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Ein Dämpfer, der dem FC Uster kaum weh tut

Der FC Uster verliert das vorgezogene Zweitliga-Heimspiel gegen Wiesendangen 0:1 – der Aufstieg ist ihm aber dennoch kaum mehr zu nehmen. Hinter den Kulissen wird derweil die nächste Saison vorgespurt.

Auch Usters Diego Bürger konnte gegen Wiesendangen nicht die nötigen Akzente setzen. (Foto: David Kündig)

Ein Dämpfer, der dem FC Uster kaum weh tut

So richtig Stimmung wollte an diesem kühlen Donnerstagabend nicht aufkommen. Die Tribüne auf dem Buchholz ist spärlich besetzt – und auch die Spieler des FC Uster tun sich gegen das abstiegsgefährdete Wiesendangen schwer. Schon im Vorfeld der Partie sagte FCU-Coach Fabio Digenti. «Man kann nicht erwarten, dass wir jeden Gegner an die Wand spielen.» Am Ende verliert der Favorit prompt und gar nicht unverdient 0:1. Zu träge und uninspiriert ist der Auftritt.

Trotzdem bleibt der Wiederaufstieg aufgrund des grossen Vorsprungs in der Zweitliga-Gruppe 2 nur noch Formsache. Zu viel müsste im Endspurt der Meisterschaft zusammenkommen, damit der Tabellenzweite Phönix Seen die Ustermer tatsächlich noch abfangen könnte.

Die Voraussetzungen dafür: Die Winterthurer bleiben ohne jeden Punktverlust, der Leader gewinnt keines seiner vier letzten Spiele und sammelt gleichzeitig noch einen Haufen Strafpunkte. Soviel zur Theorie. 

Schwächelnde Konkurrenz

Doch unabhängig des Rückschlags gegen Wiesendangen. Dass der FCU so souverän durchmarschieren würde, damit konnte nicht gerechnet werden. Vor allem Phönix Seen und Bassersdorf waren im Vorfeld als Hauptgegner genannt worden. Einmal mehr. Doch während Phönix zumindest noch einigermassen mithalten konnte, gehörte Bassersdorf zu den Enttäuschungen der Gruppe.

Usters Coach Digenti freute sich in diesem Frühling besonders über die Leistungen gegen die Spitzenteams. Die vermeintlich härtesten Konkurrenten gingen mit Ausnahme von Unterstrass in diesem Frühling gegen den FCU leer aus. «Gerade Phönix und Greifensee hatten keine Chance», sagt Digenti.

«Klar musste ich manchmal laut werden. Vor allem wenn es die Spieler zu locker nahmen.»

Fabio Digenti, Trainer

Für ihn ist die Breite und Qualität des Kaders ein wesentlicher Faktor für die Konstanz seiner Mannschaft. «Wir hatten immer gute Trainingspräsenzen. Und natürlich half auch der Start in die Saison», sagt er.

Die Ustermer setzten die Konkurrenz mit sechs Siegen in Folge sogleich unter Druck. Sie zeigten auch da und dort einen schwächeren Match, und blieben doch das mit Abstand stabilste Team der Gruppe. «Klar musste ich manchmal laut werden. Vor allem wenn es die Spieler zu locker nahmen», sagt Digenti.

Viele Alte und ein paar Junge

Der 35-jährige Neo-Ustermer baute im Sommer trotz dem Abstieg aus der Interregio auf den Kern des bisherigen Teams. Neun Spieler des Kaders sind bereits jenseits der 30. Und doch schenkte Digenti auch mehreren eigenen Nachwuchskräften das Vertrauen. So kamen beispielsweise Torhüter Leo Sturzenegger, Marc Leu und Can Bozkir erstmals regelmässig zum Einsatz.

Als der Glücksgriff überhaupt erwies sich aber vor allem der vom Drittligisten Oberglatt dazu gestossene Dejan Ilic, der 24 der bisher 72 Ustermer Treffer erzielte. Kein Spieler in den beiden Zweitliga-Gruppen traf häufiger wie der 23-Jährige. Und der FCU hatte endlich was ihm zuvor jahrelang fehlte: einen verlässlichen Torschützen.

Ein gutes Händchen hatte auch die Vereinsführung mit dem Engagement von Digenti. Es setzte nach der Relegation und dem Abgang von Mark Disler auf einen jungen, kommunikativen Trainer, der als ehemaliger Profi über einen gut gefüllten Rucksack verfügte, und bei seiner ersten Station in Rümlang Erfahrungen sammeln konnte.

Vor allem die letzten eineinhalb Jahre waren für ihn im Unterland mit dem Gewinn des Regionalcups (2016) und dem Aufstieg in die 2. Liga äusserst erfolgreich. Und der ambitionierte Digenti war auch clever genug um zu wissen, dass beim Dorfklub nicht mehr herauszuholen ist – und nahm deshalb das Angebot des FC Uster an.

Die Rümlanger Saga ist aber auch eng mit Digentis langjährigen Weggefährten Christian Kluser verknüpft, mit dem er gemeinsam die Erfolge feierte und der nun auf dem Buchholz ebenso die Funktion des spielenden Assistenztrainers einnimmt.

Zwar wurden seine Einsätze zuletzt etwas seltener – doch ist Kluser auch mit bald 35 Jahren als Antreiber auf und neben dem Platz ein Vorbild. Und für jeden Abwehrspieler als unangenehmer, laufstarker Gegner, ein steter Gefahrenherd.

Leemann ersetzt Altherr

Grund viel zu ändern gibt es deshalb im Staff der Ustermer – zu dem auch der zweite Assistenzcoach Dario Galbarini zählt – also mit Blick auf das Comeback in die 2. Liga interregional nicht. Einen Wechsel gibt es einzig auf dem Posten des Sportchefs. Markus Altherr legt sein Amt zum Ende der Spielzeit aus beruflichen Gründen nieder und wird zumindest bis zur nächsten FCU-Generalversammlung im September durch Roland Leemann ad interim ersetzt.

Leemann ist ein in der Region bekanntes Gesicht – als Organisator von Trainingslagern, Kids-Camps und Turnieren wie das Drei-Städte-Turnier in Uster. Leemann ist es auch, der längst im Hintergrund die Planungen für die kommende Saison in Angriff genommen hat.

«Es gibt nicht alt oder jung – sondern nur gut oder schlecht.»

Roland Leemann, Sportchef ad interim

Und bereits scheint klar: Zum grossen, altersbedingten Umbruch wird es in diesem Sommer erneut nicht kommen. «Es gibt nicht alt oder jung – sondern nur gut oder schlecht», sagt Leemann. Dem pflichtet Digenti bei – auch er will eigentlich auf keiner seiner Über-30-Fraktion verzichten.

Deshalb steht aus diesem Kreis bisher einzig der Abgang des 35-jährigen Andreas Hofstetter fest. Er dürfte sich den Senioren im Verein anschliessen. Dass es im Kader trotz der Überlegenheit in der 2. Liga aber frischen Wind braucht, ist bei allen Beteiligten unbestritten.

Ilic: Madrid statt Uster

Für Trainer Digenti hat zunächst die Suche nach einer neuen Nummer 9 Priorität. Denn ausgerechnet Serientorschütze Ilic wird den Ustermern in der nächsten Saison nicht mehr regelmässig zur Verfügung stehen. Den Stürmer zieht es studienhalber nach Madrid. Ansonsten wünscht sich Digenti in jeder Achse mindestens eine Verstärkung.

Der Trainer ist froh, dass er mit dem gut vernetzten Leemann, einen Sportchef hat, der ihm den Rücken freihält und die Gespräche mit den Spielern führt. Und in diesen braucht es gute Argumente. Laut Leemann wird das Budget der ersten Ustermer Mannschaft nämlich trotz des Aufstiegs zurückgefahren. Denn: Nicht Spesen und Punkteprämien sollen in Zukunft für die Spieler die Motivation sein, um für den FC Uster auflaufen zu wollen.

Leemann dienen in diesem Zusammenhang die etwas anderen Erstliga-Klubs Höngg und Seuzach als gute Beispiele. In beiden Mannschaften soll der Teamgeist seit jeher besonders ausgeprägt sein. Nicht zuletzt deshalb weil der Begriff «unbezahlter Fussball» als oberstes Vereinsmaxime gilt. Beim FCU soll es also in eine ähnliche Richtung gehen. Nur schon in sportlicher Hinsicht, weil was in Höngg oder Seuzach möglich ist, eigentlich auch im weitaus grösseren Uster mittelfristig umsetzbar sein sollte.

Mehr Zusammenhalt, mehr Identifikation sind die Schlagworte von Leemann. Es sind oft gehörte Begriffe. Und diese allein reichen natürlich nicht, um mehr Begeisterung in Uster auszulösen. Damit es selbst bei unterkühlten Verhältnissen wie gestern Abend eine würdigere Kulisse gibt.

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