UHC Laupen betritt Neuland
In die Nähe der «Topteams» in diesem Bereich schaffen es die NLA-Frauen des UHC Laupen nicht. Man muss gar sagen: nicht einmal ansatzweise.
Zwölf Zuzüge vermeldet beispielsweise Unihockey Berner Oberland, deren zehn Bern Burgdorf und die Nummer drei, die Kloten-Dietlikon Jets, listet immerhin sieben neue Spielerinnen auf. Und der UHC Laupen?
Im für gewöhnlich gut informierten Branchenportal www.unihockey.ch ist bis am Freitag weder ein Zu- noch ein Abgang vermerkt, dann aber werden die Angaben auf den neuesten Stand gebracht. Denn obwohl beim Aufsteiger in die höchste Liga die Veränderungen innerhalb des Teams überschaubar sind, gibt es sie trotzdem.
«Unser Ziel ist es noch immer, einmal ein ganzes Flugzeug chartern zu können.»
Trainer Yves Kempf
Da sind beispielsweise die Abgänge von Daniela Spaargaren (Zukunft offen), Lea Vontobel und Silvana Gasner (beide Rücktritt). Viel mehr Interesse in der Szene aber wird die Meldung generieren, dass der UHC Laupen nächste Saison auf zwei ausländische Verstärkungsspielerinnen setzt – die Schwedin Frida Svensson und die Finnin Kia Lehmusvuori.
Beide sind 27-jährig. Svensson spielte vergangene Saison in der Schweiz bei Mendrisiotto Ligornetto in der NLB. Lehmusvuori war derweil in der höchsten finnischen Liga bei AIF engagiert, einem in der Umgebung Helsinkis beheimateten Klub.
Erst kürzlich und nach längeren Verhandlungen konnten die Wechsel über die Bühne gebracht werden.
«Müssen etwas probieren»
Der Oberländer Dorfverein, zu dessen Erfolgsrezept es gehört, auf die vielen eigenen Talente zu setzen, betritt damit Neuland. Yves Kempf, der in seine neunte Saison als Trainer der Equipe steigt, spricht gar von einer grossen Gratwanderung.
Es ist eine, die man nicht ganz freiwillig unternimmt. Man hat sich unter Zugzwang gesehen, da die zukünftige Konkurrenz zum Teil im grossen Stil ausländisches Personal importiert. Berner Oberland beispielsweise verpflichtete gleich vier Finninnen, wobei die grosse Anzahl nichts über die Qualität der Zuzüge aussagt.
Kempf sagt, er habe dem Vorstand klar gemacht, dass man etwas Geld in die Hand nehmen müsse für die Verpflichtung von ausländischen Verstärkungsspielerinnen. Die Argumentation des Trainers: «Wir müssen etwas probieren. Auch als Zeichen an die Konkurrenz.»
Und im Bewusstsein, keine Schweizer NLA-Spielerin mit grossem Potenzial nach Laupen locken zu können. Kempf sagt, er habe gar nicht erst einen Versuch unternommen.
Hinderlich war in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Laupnerinnen bis Anfang März in der Meisterschaft engagiert waren und erst dann feststand, dass sie neu in der NLA spielen werden.
Zu diesem Zeitpunkt hatten viele der wechselwilligen NLA-Akteurinnen längst Verträge unterschrieben.
Hohe Erwartungen ans Duo
Aus 24 Spielerinnen besteht das Laupner Kader nun – inklusive dem neuen nordischen Duo. Letzteres hat der Oberländer Verein nicht verpflichtet, um mehr Breite im Team zu haben. Diese ist längst vorhanden. Svensson und Lehmusvuori sollen tragende Rollen übernehmen.
«Ich erwarte, dass sie als gute Beispiele vorangehen und viel Verantwortung übernehmen», sagt Kempf.
Die Liga dürfte erneut zumindest zweitgeteilt sein. Kempf glaubt, ein Quartett bestehend aus Piranha Chur, Kloten-Dietlikon, Bern Burgdorf und Berner Oberland ziehe einsam seine Kreise. «Die restlichen fünf Gegner liegen in unserem Bereich.»
Ein volles Flugzeug als Ziel
In der jüngeren Vergangenheit hat der UHC Laupen in seiner Frauenabteilung eine fast beispiellose Erfolgsserie aufzuweisen. Die eng mit dem Fanionteam verzahnte und ebenfalls von Kempf trainierte U21 wurde zweimal Schweizer Meister und erreichte 2018 erneut den Final.
Und nach jeweils zwei 2. Plätzen (2015/2016) stieg das Fanionteam des UHC Laupen innerhalb von zwei Jahren von der 1. Liga in die NLA auf.
Bei den Laupnerinnen ist man sich bewusst: Nächste Saison wird man auch wieder vermehrt Misserfolge verarbeiten müssen. Kempf sagt, im Team herrsche die Meinung vor: «Jetzt geht es ins Abenteuer.»
Verstecken aber wird sich das junge Team – das Durchschnittsalter beträgt rund 24 Jahre – auch auf dem höchsten nationalen Niveau nicht müssen. Der Mix aus kämpferisch, läuferisch und technisch starken Spielerinnen ist gut. Und die Substanz und der Zusammenhalt vorhanden, um sich etablieren zu können.
Wie in den letzten drei Jahren fliegt das Laupner NL-Team zusammen mit der U21 für ein Trainingscamp ins finnische Eerikkilä. Aus rund 40 Personen besteht die Delegation. Das ist eindrücklich. Ganz zufrieden ist Kempf damit aber nicht, wie er sagt, um dann zu lachen.
Der Grund dafür: «Unser Ziel ist noch immer, einmal ein komplettes Flugzeug chartern zu können.»
