Alleine durch die Vorbereitung
Lange ist der UHC Uster seiner ersten Playoff-Teilnahme in der höchsten Liga nachgerannt. Letzte Saison und im 13. Anlauf hat es endlich geklappt.
Doch wie sagt man so schön? Hat eine Maus einmal an einem Stück Käse geknabbert, so kommt sie wieder. Was auf das NLA-Team aus Uster umgemünzt heisst: Der Appetit ist geweckt, der Playoff-Einzug steht erneut auf dem Speiseplan.
Die Basis dafür müssen die Ustermer im Sommertraining legen. Und in diesem beschreiten sie einen ungewohnten Pfad. Nicht etwa der neue Cheftrainer Mika Heinonen hat die Verantwortung dafür inne. Kann der Finne auch gar nicht, tritt er sein Amt in der Schweiz doch erst Anfang August an.
«Wieso soll das im Unihockey nicht auch funktionieren?»
Sportchef Thomas Schwarz
Bis zu seiner Ankunft springt ein routiniertes Spielertrio in die Bresche. Stürmer Simon Suter – er ist studierter Bewegungswissenschaftler – kümmert sich um den physischen Teil des Sommertrainings, Florian Bolliger und Raphael Berweger leiten die technischen Einheiten in der Halle.
Die Mannschaft trainiert sich also selber. Es ist eine Lösung, die man auf diesem Niveau sonst wohl nirgends antrifft. Geht man damit kein Risiko ein?
Nein, findet Thomas Schwarz. Der Sportchef hat keine Bedenken, dass zu wenig intensiv trainiert wird. Jeder wolle sich letztlich ja einen Stammplatz sichern, begründet er. Und verweist darauf, dass sich in anderen Teamsporten ebenfalls Athleten selbstständig auf die Saison vorbereiten.
«Wieso soll das im Unihockey nicht auch funktionieren?», fragt er. Schwarz sagt aber auch: «Es setzt ein gewisses Mass an Eigenverantwortung voraus.»
Unklare Situation mit Folgen
Man könnte annehmen, der Sportchef hätte es bei der Mannschaftszusammenstellung für einmal einfacher gehabt. So früh wie noch nie – schon Mitte Februar – wusste man dank der Playoff-Qualifikation in Uster, dass für eine weitere NLA-Saison geplant werden kann.
Nur: Weil Simon Meier nach zwei von drei Vertragsjahren seine Zelte in Uster vorzeitig abbrach, musste Schwarz einen neuen Trainer suchen. Durch die bis Anfang Mai unklare Situation auf der Trainerposition gestalteten sich die Gespräche mit Spielern als schwierig.
«Es führte dazu, dass viele Entscheidungen später gefällt wurden oder sich potenzielle Spieler gegen ein Engagement beim UHC Uster entschieden haben», sagt Schwarz.
Schwedisches Schwergewicht
Wie vom Sportchef erhofft, herrscht dafür in der Mannschaft Kontinuität. Fünf Abgängen stehen fünf Zuzüge gegenüber, wobei man am Konzept festhält, eigenen Nachwuchs einzubauen. Die zwei U-21-Spieler Timon Stäubli und Marco Hurni wurden mit NLA-Verträgen ausgestattet.
Erst am Donnerstag ist man sich mit einem weiteren Spieler einig geworden. Und es ist nicht irgendwer, den der Klub verpflichtete, sondern ein Stürmer, von dem man in Uster überzeugt ist, dass er eine Leaderrolle einnehmen wird.
Der Schwede Joel Kanebjörk ist mit seinen Massen – 1,90 m und 99 kg – im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwergewicht.
Neben der physischen Stärke bringt der Center viel Erfahrung mit. Dreimal wurde der 30-Jährige in der höchsten schwedischen Liga Meister, über 400 Spiele hat er in der Superligan bestritten. Kanebjörk verbreitert das nordische Element im UHC Uster um ein weiteres Teil. Neben ihm stehen auch die zwei Finnen Niko Juhola (bisher) und Kaapo Savinainen (neu) im Kader.
Hummers Tore werden fehlen
Zuzüge aus anderen NLA-Klubs kann der UHC Uster zwar keine vermelden. Was bei einem Blick auf die Transferbilanz aber auch auffällt: Verloren die Ustermer in der Vergangenheit häufig tragende Säulen an die Konkurrenz, hat jetzt kein einziger etablierter Ustermer zu einem anderen NLA-Klub gewechselt – zur grossen Freude von Schwarz.
Schmerzhafte Abgänge gibt es gleichwohl zu verkraften. Die langjährige Teamstütze und Identifikationsfigur Thomas Aellig beendete seine Karriere ebenso wie Topskorer Manuel Hummer.
Die Produktivität von Hummer war eindrücklich. 93 Tore erzielte der Stürmer in den letzten drei Saisons, weshalb Schwarz sagt: «Es ist nicht möglich, ihn eins zu eins zu ersetzen.»
Durch die Rücktritte von Aellig und Hummer geht viel Erfahrung und Leadership verloren. Schwarz ist trotzdem nicht bange. Der Sportchef zählt eine Handvoll Spieler auf, die in der jungen Mannschaft Führungsrollen inne haben. Das Trio Simon Suter, Raphael Berweger und Florian Bolliger – die Leitercrew des Sommertrainings – gehört selbstredend dazu.
