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Webers nächstes Puzzleteil

Im Europacup hat sich Jasmin Weber diese Saison zweimal in den Top Ten klassiert. Das Debüt im Weltcup hat der 20-jährigen aus Hinwil aber auch gezeigt: Es wird eine herausfordernde Aufgabe sein, sich auf der höheren Stufe festzusetzen.

Auf dem Weg nach oben: Die Hinwilerin Jasmin Weber erlebte unlängst ihre Feuertaufe im Elite-Weltcup. (Foto: Reinhard Standke/Swiss Triathlon), Volle Konzentration, grösstmögliche Anspannung: Kurz vor dem Start zum Europacup-Rennen in Weert. (Foto: Yossi Rubanenko), Jasmin Weber (vorne) auf dem Weg zum Podestplatz im holländischen Weert. (Foto: Yossi Rubanenko), Erfolgserlebnis in Holland: Jasmin Weber (rechts) beendete das Europacup-Rennen in Weert an zweiter Stelle. (Foto: Yossi Rubanenko), Ein spezielles Gefühl: Jasmin Weber geniesst in Weert den Zieleinlauf als Zweite. (Foto: Yossi Rubanenko)

Webers nächstes Puzzleteil

Geht man so mit einem Neuling um? Im Triathlon schon.

Zumindest in der Startdisziplin. Auf nichts und niemanden wird bei den Positionskämpfen im Wasser jeweils Rücksicht genommen.

Und so verwundert es nicht, dass Jasmin Weber beim Rückblick auf ihren ersten Einsatz im Weltcup von «Schlägereien» im Schwimmen berichtet.

Im belgischen Antwerpen erlebte die Hinwilerin am Sonntag ihre Feuertaufe auf dieser Stufe. Die Atmosphäre sei wie an einer WM gewesen, sagt die 20-Jährige und spricht von einem ganz speziellen Wettkampf.

«Ich war nervöser als sonst». Mit ihrem Ergebnis, dem 45. Rang, ist die C-Kader-Athletin nicht ganz zufrieden.

Auf der Laufstrecke und dem Velo kann sie sich zwar nichts vorwerfen. Im Schwimmen aber verpasste Weber wegen den erwähnten Rempeleien den Anschluss. «Auf diesem Niveau ist es dann schwierig, nochmals heranzukommen.»

Lockerheit als Trumpfkarte

Webers Weltcup-Premiere – es soll nur ein weiteres Puzzleteil im Gesamtbild sein. Ein Stück internationale Erfahrung, das sie in ihren Rucksack packen kann.

Die junge Triathletin, in der letzten Saison noch im Juniorenalter, weiss: Der Schritt in den Elite-Weltcup ist kein einfacher. «Man ist sich zwar bewusst, dass man nach hinten gereicht wird», sagt Weber. «Am Anfang ist es trotzdem schwierig, damit umzugehen.»

Es fühlt sich definitiv auch anders an, sich im Weltcup im hinteren Drittel der Rangliste und quasi zurück in der Rolle der Lernenden wiederzufinden.

Statt eine Spitzenplatzierung zu feiern, wie eine Woche zuvor beim Europacup in Weert. Weber gelingt in Holland eines ihres wertvollsten Resultate. Sie wird Zweite und sagt: «Ich hätte nicht geglaubt, es aufs Podest zu schaffen.»

Doch die Umstände sind gut. Da sie sich zuvor beim Europacup in Polen mit ihrem 7. Platz direkt für die Sprint-EM in Estland (19. bis 21. Juli) qualifiziert hat, fällt der Selektionsdruck weg. Dass die Schülerin des Sportgymnasiums Rämibühl die schriftlichen Maturaprüfungen vor dem Wettkampf hinter sich gebracht hat, trägt auch zur Lockerheit bei.  

Zürich statt ins Ausland

Weber sagt, das ständige neu fokussieren zwischen Schule und Sport brauche viel mentale Energie. Im Trainingsbereich hat sie nach eigenem Gutdünken sowieso Optimierungspotenzial, ist gegenüber den Profis im Nachteil. Nur schon was die Trainingsumfänge betrifft – beispielsweise auf dem Velo – natürlich aber auch bei der Erholung.

Wenn letztere zu kurz kommt, wirkt sich das vor allem dann aus, wenn Weber wie zuletzt vier Wettkämpfe hintereinander bestreitet, praktisch pausenlos unterwegs ist. «Ich merkte deshalb, dass beim Weltcup in Antwerpen die Luft etwas draussen war.»

Doch Änderungen sind in Sicht, noch diese Saison. Eigentlich liebäugelte Weber nach Abschluss der Matur mit dem Schritt ins Ausland. Zwei Optionen hat sie eingehend geprüft, sich letztlich nun aber doch für ein Studium an der Universität Zürich entschieden.

 

«Wir pushen uns im Training gegenseitig. Das ist ideal.»

Jasmin Weber über Trainingskollegin Alissa König

 

Das heisst, die Oberländerin trainiert weiterhin bei der TG Hütten unter Michael Rüegg, der von seiner Athletin sagt, sie habe eine gute Veranlagung.

Es ist ein Umfeld, das Weber behagt. Zu diesem gehört auch ihre drei Jahre jüngere Schwester Anja, die dem Nachwuchs-Nationalkader angehört. Und Alissa König.

Die Dürntnerin debütierte vor zwei Jahren im Weltcup. Die beiden jungen Triathletinnen sind ähnlich stark. «Wir pushen uns im Training gegenseitig. Das ist ideal», sagt Weber, die einst als Schwimmerin begann, bevor sie zur Triathletin wurde und sich ihren Weg durch den Nachwuchs nach oben bahnte.

 

 

Mit einigen bemerkenswerten Resultaten. Wie dem 10. Platz an der U-20-EM 2017, dem Sieg im Junioren-Europacup sowie Platz 13 an der U-20-WM (beide 2016). Zudem holte Weber fünfmal in Serie SM-Gold.  

2024 soll zum Thema werden

Wohin soll der Weg noch führen? An Zielen fehlt es nicht. Auch langfristigen.

Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio kommen zwar noch zu früh. «Die Spiele 2024 sollen dann aber zum Thema werden.»

Kurzfristig steht auf Webers Liste die Teilnahme an der U-23-WM in Australien Mitte September ganz zuoberst. Die Hinwilerin hofft, sich an der Sprint-EM in Estland eines der nur zwei Schweizer U-23-WM-Tickets zu sichern. «Das wäre perfekt.»

Wettkämpfe im Europacup sowie eine Stufe höher sollen ihr in den nächsten Monaten derweil helfen, im Elite-Bereich vorwärtszukommen. In der nächsten Saison nimmt sie dann auch die WM-Serie ins Visier.

Das stärkste internationale Wettkampfformat besteht aktuell aus acht Rennen (plus Final), die entweder über die Sprint – oder über die längere Olympische Distanz ausgetragen werden. Letztere ist Weber nur wenig vertraut. Sie hat erst drei Rennen über die Olympische Distanz bestritten, dabei aber festgestellt: «Sie liegt mir gut.»

 

 

Erstaunlich ist das nicht. Weber benötigt in den Rennen jeweils ein wenig Zeit, um ihren Rhythmus zu finden.

Etwas Zeit dürfte sie ebenfalls brauchen, um sich in der Elite festzubeissen. Webers nächste Bewährungsprobe aber ist in Sicht. Anfang Juli startet sie am Weltcup in Ungarn. Mit dem Ziel, «ein möglichst gutes Resultat zu erzielen».

Zentral dafür: Weber muss es gelingen, den «Schlägereien» im Wasser so gut wie möglich auszuweichen.

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