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Mit 19 Jahren bereits eine Leaderin im Nationalteam

Rücktritte und enttäuschende Resultate: Das Schweizer Nationalteam mit der Ustermerin Tamara Stanisic musste zuletzt einige Rückschläge hinnehmen. An der EM in Guadalajara soll es wieder aufwärtsgehen.

Bereit für die EM in Guadalajara: Tamara Stanisic (stehend in der Mitte) mit ihren Kolleginnen aus dem Schweizer Nationalteam. (Foto: STV/Stephan Bögli)

Mit 19 Jahren bereits eine Leaderin im Nationalteam

Sie ist noch keine 20 Jahre jung und bereits die dienstälteste Gymnastin im Elite-Kader der Schweizer Gruppe. Seit 2014 ­gehört Tamara Stanisic dem Team an. Entsprechend nimmt die Ustermerin eine wichtige Rolle als Captain ein – auf und neben der Wettkampf-Boden­fläche.

«Tamara macht einen Super-Job und kann ihre Kolleginnen mitreissen. Sie hat sich in den letzten Jahren stets weiterentwickelt. Und ist heute eine Leaderin», sagt die Volketswi­lerin Doris Klein, Ressortchefin Rhythmische Gymnastik beim Schweizerischen Turnverband.

Rund 30 Stunden trainiert die bei der RG Wetzikon gross gewordene Stanisic in der Woche. Viel Disziplin ist da gefragt, bis die gymnastischen und tänzerischen Übungen mit den Handgeräten gefestigt sind.

Zeit für andere Freizeitaktivitäten bleiben Stanisic neben dem Sport und der KV-Ausbildung nur selten. «Bei solch einem vollen Plan gibt es keine spontanen Treffen mit Freunden. Man muss es sich bewusst einrichten», sagte sie jüngst in einer Zeitschrift.

Ein gutes Pflaster

Ein kleiner Lohn für die ganzen Entbehrungen sind Anlässe wie die Europameisterschaften von diesem Wochenende in Guadalajara (ESP). Doris Klein traut Stanisic und ihren Teamkolleginnen durchaus eine Top-Ten-Platzierung im Mehrkampf mit zwei Übungen (5 Reifen; 2 Seile, 3 Bälle) unter den insgesamt 22 Gruppen zu. «Wenn das Team weitgehend fehlerfrei bleibt und ihr Können im Ausdruck zeigt, ist es möglich», sagt sie.

Das Programm ohne gröbere Patzer zu bestreiten, heisst insbesondere auch Geräteverluste zu vermeiden. Sie werden von den Kampfrichtern entsprechend hart sanktioniert. Klein spricht deshalb von «einem schmalen Grat», auf dem sich die Turnerinnen bewegen, und nennt einen wei­teren Faktor für ein positives Abschneiden – den Austragungsort. «Guadalajara ist ein gutes Pflaster», betont sie und lächelt.

Tatsächlich: Erst einen Monat ist es her, seit die Schweize­rinnen bei einem Weltcup in der Hauptstadt der gleichnamigen spanischen Provinz mit Platz 8 im Gruppen-Mehrkampf und Rang 5 mit der Ball-Seil-Übung positiv überraschten. Selbst Cheftrainerin Iliana Dineva sagte hernach: «Wir sind ohne grossen Erwartungen angetreten.»

Das Schweizer Team am Weltcup in Guadalajara. (Quelle: Youtube)

Nur eine Zwischenstation

Der Grund für die defensive Haltung der Bulgarin sind die ver­letzungsbedingten Rückschläge, welche das Schweizer Team in den letzten Jahren einstecken musste. Die Folge davon waren immer wieder auch Rücktritte – wie beispielsweise derjenige der Tessinerin Chiara Torino erst vor wenigen Tagen.

Nicht zuletzt deshalb wurde auch der Start in die laufende Saison nach hinten verschoben. «Gut, dass die Turnerinnen gesehen haben, dass sie trotz der schwierigen Situation im Vorfeld eine gute Leistung abliefern können», freute sich Dineva nach dem ersten Wettkampf. Das gebe Selbstvertrauen und Motivation, um weiterzukämpfen.

Die EM in Guadalajara ist für Stanisic und ihre Kolleginnen Gina Dünser, Tania Cardinale, Jasmin Frieden und Julia Wymann aber sowieso nur eine Zwischenstation. Mit einer guten EM-Leistung will man einfach eine stabile Basis legen.

Der ganze Fokus in der Saisonplanung ist auf die WM von Mitte September in Sofia gelegt. Unter die besten 24 Gruppen will es das Schweizer Quintett dann in Bulgarien mindestens schaffen, um sich damit die Chance auf eine Olympiateilnahme 2020 in Tokio aufrechtzuerhalten.

Es ist ein hohes Ziel, vor allem weil das Abschneiden an Weltmeisterschaften seit der nur knapp verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in London 2012 zunehmend ent­täuschender wurden. «Als wir letztes Jahr ein total schlechtes Resultat erzielt haben, hatte das ganze Team eine Krise», bestätigte auch Stanisic.

Olympia ist also noch weit weg. Weiterhin. Erst einmal überhaupt – in Los Angeles – schafften 1984 zwei Schweizerinnen die Qualifikation, allerdings im Einzel. Das ist lange her und die internationale Konkurrenz im Einzel mittlerweile viel zu gross. Der Schweizer Turnverband entschied sich deshalb schon nach der Jahrtausendwende, voll auf das Team zu setzen.

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