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Für Winikon wird nichts mit dem Meistertitel

Mit dem Meistertitel als Ziel trat Rot Weiss Winikon einst laut auf die Bühne. Vor Wochenfrist gab der designierte Absteiger aus der 3. Liga nun sogar ein Spiel forfait. Und in das schiefe Gesamtbild passen auch die Rückzüge zweier Teams.

Walds Resul Osmani (links) gegen Kristanu Poomchan von Rot Weiss Winikon. (Archivfoto: David Kündig)

Für Winikon wird nichts mit dem Meistertitel

Zerfallerscheinungen beim Drittligisten FC Rot Weiss Winikon? Diese Frage stellt sich spätestens nach dem 0:3 forfait vom letzten Sonntag gegen Meilen. Nur wenige Stunden vor dem Anpfiff informierten die Verantwortlichen des Tabellenletzten der Gruppe 6 den Gegner über ihr Fernbleiben. Der Grund: Zu wenige Spieler.

Am Sonntag empfangen die Ustermer nun ausgerechnet Leader Witikon. Möglich also, dass die Spieler mit der Perspektive der nächsten Niederlage wiederholt wenig Lust auf einen Einsatz und damit auf die nächste Niederlage verspüren. Doch Trainer Heinz Grütter widerspricht: «Wir werden antreten.» Für die Absage macht er berufliche und ferienbedingte Absenzen verantwortlich. «Es macht wenig Sinn mit nur zehn Spieler anzutreten», betont er.

Krisensitzung und Bekenntnis

Am Dienstag führten die Winiker deshalb eine Krisensitzung durch. Spieler und Staff kamen zum Schluss, die Saison durchziehen zu wollen. Laut Trainer Grütter ist der Glauben an den Ligaerhalt innerhalb des in der Rückrunde noch punktlosen Teams allerdings klein. Auch wenn der Rückstand von acht Zählern auf den zehnten Platz (Wetzikon 2) aufzuholen wäre. «Wir haben bereits gegen alle Direktkonkurrenten gespielt. Jetzt warten vor allem die dicken Brocken», begründet Grütter die eigentliche Kapitulation.

Winikon wird sich damit wohl im Juni nach insgesamt drei Saisons wieder aus der 3. Liga verabschieden. Und irgendwie kommt dieser Abstieg nicht von ungefähr. Augenfällig ist insbesondere die stets hohe Fluktuation im Kader. So musste im letzten Sommer der neue Trainer Erol Yüce ein fast ebenso neues Team zusammenstellen. Nur: Yüces Amtszeit endete schon in der Winterpause wieder.

Geführt wird das Team seither von den vormaligen Assistenten Edmond Sakiri und Heinz Grütter sowie Spieler Sefkan Tosun. «Es ging drunter und drüber», sagt Grütter. Auch er wird die Konsequenzen daraus ziehen und den Verein zum Ende der Meisterschaft wieder verlassen.

«Es ist halt eine bunt zusammengewürfelte Truppe. Und für die Spieler kommen zum Teil von weit weg.»

Heinz Grütter, Trainer

Grütter zeichnet denn auch kein rosiges Zukunftsbild für die Winiker. «Es werden wohl erneut nur drei bis vier Spieler bleiben», glaubt er. Für den Trainer ist es keine Überraschung. «Es ist halt eine bunt zusammengewürfelte Truppe. Und die Spieler kommen zum Teil von weit weg.»

Tatsächlich ist es für Rot Weiss Winikon eine desaströse Saison. Erst 2010 war der Verein im Rahmen einer Diplomarbeit von Studenten der Swiss Marketing Academy (SMA) gegründet worden. Darin wurde mit grossen Worten der Schweizer Meistertitel fürs Jahr 2022 angekündigt. «Das ist kein Marketinggag, sondern ein Ziel, an das ich glaube», sagte SMA-Geschäftsführer und Winikon-Präsident Hansruedi Knöpfli damals.

Doch nach einer ersten Wachstumsphase ist der Verein vor allem im Aktivbereich gänzlich eingebrochen. Stellvertretend dafür steht nicht nur die Forfaitniederlage des Drittliga-Teams, sondern auch die Rückzüge der in der 4. Liga spielenden zweiten Mannschaft und der B-Junioren im Verlaufe dieser Saison.

Stehengebliebene Website

Und dazu passt der Inhalt der Website. Dort wurde zwar vor einiger Zeit der Meistertitel ins Jahr 2025 nach hinten verschoben, ansonsten ist die Fussballwelt der Winiker aber offensichtlich längst stehen geblieben.

Der letzte Newsbeitrag datiert von Ende 2016. Noch etwas aktuellere Informationen gibt es wenigstens auf der Facebook-Site, auf der nach der Generalversammlung im letzten November die Vorstandscrew mit dem neuen Präsidenten Silver Borer präsentiert wurde.

Unter seiner bisher kurzen Regentschaft hat sich der Verein nun ganz von der Grossspurigkeit verabschiedet. Borer hofft im Aktivbereich zumindest weiterhin eine Mannschaft in der 4. Liga stellen zu können. «Wir sind in einer Konsolidierungsphase. Der Fokus gilt vor allem unseren 120 Junioren», sagt er.

Es ist ein Schritt, der beim Fussballverband der Region Zürich (FVRZ), wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. «Winikon steht damit nicht alleine da. Es gibt einige Vereine, die voll auf den Juniorenbereich setzen. Und das finden wir gut», betont Patrick Meier, Geschäftsführer beim FVRZ.

Nicht zuletzt aufgrund des Strategiewechsels könnte Rot Weiss Winikon durchaus auch langfristig eine Zukunft haben. Selbst wenn mit dem Schweizer Meistertitel doch nichts wird.

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