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Im Angriffsmodus an die WM

Der Mönchaltorfer Simon Marquart nähert sich der Weltspitze immer weiter an. Die Zeit für den Profifahrer scheint reif, erstmals auf höchster Stufe in den Final vorzustossen. Marquart hofft, die Premiere an der WM zu schaffen.

Für Simon Marquart scheint die Zeit reif, auf höchster Ebene erstmals in den Final vorzustossen. (Foto: Marc Dahinden), Auf der BMX-Bahn zuhause: Simon Marquart ordnet dem sportlichen Erfolg alles unter. (Archivfoto: Madeleine Schoder), BMX-Profi Simon Marquart auf der BMX-Piste in Dättnau. (Archivfoto: Madeleine Schoder), Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Simon Marquart (Mitte) bei einem Junioren-Rennen. (Archivfoto: David Kündig), In Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, findet am Wochenende die BMX-WM statt. (Foto: Keystone)

Im Angriffsmodus an die WM

Dreimal war er diese Saison nahe dran. Dreimal aber scheiterte Simon Marquart schliesslich beim Versuch knapp, zum ersten Mal in seiner Karriere in den Final eines Weltcup-Rennens einzuziehen.

Was dem mittlerweile in Winterthur wohnhaften Mönchaltorfer letztlich noch dazu fehlte? «Die Erfahrung», sagt der 21-Jährige lapidar.

Bei den zwei Weltcup-Rennen in Frankreich etwa lag er in den Halbfinals zweimal auf dem vierten Platz, der das Finalticket bedeutet hätte. Dann aber kam der mentale Stress. «Ich wollte es perfekt machen, meine Chance unbedingt packen und wurde zu vorsichtig.»

Ein kleiner Fehler, abbremsen oder ein kurzes Zögern – es liegt an der Weltspitze nicht drin. Die Luft ist dünn da oben, das Niveau hoch.

«Sehr hoch sogar», sagt Marquart. Connor Fields beispielsweise, der Olympiasieger von Rio 2016, stand heuer im Weltcup bisher kein einziges Mal im Final. Der aufstrebende Marquart glaubt derweil: Der Zeitpunkt für ihn ist reif, die Top 8 zu erreichen.

Der BMX-Profi hofft, schon am nächsten Anlass – an der WM Ende Woche in Baku. Und er ist überzeugt: «Im Optimalfall gelingt mir das.»

Der Sprung auf dem Velo

Marquart hat die Reise in die Hauptstadt Aserbaidschans mit viel Zuversicht angetreten. Die jüngsten Trainingsresultate sind top. Er fühlt sich ausgeruht und ist fit.

Dabei gehören Verletzungen bei den BMX-lern zum Alltag. So fehlt der neben dem Winterthurer David Graf zur ersten Reihe der Schweizer Topfahrer zählende Renaud Blanc wegen einem Knöchelbruch an der WM.

Marquart hat ebenfalls eine Verletzungsgeschichte, wenn auch eine relativ kleine im Vergleich zu anderen. 2017 aber ist er durch den Bruch des Mittelhandknochens gestoppt worden, diese Saison hat er eine Ellbogenverletzung erlitten. Ein Europacup-Wochenende verpasste er dadurch, mehr aber auch nicht.

Gegenüber dem Vorjahr hat Marquart sich weiterentwickelt. «Ich bin schneller und kräftiger geworden», sagt er. Und dank intensivem Training hat er auch fahrtechnisch einen ordentlichen Sprung nach vorne gemacht.

Hauptrolle für Perfektionisten

In diesem Zusammenhang spielt der 45-jährige Grant White die Hauptrolle. Der in Manchester lebende Australier ist in der Szene hoch angesehen. Seit Anfang 2018 ist der BMX-Trainer für die Schweizer Elite-Fahrer verantwortlich.

Marquart schwärmt von der Zusammenarbeit mit White, bezeichnet ihn als besten Coach, den er je hatte. «Er ist ein Perfektionist. Und er will, dass man selber einer ist.»

Whites fordernde Art passt zu Marquart, dem Wettkampftypen, der erzählt, mit ihm ein Brettspiel zu machen sei nicht unbedingt eine harmonische Angelegenheit. «Ich verliere sehr, sehr ungern», sagt er und lacht.

Sehr streng, aber sehr produktiv hat der Mönchaltorfer die Vorbereitung in Erinnerung, die eine Trainingswoche in Manchester und einen einmonatigen Abstecher in die USA beinhaltete. Letzteren konnte er gar im Rahmen seiner Spitzensportler-RS machen.

Der Saisonstart gelang ihm mit drei 9. Plätzen ideal, nach dem dritten Weltcup-Rennen aber geriet er etwas aus dem Tritt. Timing-Probleme beim Start beschäftigten ihn fortan.

Zudem brauchte Marquart Zeit, um die mit Trainer White zahlreich vorgenommenen Umstellungen zu festigen. Doch die Formkurve stimmt, «zuletzt ging es wieder aufwärts».  

WM erstmals vor der EM

Für einmal findet die WM und damit der Saisonhöhepunkt vor der EM (8. bis 11. August) statt. Ausschlaggebend dafür: Im Rahmen des Multisportevents European Championships in Glasgow finden erstmals alle Wettbewerbe der olympischen Raddisziplinen im selben Zeitraum und am gleichen Ort statt.

Der Abtausch macht aber auch aus rein sportlichen Gründen Sinn, da es in den Sommermonaten in Baku unerträglich heiss werden kann.

Noch kennt Marquart die BMX-Bahn in Aserbaidschans Hauptstadt nur von 3D-Plänen her. Es ist eine lange, anstrengende Strecke. «Man muss viel `trampen`, das ist gut für mich», sagt Marquart.

Es erhöht seine Chancen, nicht ein viertes Mal diese Saison knapp an einem Finaleinzug zu scheitern.

Schunck als Alleinunterhalter

Zur sechsköpfigen Schweizer Delegation für die BMX-WM in Baku (8./9. Juni) zählt neben dem Mönchaltorfer Simon Marquart ein weiterer Fahrer aus der Region. Kevin Schunck heisst er.

Der einzige Schweizer Starter bei den Junioren kommt aus Volketswil. Der heute 17-Jährige hat schon in ganz jungen Jahren für Aufsehen gesorgt. 2011 hatte Schunck in seiner Alterskategorie den EM-Titel gewonnen und hernach gesagt, er möchte eines Tages zu den wenigen BMX-Profis gehören.

Soweit ist er zwar noch nicht, aber der Schüler an der United School Of Sports bahnt sich weiterhin konsequent seinen Weg nach oben. Im März fuhr er im Junioren-Europacup in Verona zweimal auf den zweiten Platz, im Junioren-Ranking des internationalen Radsportverbands UCI liegt er an achter Stelle.

Rechtzeitig wieder fit

Nur kurz nach seinen starken Europacup-Vorstellungen in Italien feierte Schunck seine Premiere auf höchster Ebene. Der Volketswiler debütierte bei den zwei Rennen in Frankreich im Elite-Weltcup, musste da aber hartes Brot essen.

Danach fiel der 17-Jährige gar verletzt aus. Rechtzeitig auf die Weltmeisterschaften in Aserbaidschan hin ist er aber wieder fit geworden.

Schunck gilt als sehr guter Starter und physisch starker Fahrer. Die Erwartungen an ihn sind hoch, er zählt zu den Podestkandidaten.

Ganz grosser Favorit auf den Junioren-Titel war eigentlich Izaac Kennedy. Der Neuseeländer aber hat sich die Schulter gebrochen. (zo)

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