Der richtige Moment für einen Schnitt
Wer Erfolg hat, hält im Normalfall an Bewährtem fest. Und Konny Looser hatte diesen fraglos. Die Saison 2017 war gar die erfolgreichste in der Karriere des Hinwilers.
Er wurde erstmals Schweizer Bike-Marathon-Meister, gewann die wichtigste nationale Serie für Ausdauerspezialisten, entschied mit der Salzkammergut-Trophy und dem Desert Dash in Namibia zwei bedeutende Ultrarennen für sich und beendete das Swiss Epic mit seinem Partner Oliver Zurbrügg an zweiter Stelle.
Und dennoch: Der Oberländer Bikeprofi hat auf diese Saison hin elementare Veränderungen vorgenommen.
Stellenbosch hat sich verändert
Die Wichtigste: Looser verlegte seinen Lebensmittelpunkt zurück in die Schweiz, zurück ins Zürcher Oberland. Vier Jahre lang hatte er eine Basis in Stellenbosch gehabt, bestritt zahlreiche Rennen in Südafrika oder dessen Nachbarland Namibia.
«Es war cool», sagt Looser über die Zeit. Er merkte zugleich aber, dass ein Schnitt nötig war.
In der wegen seiner zahlreichen Weingüter beliebten Touristendestination hat sich in der jüngeren Vergangenheit viel verändert.
Loosers einstige Trainingsgruppe in Stellenbosch gibt es nicht mehr, die starke Zunahme des Verkehrs liess das Risiko im Training ansteigen. Und aus seiner Sicht hat sich die Sicherheitslage in der Stadt und deren Umgebung verschlechtert.
Kommt hinzu: Die südafrikanische Bike-Marathon-Szene ist im Umbruch. Die Veranstalter der nationalen Rennserie fanden keinen Titelsponsor mehr, für die Saison 2018 mussten sie Forfait geben.
Neben all den sportlichen gab es aber auch einen privaten Grund für Loosers Schritt. Seine Freundin – eine Deutschnamibierin – hat ihr Studium in Südafrika beendet und hätte das Land sowieso verlassen müssen.
Siegchancen statt «Geknorze»
Jetzt lebt das Paar in Hinwil. Looser gefällt es, wieder zurück in seiner Heimat zu sein. «Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man wie in Südafrika immer schönes Wetter hat», sagt der Bikeprofi.
Er hat die Saisonvorbereitung hier dennoch genossen, schwärmt von all den Möglichkeiten, die ihm das Zürcher Oberland bietet.
Seinen Wettkampfkalender hat der 29-Jährige logischerweise neu auf europäische Rennen ausgelegt. Trotz der Enttäuschung an der Marathon-EM in Italien – Looser musste wegen einem Defekt aufgeben – ist er mit seinem Saisonauftakt zufrieden und sieht sich auf gutem Weg.
Sowohl in Singen (2.) als auch zuletzt in Willingen (3.) fuhr er aufs Podest.
Das gibt dem Hinwiler die Gewissheit, nach dem Sprung im letzten Jahr vom Niveau her nochmals einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. In der Vergangenheit sei der letzte Berg jeweils «ein Geknorze» gewesen, sagt Looser. Jetzt aber kann er bis zum Schluss ganz vorne mithalten, um den Sieg mitfahren. Das ist motivierend.
Merkwürdig beschwerdefrei
Gut für Looser: Die Kniebeschwerden, die ihn in der Vorbereitung behinderten, ist er wieder los.
Und auch die Angst, sich an dem wegen einem Arterienverschluss operierten Bein erneut einem Eingriff unterziehen zu müssen, war unbegründet. Obwohl man bei einem MRI festgestellt hat, dass an der operierten Stelle erneut eine Verengung vorhanden ist, hat er seit Monaten keine gravierenden Beschwerden mehr.
Wieso das so ist, weiss er nicht, weshalb er sagt: «Es ist ganz merkwürdig.»
«Ich will meinen Titel verteidigen.»
Konny Looser
Der Oberländer hofft, dass er problemfrei bleibt. Denn es folgen anstrengende Wochen. Bis Ende September stehen 14 Rennen an.
Aus dem Training heraus bestreitet er am Sonntag den EKZ-Cup in Wetzikon (siehe Box), danach steht Anfang Juni der Ortler-Bike-Marathon in Südtirol auf dem Programm.
Das 90 km lange Rennen zählt neu zur sechs Stationen umfassenden nationalen Marathon-Rennserie.
Looser ist deren letzter Gewinner, sein Ziel demnach klar. «Ich will meinen Titel verteidigen.» Aber nicht nur das. Er möchte in den einzelnen Rennen auch häufiger auf dem Podest stehen. Die Voraussetzungen dafür scheinen vorhanden zu sein.
EKZ-Cup in Wetzikon – die schnellste Strecke der Serie
Am Sonntag steht im traditionellen EKZ Cup die zweite Station auf dem Programm. In Wetzikon – das Rennzentrum ist oberhalb des Freibads Meierwiesen – erwartet die Mountainbiker die schnellste Strecke der aus insgesamt sechs Veranstaltungen bestehenden Serie.
Die 2,9 km lange Runde ist vergleichsweise flach. Das aber macht das Fahren im Renntempo nicht weniger anstrengend, findet Thomas Pettermand. Der Vize-Präsident des OK sagt: «Für viele ist es im Kopf sogar noch härter, wenn es gar nicht den Berg hoch geht und sie trotzdem Vollgas geben müssen.»
Duell unter Freunden
Hauptsache aber sei ohnehin nicht, den Fahrern möglichst viel abzuverlangen, sondern diesen und den Zuschauern ein positives Bild des Mountainbikesports zu vermitteln. Der Hindernis-Parcours, der in Wetzikon jeweils kurz vor der Zieldurchfahrt passiert wird, ist so gestaltet, dass ihn auch weniger geübte Fahrer meistern können.
Den ambitionierten Athleten aber bietet er laut dem veranstaltenden Radfahrerverein Wetzikon dennoch die Gelegenheit, ihr Können auszuschöpfen. Die Doppelwelle kann beispielsweise übersprungen werden.
Das erste Rennen bei den Männern hatte der Dürntner Simon Zahner gewonnen, bei den Frauen siegte in Schwändi (GL) Katrin Leumann. Morgen Sonntag nun wird Zahner vom Hinwiler Konny Looser herausgefordert. Es ist ein Duell unter Freunden, trainieren die beiden Fahrer doch häufig miteinander. (zo)
