.
So beispielsweise beim denkwürdigen 4:3-Sieg über die Floorball Riders, wo sie im dritten NLB-Finalspiel mit ihrem Tor in der Verlängerung für das Ende einer dramatischen Serie sorgte – und das Tor zur Nationalliga A weit aufstiess.
Jetzt hat Yara Hofmann einen Grundsatzentscheid gefällt und den Rücktritt vom Spitzenfussball gegeben. Sie setzt künftig ganz auf die Karte Unihockey.
Bei den Abgängen schmerzt Coach Kempf vor allem der Verlust von Sabrina Gmür, die für ein Jahr nach Finnland zieht und dort ausgerechnet für Lehmusvuoris vormaligen Klub Adalens auflaufen wird. «Ihre Skorerpunkte werden uns fehlen», sagt er. Daneben zählen Daniela Spaargaren (zu Zug United) und einige verdiente, langjährige Spielerinnen nicht mehr zum Kader.
Wie gut die neuformierten Laupnerinnen nun schon harmonieren, weiss aber selbst Baumeister Kempf vor seiner bereits neunten Saison noch nicht.
Er liess sein Team in der Vorbereitung vorwiegend gegen Juniorenteams antreten. Und die bisher einzige Pflichtaufgabe in den 1/32-Finals des Schweizer Cups gegen den Zweitligisten Zürisee United war eine einseitige Angelegenheit (16:2).
Solche Resultate dürften nun eher der Vergangenheit angehören. So oder so darf man gespannt sein, wie weit Spielfreude und Aufstiegseuphorie den NLA-Rookie noch tragen – und wie er auf die ersten Rückschläge reagieren wird.
