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Der emotionale Höhepunkt des Jahres

Robine Schürmann, Dany Brand und Lena Wernli geniessen ihre Starts im Vorprogramm von Weltklasse Zürich in vollen Zügen. Mit seiner Leistung ist aber keiner aus dem Oberländer Trio zufrieden.

Robine Schürmann startete zum fünften Mal im Vorprogramm von Weltklasse Zürich.

Foto: Keystone

Der emotionale Höhepunkt des Jahres

Ihr Auftritt im Letzigrund ist schon vorbei, bevor das Hauptprogramm von Weltklasse Zürich überhaupt beginnt. Und der eine oder andere Platz im mit 25’000 Zuschauern ausverkauften Stadion ist zu diesem Zeitpunkt auch noch leer.

Das Erlebnis aber ist deswegen nicht weniger eindrücklich für die diejenigen, die «nur» im Vorprogramm des Meetings starten. Es ist für alle ein Gänsehautmoment, auf der Tartanbahn zu stehen, ins gefüllte Oval blicken zu können und den Lärm der Fans zu hören, die mit ihren Handflächen auf die Werbebanden schlagen.    

Weltklasse Zürich – das ist für jeden Schweizer Athleten ein Leckerbissen. Oder wie es der Rütner Hürdenläufer Dany Brand, noch immer schwer atmend, kurz nach seinem 400-m-Hürdenrennen sagt: «Es war der emotionale Höhepunkt des Jahres.»

Im Training sieht der Athlet des LC Zürich jeweils all die leeren roten Sitze im Letzigrund. «Und jetzt diese Farbenpracht. Das ist einfach geil. Es ist eine Ehre, hier starten zu dürfen.»

Das spezielle Kribbeln

Zum zweiten Mal war der 22-jährige nun im Vorprogramm des Meetings dabei. Seine LCZ-Teamkollegin Robine Schürmann kommt auf fünf Starts im Rahmen der Young Diamond’s Challenge. Das aber ändert nichts an der Tatsache, dass die Hinwilerin, immerhin dreifache EM-Teilnehmerin und damit jemand, der über reichlich Erfahrung an Grossanlässen verfügt, vor einem solchen Einsatz noch immer ein spezielles Kribbeln verspürt.

«Vorfreude und Nervosität steigen», schreibt die 29-Jährige am Donnerstagmittag auf ihrem Facebook-Profil. Um dann einige Stunden später nach ihrem Einsatz zu sagen: «An eine solche Stimmung kann man sich nie gewöhnen.»

 

LEICHTAHTLETIK WELTKLASSE MEETING

Speziell ist: Zu Schürmanns Konkurrentinnen im Letzigrund gehört auch Lena Wernli. Die Laupnerin ist mit ihren 17 Jahren die klar jüngste Athletin im Feld über die 400 m Hürden.

Das Zürcher Oberland ist in der Young Diamond’s Challenge also überaus gut vertreten. Die Ausgangslage der drei Hürdenspezialisten ist allerdings grundverschieden. Da ist einmal Robine Schürmann, der eine starke Saison gelungen ist, sodass sie in ihrem Heimstadion mit viel Selbstvertrauen antreten kann.

Für den ehrgeizigen und talentierten Dany Brand hingegen bietet das Rennen die Chance auf einen späten Befreiungsschlag. Er steckt in  einem schwierigen Jahr. Einem, von dem er sagt: «Irgendwie sollte es einfach nicht sein. Etwas fehlte in jedem Rennen.»

«Etwas fehlte in jedem Rennen.»

Hürdenläufer Dany Brand

Und da ist Lena Wernli. Für die Nachwuchsathletin, die an der U-18-EM über 400 m Hürden in die Halbfinals vorstiess, ist es die Premiere auf einer solch grossen Bühne. Eine unerwartete zugleich, wie sie zugibt.

Wernli ist sich bewusst: Ihre Konkurrentinnen laufen auf einem ganz anderen Niveau. Das macht die Aufgabe schwierig. Das Ziel, eine persönliche Bestzeit aufzustellen verpasst die Laupnerin deutlich.

Selbstkritisch sagt sie hernach, ihr Plan sei nicht aufgegangen. Dann aber ruft sie sich in Erinnerung: «Es ging vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln, das Rennen zu geniessen.»

Und genau deswegen sagt sie doch noch: «Es war unglaublich.»

Aus dem Flow gerissen

Brand und Schürmann sind mit ihren Leistungen nicht zufrieden. Die Hinwilerin startet entschlossen, «ich wollte von Anfang pushen, das ist mir auch gelungen.»

Schnell setzt sie sich an die Spitze und biegt als Führende auf die Zielgerade ein. Dann aber bricht Schürmann komplett ein. «Plötzlich war der Saft weg», muss sie enttäuscht feststellen, ohne den Grund zu kennen. Yasmin Giger fängt die Oberländerin noch ab, verweist sie auf den zweiten Platz.

Enttäuschend ist nicht nur der Rennausgang, sondern auch die Zeit von 57,18 Sekunden. Rund zwei Sekunden langsamer als üblich ist Schürmann damit. «Das ist bitter.»

Einen Erklärungsansatz hat sie immerhin dafür. Beim Einlaufen stösst die 29-Jährige mit einem Trainer zusammen, zieht sich eine Wunde am Bein zu. Aus ihrer Sicht aber entscheidend: «Es hat mich aus dem Flow gebracht.»

 

Einen ähnlichen Rennverlauf wie die Hinwilerin erlebt Dany Brand. Auch ihm gelingt der erste Teil. Zwischenzeitlich liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition mit Vit Müller.

Auf der Zielgerade aber muss er den Tschechen ziehen lassen, wird schliesslich Zweiter. «Schade, ich wollte eigentlich um den Sieg laufen», bedauert der Rütner, weiss aber zugleich auch: «Dafür habe ich am Schluss zu viel verloren.»

Woran es letztlich gelegen hat? Schwierig zu sagen, findet Brand. Einen entscheidenden Grund aber findet er. «Mir hat die Energie gefehlt.»

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