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Hublers Weg der kleinen Schritte

Bei den GC Frauen ist Fiona Hubler mit 18 bereits Captain in der NLA, im Schweizer U-19-Nationalteam zählt die Ustermerin zu den Stammkräften. Zum Auftakt der Heim-EM gegen Frankreich gab es ein 2:2.

Klare Anweisungen: Fiona Hubler im EM-Gruppenspiel gegen Frankreich. (Foto: Keystone), Fiona Hubler (ganz links unten) vor dem Spiel gegen Frankreich. (Foto: Keystone), Mit Vorwärtsdrang: Die Ustermer U-19-Nationalspielerin Fiona Hubler in einem Länderspiel gegen Holland. (Foto: Keystone)

Hublers Weg der kleinen Schritte

«Morgen sind wir Champions» heisst eine Doku-Serie des Schweizer Fernsehen. In der Anfang dieser Woche ausgestrahlten zweiten Staffel stehen aufgrund der am Mittwoch gestarteten U-19-EM sechs Fussballerinnen des Schweizer U-19-Nationalteams im Fokus.

Fiona Hubler zählt nicht zu den auserwählten Protagonistinnen der TV-Sendung. Und doch nimmt die Ustermerin an der Heim-Endrunde eine tragende Rolle bei den Schweizerinnen ein. Beim Auftakt-Remis vom Mittwoch in der Gruppenpartie gegen den vierfachen Europameister Frankreich (2:2) kam sie im zentralen Mittelfeld über 64 Minuten zum Einsatz.

«Fiona hat sich zu einer Leaderin entwickelt und ist deshalb für mich sehr wichtig», sagt Nationaltrainerin Nora Häuptle. Sie charakterisiert Hubler auf dem Feld als «eher verspielte Natur» und «Technikerin, die den Ball sehr gerne am Fuss hat». Dazu passt, dass Hubler zu den seit jeher als rar geltenden und damit gesuchten Spielerinnen mit einem starken linken Fuss zählt. «Die kann man immer gebrauchen», sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Die physischen Fortschritte

Besondere Fortschritte hat Hubler zuletzt insbesondere im körperlichen Bereich erzielt –  dies sehr zur Freude von Häuptle. «Die Physis war bei ihr ein wichtiger Ansatzpunkt. Da hat Fiona aber viel individuell gearbeitet – und dadurch jetzt so gute Werte wie noch nie», freut sich die 34-Jährige.

Überhaupt ist die jüngste Entwicklung von Hubler erstaunlich. Bereits seit eineinhalb Jahren kommt sie bei den GC Frauen regelmässig in der Nationalliga A zum Einsatz.

Und zusätzlich bemerkenswert: Nach dem Rücktritt von Mirjam Betschart in der Winterpause wurde Hubler sogar zum Captain bestimmt – mit gerade mal 18 Jahren. «Ich war am Anfang nicht sicher, ob es klappen würde. Aber der Trainer wollte es. Und das Team hat mich gut unterstützt», sagt sie bescheiden. U-19-Nationalcoach Häuptle begrüsst diesen Entscheid – sie sagt: «Fiona muss in dieser Rolle vorangehen. Und sie hat diese Aufgabe auch angenommen.»
 

«Die Wahl zum Captain spricht für ihre Persönlichkeit»

Ramona Armuzzi, GC U-14-Trainerin

 

Noch konkreter wird Ramona Armuzzi, U-14-Trainerin bei GC. «Die Wahl zum Captain spricht für ihre Persönlichkeit», sagt sie. Die 45-Jährige verfolgt Hublers Karriere seit ihrem Wechsel vom FC Uster im Sommer 2010, und ist ihr als Leiterin der Morgentrainings noch immer eng verbunden.

Sechs Trainingseinheiten bestreitet sie in der Woche – zwei davon jeweils am Vormittag vor der Schule. Der Zeitplan ist straff – fast täglich geht es mit dem Zug direkt vom Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl auf den GC/Campus nach Niederhasli. Mehr Luft dürfte es frühestens in einem Jahr geben, sobald Hubler die Matur im Sack hat.

Das Ausland als Perspektive

Dann könnte für die Ustermerin auch ein Wechsel in eine europäische Topliga zum Thema werden, wo auch das Gros der Schweizer A-Nationalspielerinnen engagiert ist.

«Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich es schon versuchen», sagt sie. Zuzutrauen ist ihr der Sprung. Dies bestätigt Häuptle: «Fiona musste sich vieles erarbeiten. Sie ist aber ehrgeizig.» Die Thurgauerin spricht vom «Weg der kleinen Schritte», den sie durch ihre Erfahrungen auch schon wiederholt als nachhaltiger wahrgenommen hat. «Wichtig ist die Wahl des richtigen Klubs, damit die Spielerin auch zu Spielpraxis kommt», sagt Häuptle.

Auch die sich seit vielen Jahren bei GC im Nachwuchs engagierte Ramona Armuzzi traut Hubler zum gegebenen Zeitpunkt den Sprung ins Ausland zu: «Alles ist möglich», sagt sie. Und für die Fehraltorferin ist ohnehin klar: «Um Fiona muss man sich keine Sorgen machen. Sie weiss ganz genau, was sie will.»

Die Perspektiven der weiteren U-19-Nationalspielerinnen aus der Region

Nebst Fiona Hubler stehen mit der Grafstalerin Fiona Flühler und der Fällanderin Alissia Piperata zwei weitere Fussballerinnen aus der Region im 20-köpfigen Kader des Schweizer U-19-Nationalteams für die gestern eröffnete Europameisterschaft. Die Illnauerin Noa Scherz wurde hingegen nach einer schweren Knieverletzung nicht rechtzeitig fit.

Die Ersatz-Torfrau

Die 18-jährige Fiona Flühler wechselte im Sommer 2011 vom FC Effretikon zu den FCZ Frauen. Bei den Zürcherinnen spielte die Torhüterin zuletzt für das U-21-Team in der NLB. In der kommenden Saison versucht sich Flühler beim FC Luzern auf höchster nationaler Stufe durchzusetzen. In der Schweizer U19 ist sie die klare Nummer 2 hinter Elvira Herzog. «Flühler ist mit dem Fuss einer der talentiertesten Torhüterinnen», sagt Nationaltrainerin Nora Häuptle.

Die Stille

Intakte Chancen hat hingegen Flühlers bisherige Klubkollegin Alissia Piperata – auch wenn sie gegen Frankreich nicht zum Einsatz kam. Die schnelle und technisch gut ausgebildete Fällanderin wechselte Anfang 2017 von GC zu den Stadtzürcherinnen. In der U19 kommt sie auf dem Flügel oder im Sturm zum Zug. «Alissia ist eine ruhige, wertschätzende Person, die in ihrer Persönlichkeit noch etwas kantiger werden darf», sagt Häuptle über die bald 18-Jährige. Beim FCZ dürfte für Piperata das nächste Ziel der Sprung ins NLA-Kader sein.

Die Abwesende

Es hat nicht gereicht. Noa Schärz ist die grosse Abwesende im Kader des U-19-Nationalteams. Die Illnauerin erlitt im letzten August bei einem Cupspiel mit den NLA-Frauen der Grasshoppers einen Kreuzband- und Meniskusriss und musste aufgrund der Schwere der Verletzung sogar zweimal operiert werden. Schärz hoffte bis zuletzt, es noch an die EM-Endrunde zu schaffen. «Die Reha war perfekt. Aber am Ende fehlte etwa ein Monat», sagt Häuptle.

Beim Fussballverband wurde Schärz vor einem Jahr ins Footuro-Programm aufgenommen. Das Projekt bietet den grössten Talenten eine besondere Förderung. «Noa kann am Ball alles», lobt Häuptle die bald 18-jährige Mittelfeldspielerin. Die frühere Juniorin des FC Effretikon stand in einer Folge der eben ausgestrahlten SRF-Doku «Morgen sind wir Champions» im Mittelpunkt – der Titel: «Noas harter Weg zurück.» (dsc)

Die weiteren EM-Gruppenspiele der Schweiz. Am Samstag: Spanien (Zug, 18.15 Uhr). – Dienstag, 24. Juli: Norwegen (Wohlen, 18.15 Uhr). – Halbfinals: 27. Juli (in Biel). – Final: 30. Juli (Biel, 18.15 Uhr).

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