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Eine Herzenssache ohne Brimborium

Erlebnis statt Ergebnis: Der Swissman hat den Status des etwas anderen Triathlons. Unter den Finishern waren mit Walter Reichmuth, Dominique Chassot und Cristina Ganzoni auch drei Athleten aus der Region.

Voller Glücksgefühle: Walter Reichmuth beim Zieleinlauf mit seiner Frau Gisela. (Foto: Jörg Umbricht/Swissman Xtreme Triathlon), Total erschöpft: Dominique Chassot beim Zieleinlauf mit ihren Supportern. (Foto: Jörg Umbricht/Swissman Xtreme Triathlon), Es ist geschafft: Cristina Ganzoni trifft auf der Kleinen Scheidegg ein. (Foto: Jörg Umbricht/Swissman Xtreme Triathlon), Das Ziel schon fast in Reichweite: Walter Reichmuth und seine Frau Gisela. (Foto: Rachel Joelson/Swissman Xtreme Triathlon), Dominique Chassot auf der Radstrecke (Foto: zvg), Voller Zuversicht: Cristina Ganzoni. (Foto: zvg)

Eine Herzenssache ohne Brimborium

Bereits um 5 Uhr in der Früh fiel der Startschuss. 226 Kilometer mit 5500 Höhenmetern von den Brissago-Inseln aus im Lago Maggiore über die Alpenpässe Gotthard, Furka und Grimsel auf die Kleine Scheidegg waren zu bewältigen – der Swissman Xtreme Triathlon hat es in sich. Nur 250 Startplätze gibt es zu vergeben, die Hälfte davon sind für Schweizer reserviert. Das Rennen ist also nicht nur eine ziemliche Herausforderung, sondern auch ein Privileg.

«Nach Gigathlon, Tortour und Ironman suchte ich die neue neue ultimative Herausforderung, weg vom Kommerz»

Dominique Chassot

«Man muss bei der Anmeldung ein Motivationsschreiben aufsetzen», sagt Dominique Chassot. Die Effretikerin überzeugte offenbar die Organisatoren oder wurde unter allen Bewerbern ausgelost. So genau weiss es die 49-Jährige selbst nicht. «Nach Gigathlon, Tortour und Ironman suchte ich die neue ultimative Herausforderung, weg vom Kommerz», nennt sie ihre Beweggründe.

Der Swissman zählt nämlich nicht nur zu den härtesten Langdistanztriathlons, er bietet auch auf der Lauf- und Radstrecke nur minimale Unterstützung an. Gefordert ist vielmehr der Athlet mit seiner Begleitperson, die als sogenannter Supporter fungiert. Auf ein Brimborium rund um die Strecke wird verzichtet – es gibt weder Lautsprecher noch Verkaufsstände, die vom Wettkampfgeschehen ablenken.

Die längsten zehn Kilometer

Den Schlussanstieg auf die Kleine Scheidegg müssen Supporter und Athlet sogar zwingend gemeinsam bis über die Ziellinie bewältigen. Chassot durchquerte sie nach 17 Stunden. Vor allem auf den letzten zehn Kilometern musste sie aufgrund von Magenproblemen arg leiden.

«Es waren vermutlich die längsten zehn Kilometer in meiner Sportkarriere», sagt sie. Eine Aufgabe kam aber nicht in Frage. «Laufen geht immer», war für die frühere NLA-Squashspielerin klar. Ihr Fazit am Ende: «Einen Marathon finisht du mit den Muskeln, einen Triathlon mit dem Kopf und den Swissman mit dem Herzen.»

Fast zeitgleich mit Chassot erreichte auch Cristina Ganzoni aus Dürnten das Ziel. Sie ist zufrieden mit dem Verlauf des Rennens und spricht von einem einmaligen Erlebnis. Die 43-Jährige hatte im Vorfeld insbesondere von den den vielen zu bewältigenden Höhenmetern Respekt. «Das liegt mir eigentlich nicht so», sagt sie.

Bei Dunkelheit eingetroffen

Sieben Monate bereitete sich Ganzoni gezielt für den Swissman vor und trainierte in dieser Zeitspanne zwischen 10 und 25 Stunden in der Woche. Für die gebürtige Bündnerin hat sich der Aufwand gelohnt. Sie schätzte den kleinen, familiären Rahmen und dass Zeit und Klassierung an diesem Wettkampf eine untergeordnete Rolle spielen. «Der Swissman hat mir alles geboten, was ich mir sportlich erträumen kann», sagt Ganzoni.

«Der Swissman hat mir alles geboten, was ich mir sportlich erträumen kann.»

Cristina Ganzoni

Während Chassot und Ganzoni kurz nach 22 Uhr – und damit bereits bei Dunkelheit – auf der Kleinen Scheidegg eintrafen, benötigte Walter Reichmuth fast zwei Stunden weniger. «Mein Minimalziel war es, bei Tageslicht anzukommen.» Diese Vorgabe übertraf der Schwerzenbacher deutlich. «Ich bin sehr zufrieden», betont Reichmuth. Der 48-Jährige ist ein erfahrener Triathlet und durfte beispielsweise auch schon den Ironman Hawaii bestreiten. Für ihn war der Swissmen aber genauso wie für Chassot und Ganzoni eine Premiere.

Und schwierige Phasen hatte auch er zu überstehen. So kämpfte Reichmuth bereits auf der Velostrecke über 180 Kilometer mit Magenkrämpfen. Statt wie gewohnt von Iso-Getränken, Gels und Riegeln, ernährte er sich deshalb fast ausschliesslich von Schinkensandwiches.

Die Frau als mentaler Kick

Richtig hart wurde es auf den letzten, steilen Laufkilometern. Als zusätzlicher Trumpf erwies sich gerade da Reichmuths Frau Gisela, die ihm als Supporter zur Seite stand und damit im Schlussaufstieg begleitete. «Sie war im mentalen Bereich unheimlich wichtig. Ohne Gisela hätte ich nicht nochmals zusetzen können», sagt er.

Eine weitere Teilnahme am Swissman kommt für Reichmuth aber trotz der vielen positiven Emotionen vorderhand nicht in Frage. Er hat sich andere Ziele gesetzt.

Und wie sieht es bei Ganzoni und Chassot aus? «Ich werde es jetzt mal ruhiger angehen», sagt Ganzoni. «Ganz bestimmt nicht mehr», waren hingegen die ersten Gedanken bei Chassot. Am nächsten Tag waren diese aber bereits wieder verflogen. «Ich kann es nicht ausschliessen», sagt sie und lacht.

Streckenrekord am Swissman

Der Swissman hat seinen Ursprung im 2003 initiierten Norseman Xtreme Triathlon in Norwegen. Bei der zum sechsten Mal durchgeführten Schweizer Ausgabe bewarben sich Athleten aus über 50 Ländern. Das Rennen der Männer entschied Michal Rajca aus Polen mit einem Streckenrekord von 11 Stunden und 23 Minuten für sich. Bei den Frauen gewann die Britin Flora Colledge. Von den 239 gestarteten Triathleten erreichten 213 das Ziel. (zo)

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