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Von Minimalisten, Lecks und Zugaben

Die WM in Russland ist derzeit in aller Munde. Doch auch der Fussball in der Region bot in der eben abgelaufenen Saison wieder reichlich Stoff für Geschichten.

Arbin Adili reihte sich bei Brüttisellen-Dietlikon auch zu den späten Torschützen ein (Archivfoto: David Kündig), Der Dauerbrenner in der Region: Fehraltorf-Coach Vladimir Jakovljev. (Archivfoto: Robert Pfiffner), In der Rückrunde kam nicht mehr viel vom FC Fällanden mit Spielertrainer Nelson Vaz. (Archivfoto: David Kündig), Kaum zu stoppen: Usters Torjäger Dejan Ilic (rechts) gegen Gossau (Alessio Perot). (Archivfoto: David Kündig), Flamur Gashi war Pfäffikons Mann mit der Torgarantie. (Archivfoto: David Kündig), Dem FC Greifensee bietet sich noch die Chance auf den Cupsieg. (Archivfoto: Christian Merz)

Von Minimalisten, Lecks und Zugaben

Kein zweiter Kurt Feuz in Sicht. Trainerwechsel? Sind auch im Amateurfussball längst an der Tagesordnung. Fünfmal gab ein Trainer in der vergangenen Saison bei Zweit- und Drittligateams aus der Region den Garderobenschlüssel ab.

Das erstaunliche: Sie taten es alle freiwillig. Kein einziger Klub informierte in blumigen Worten darüber, dass er im Abstiegskampf einen Impuls setzen möchte oder das Aufstiegsrennen mit einem Wechsel an der Seitenlinie befeuern möchte. So viel Gelassenheit und Ruhe ist aussergewöhnlich.

Auffallend aber ist auch: Gleich fünfmal beschied man Trainern schon während der laufenden Meisterschaft, dass man sie ersetzen wird. Nach all den angekündigten Wechseln heisst der dienstälteste Trainer in der Region Vladimir Jakovljev. Seit der Saison 2013/14 betreut er den FC Fehraltorf. Und die Zusammenarbeit wird fortgesetzt. Zur Freude des Trainers. Irgendwann werde man aber auch ihm sagen: «Hau ab!», ist Jakovljev sicher und muss bei dieser Vorstellung laut lachen.

In die Sphären eines Kurt Feuz dürfte er sowieso kaum mehr vorstossen. Der dienstälteste Trainer im Schweizer Fussball hat 33 Saisons mit dem FC Münsingen auf dem Buckel. Und: Feuz verlängerte im Februar nicht nur um zwei weitere Jahre, er schaffte unlängst mit den Bernern sogar den Aufstieg in die Promotion League.

«Es sind alle weg.»

Francesco Cardili, Präsident Glattal Dübendorf

Plötzlich sind alle weg

Erst war da die grosse Freude über den Aufstieg in die 3. Liga. Dem aber folgte sogleich der Schock infolge eines Spieleraderlasses. Was wiederum Francesco Cardili, den Präsidenten von Glattal Dübendorf noch vor der Saison klagen liess: «Es sind alle weg».

Es fanden sich dann doch genügend Fussballer für die Meisterschaft. In der Winterpause aber hätte Cardili seine Aussage wiederholen und zusätzlich ein Ausrufezeichen dahinter setzen können. 18 Spieler suchten das Weite, 16 neue kamen. Der Abstieg war dennoch nicht zu vermeiden. Der Punkteabzug (minus 10) nach dem wegen wüsten Szenen abgebrochenen Spiel gegen Barcelona wog zu schwer.

Immerhin spielten die Glattaler die Meisterschaft zu Ende. Der FC Rot Weiss Winikon, ein Team mit ebenfalls traditionell hoher Fluktuation, schaffte das wegen Personalmangels nicht. Da schienen tatsächlich plötzlich alle weg zu sein. Zuerst gab es Durchhalteparolen, Anfang Mai aber zog der Ustermer Verein seine Drittliga-Mannschaft zurück. Heinz Grütter, einer der Teamverantwortlichen zu diesem Zeitpunkt, hatte kurz zuvor offenbart: «Es ging drunter und drüber.» Und auch gleich seinen Abschied angekündigt.

Wie ein Absteiger gepunktet

Die Wetziker Reserven haben sich in jüngster Zeit den Ruf von Minimalisten angeeignet. Gerademal 13 Punkte sicherten sie sich in dieser Saison. Kein Drittliga-Team aus der Region – ausser das mit erheblichen Punktabzügen bestrafte Glattal Dübendorf – holte weniger. Und doch reichte diese karge Ausbeute zum Ligaerhalt. Erneut.

Denn im Vorjahr schaffte der FCW 2 sogar nur 12 Zähler – und musste trotzdem nicht in die 4. Liga. Weshalb? Die Umstände in der Gruppe 6 machten es möglich. Bereits im Vorjahr hätte es die Wetziker getroffen, sie profitierten aber vom freiwilligen Abstieg der zweiten Mannschaft des FC Seefeld. Und dieses Mal spielten ihnen Winikons Fussballer mit dem Rückzug in die Karten.

Erfolgreich und fair

Der FC Greifensee steht nicht nur am Samstag im Final des FVRZ-Cups und kann sich mit einem Sieg über Drittligist Embrach für die 1. Hauptrunde des Schweizer Cups qualifizieren. Er führt auch die Fairplay-Wertung in der 2. Liga an. Holen die Greifenseer also im Endspiel nicht zu viele Karten, dürften sie diesen Wettbewerb für sich entscheiden. Und bekanntlich vergibt der Fussballverband der Region Zürich den zweiten Platz im Cup-Hauptfeld dem fairsten Team aus der 2. und 3. Liga.

Kann der FCG also sogar den Final verlieren und steht trotzdem unter den letzten 64 Teams mit allen Super-League-Klubs? Nein! In der jüngsten Zeit setzten sich regelmässig die Drittligisten im Quervergleich durch – und trotz einer Koeffizient-Anpassung zugunsten der Oberklassigen. Darauf dürfte es auch in dieser Saison hinauslaufen, in der wohl der FC Meilen zum Handkuss kommt.

Das Fällander Tief im Exil

Der FC Fällanden zählte in der Vorrunde in der Drittliga-Gruppe 6 zu den positiven Überraschungen und überwinterte im Spitzenfeld. Doch auf das Hoch folgte das Tief. Gerade noch neun Punkte resultierten in der zweiten Meisterschaftshälfte. Dennoch zieht Spielertrainer Nelson Vaz ein positives Fazit: «Der Verein hat noch nie so viele Punkte in der 3. Liga geholt. Und dies, obwohl wir im Frühling mit argen Personalproblemen zu kämpfen hatten.»

Das Nachlassen hat einen weiteren Grund – der FCF trainiert nämlich wegen des Rasenumbaus auf der Glattwis derzeit auf dem Milandia-Gelände in Greifensee. Seine Spiele bestreitet er deshalb bis Ende Jahr allesamt auswärts.

Der Aufsteiger ist König

Wer zu früh geht, der verpasst das Dessert, sagt man. Wendet man den Spruch auf die Spiele der Drittligisten aus der Region an, heisst das: Wer als Zuschauer vor der 85. Minute nach Hause ging, dem entgingen reichlich Tore. In 59 Spielen jubelten Oberländer Mannschaften in der Schlussphase – manchmal gleich mehrfach.

Der unbestrittene König der letzten Spielminuten ist Aufsteiger Brüttisellen-Dietlikon. In 14 von 22 Partien erzielte das Team von Robert Merlo späte Tore. Entscheidend aber war nur ein einziges davon: der 2:1-Siegtreffer von Adili (89.) im Startspiel gegen Weisslingen. Alle anderen waren Zugaben. Hinter Brüttisellen-Dietlikon belegen der FC Wald und Pfäffikon die weiteren Plätze in der Rangliste der «Spätzusteller».

Wo ein Ende, muss allerdings auch ein Anfang sein. Und im Spiel gegen Bülach wurde der FC Effretikon von diesem sichtlich überrascht. Notabene trotz Anpfiff, den man doch eigentlich gut hören müsste. Nach nur 40 Sekunden lagen die Effretiker hinten, was Trainer Flakon Halimi später mit den Worten quittierte: «Ich will nicht sagen, dass wir nicht da waren, aber irgendwie haben wir uns wohl die heutige Aufgabe etwas zu leicht vorgestellt.»

Auch Glattal Dübendorf schaffte es, gegen Glattbrugg schon in der ersten Minute ein Gegentor zu erhalten. Die Auszeichnung als Schnellstarter heimst derweil der FC Fehraltorf ein. Gegen Meilen führten die Fehraltorfer nach acht Minuten bereits 3:0. 

«Ich will nicht sagen, dass wir nicht da waren, aber irgendwie haben wir uns wohl die heutige Ausgabe zu leicht vorgestellt.»

Flakon Halimi, Trainer FC Effretikon

Lecks und Entscheidungsschwenker

Welche Spieler kommen, welche gehen? Wer wird Trainer? Es wird viel geredet und spekuliert. In jedem Verein gibt es ein Leck. Unlängst machte ein Gerücht die Runde, dass Drittliga-Rückkehrer Volketswil neue Spieler mit Unterschrift- und Punkteprämien lockt. Aus Pfäffikon soll der eine oder andere kommen, wurde kolportiert. Ein Grund dafür kann der Trainerwechsel nach dem erneut verpassten Aufstieg sein. Beim FCP soll es bei der Findung sogar noch kurzfristig zu einem Entscheidungsschwenker zu Marcel Erismann gekommen sein.

Auch die Namen von Ex-Fussballprofis wie Rainer Bieli oder Gabor Gerstenmaier machten auf dem Trainerkarussell in der Region die Runde. Den Zuschlag bei Absteiger Wetzikon erhielt tatsächlich der frühere rumänische Nationalspieler Gerstenmaier.

Und in Wald erinnerte man sich mit Paco Sanchez an einen Altbekannten (u. a. Gossau, Greifensee). «Im Oberländer Fussball ist es oft so, dass du die besser machen musst, welche du hast», liess er sich in der Vereinsmitteilung zitieren. Da stellt sich doch glatt die Frage, wie es anderswo ist.

Topskorer der Region: Flamur Gashi und Dejan Ilic

Wegen einer Zerrung war Dejan Ilic in der Schlussphase der Meisterschaft zum Zuschauen verdammt. Das war zwar für seinen Klub, den FC Uster nicht weiter schlimm, da der Zweitligist den Aufstieg genau in jener viertletzten Runde gegen Diessenhofen sicherstellte, in der sich Ilic auch verletzte. Der 20-Jährige musste danach allerdings miterleben, wie er im Topskorer-Rennen tatsächlich noch abgefangen wurde.

Im letzten Spiel des Drittligisten FC Pfäffikon trug sich Flamur Gashi zweimal in die Torschützenliste ein und schraubte sein Total auf 24 Treffer – genau gleich viele also wie Dejan Ilic.

Eindrückliche Serien

Während der Ustermer dafür 22 Einsätze benötigte, schaffte Gashi dasselbe mit einem Spiel weniger. Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass beim 29-jährigen Pfäffiker Angreifer das eine Tor in der Wertung verblieb, das er in der Vorrunde gegen Rot Weiss Winikon erzielt hatte. Die  Winiker zogen sich später allerdings zurück, ihre Ergebnisse wurden gelöscht.

Wirklich vergleichbar sind die Leistungen sowieso nicht, spielen die Angreifer doch in unterschiedlichen Ligen. Eindrückliche Serien aber weisen beide auf. Ilic traf in elf Spielen hintereinander zumindest einmal. Gashi wiederum schaffte es in insgesamt neun Partien, zwei oder gar mehr Tore zu erzielen. (zo)

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