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Wenn eine Pizza reichen muss

Noch hat Nico Selenati keine Zeit gefunden, seine kürzlich an der Nachwuchs-Bahn-EM gewonnenen drei Medaillen gebührend zu feiern. Die Saison geht für den Wolfhauser weiter – auf der Strasse, wo er noch Nachholbedarf hat.

Nico Selenati stand an der Nachwuchs-Bahn-EM in allen Disziplinen, in denen er startete, auf dem Podest.

Foto:Willy Knobel

Wenn eine Pizza reichen muss

Nico Selenati nennt ihn den «Monstertag». Das ist nicht einmal übertrieben – bei diesem Programm. Gleich dreimal war der Wolfhauser letzte Woche an der Nachwuchs-Bahn-EM am selben Tag im Einsatz.

Nach der Qualifikation im U-23-Scratch am Mittwochmorgen bestritt er auch jene in der Mannschaftsverfolgung, als Zückerchen dann am Abend den Scratch-Final.

In diesem geriet er sogleich in eine ungünstige Lage und dachte kurz: «Das Rennen ist vorbei.» Selenati aber gelang es aufzudrehen.

Am Schluss jubelte er gar über Silber – es war der Auftakt zur erfolgreichsten Woche seiner Karriere.

«Ich hätte nicht gedacht, dass es danach so weiter geht», sagt der 22-Jährige mit einem Blick auf seine EM-Bilanz. In drei Disziplinen startete der sprintstarke Oberländer in Aigle, dreimal war er an der Medaillenzeremonie dabei.

Nach Silber im Scratch stand Selenati im Waadtland gemeinsam mit dem Madetswiler Lukas Rüegg auch im Madison (3.) und in der Mannschaftsverfolgung (2.) auf dem Podest.

Die Feier muss warten

Aus dem Nichts kamen Selenatis gute Auftritte nicht. Schon in der Vergangenheit feierte er an Nachwuchs-Bahn-Europameisterschaften Erfolge. Neben drei Medaillen im Juniorenbereich schlug der Wolfhauser auch in der U23 bereits einmal zu, wurde vor zwei Jahren Dritter im Scratch.

Drei Medaillen in einer Woche zu gewinnen aber fühlt sich «einzigartig» an, wie Selenati sagt. «So etwas muss man geniessen.»

Dafür aber fehlt dem in einer 50-Prozent-Anstellung als Hauswart arbeitenden Velofahrer, der im Winter Sechstagerennen bestritt und so weitere wichtige Erfahrungen auf der Bahn sammelte, vorerst die Zeit.

Bisher hat er noch nicht einmal die Musse gefunden, um auf seine Erfolge anzustossen. Auf der Rückfahrt von der EM legte er mit seinen Teamkollegen zur Feier des Tages zumindest einen Stopp ein, «um mir eine feine Pizza zu gönnen».

Alles andere aber muss warten. Denn es geht Schlag auf Schlag weiter. Am Dienstag setzte Selenati auf der offenen Rennbahn in Oerlikon eine weitere Duftmarke. Er gewann zusammen mit Philip Diaz und Dario Julita die SM-Goldmedaille im Teamsprint.

Der Dämpfer nach dem Sturz

Jetzt aber wechselt er zurück auf die Strasse. Da möchte der für das Schweizer Continentalteam Akros-Renfer fahrende Oberländer im verbleibenden Monat der Saison noch möglichst oft positiv auf sich aufmerksam machen.

Mit dem fünften Platz am GP Rhodes in Griechenland gelang ihm im Frühling zwar ein vielversprechender Auftakt in die Strassensaison. Nach einem Sturz auf der Bahn fiel er allerdings verletzungshalber mehrere Wochen aus.

«Das war ein rechter Dämpfer. Ich verpasste einiges.»

Selenati also hat auf der Strasse Nachholbedarf. Unter Zugzwang sieht er sich aber nicht. Auch wenn er für nächste Saison noch nirgends einen Vertrag unterschrieben hat.

Der Oberländer geht davon aus, bei Akros-Renfer bleiben zu können. Er schaut sich trotzdem auf dem Markt um. In Frage aber kommen für ihn nur Teams, in denen er parallel zur Karriere auf der Strasse auch jene auf der Bahn vorantreiben kann.  

«Die Sportart ist dieselbe»

Die Bahn-EM in Aigle war derweil Selenatis letzte im Nachwuchsbereich. Nun steht der Schritt zur Elite an. Bange ist ihm davor nicht.

«Der Anschluss sollte nicht so schwierig sein», gibt sich Selenati optimistisch. Das Niveau in den Rennen ist höher. Und die Spitze im Weltcup breiter besetzt als beispielsweise in den U-23-Wettbewerben an der EM.

Aber ein Zeitvergleich in der Disziplin Mannschaftsverfolgung zeigt auch, dass es keine Welten zu überbrücken gibt. Die siegreiche Equipe im letzten Weltcup-Anlass der Saison 2017/18 war weniger als eine Sekunde schneller als der U-23-Europameister in Aigle.

«Der Anschluss sollte nicht so schwierig sein.»

Nico Selenati

Kommt hinzu: Selenati weiss, was ihn auf höchster Stufe erwartet. In den vergangenen Monaten erhielt er zweimal die Möglichkeit, im Weltcup zu schnuppern. Sein unaufgeregtes Fazit hernach: «Die Sportart ist dieselbe.»

Selenati ist motiviert, viel zu investieren, um weiterzukommen. Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hat er dabei ebenso im Hinterkopf wie den Wunsch, Radprofi zu werden.

Es sind ehrgeizige Fernziele, die er sich gesetzt hat. Der junge Oberländer ist sich denn auch bewusst: «Den Sprung zum Profi schaffen nur wenige.»  

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