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«Ich verstehe, wenn man mich als Spinnerin bezeichnet»

War sie in ihrer Jugend ein Pummelchen? Oder ist Jeannine Gmelin gar etwas «verrückt»? Die Ustermer Ruder-Weltmeisterin erwarteten im «Lunchtalk» einige sehr direkte Fragen. Aus der Ruhe liess sie sich aber nicht bringen.

Der erste Teil des Lunchtalks mit Jeannine Gmelin. Den zweiten Teil finden Sie unten im Text. (Video: Tele Top), Die Ustermer Ruder-Weltmeisterin Jeannine Gmelin war Gast im «Lunchtalk». (Foto: Christian Merz), Die Saison der Ruder-Weltmeisterin Jeannine Gmelin beginnt Anfang Juni. (Foto: Christian Merz), Ruderin Jeannine Gmelin im Gespräch mit Moderator Stefan Nägeli. (Foto: Christian Merz), Verstanden sich gut: Ruderin Jeannine Gmelin und Moderator Stefan Nägeli. (Foto: Christian Merz), Jeannine Gmelin mag öfftenliche Auftritte - wenn sie dabei über den Rudersport sprechen darf. (Foto: Christian Merz)

«Ich verstehe, wenn man mich als Spinnerin bezeichnet»

Eindrücklich sieht sie aus, die Bilanz von Jeannine Gmelins letzter Saison. All ihre Rennen hat die Ustermer Skifferin gewonnen – egal ob national oder international. Zur Krönung holte Gmelin WM-Gold.

Dass sie deshalb am Montag von Moderator Stefan Nägeli beim «Lunchtalk» von Tele Top und der Zürcher Oberland Medien AG als «schnellste Frau auf dem Wasser» vorgestellt wird, macht also durchaus Sinn.

Die Geschwindigkeit scheint sowieso eine zentrale Rolle im Leben der 27-jährigen Profiruderin einzunehmen. Einerseits auf dem Wasser, logischerweise. Schliesslich hat sie sich innerhalb von nur drei Jahren von ausserhalb der Top Ten ganz nach oben an die Weltspitze gearbeitet.

Teil 2 des Lunchtalks mit Jeannine Gmelin:
(Video: Tele Top)

Neu aber auch ab und zu auf der Strasse. Letzten Donnerstag bestand Gmelin die Autoprüfung. Wobei sie nach eigenen Aussagen beim Lernen «etwas Gas geben musste», mit der am 1. Juni in Belgrad beginnenden Weltcup-Saison am Horizont.

«Ich bin von Geschwindigkeit fasziniert», antwortet Gmelin auf Nägelis Frage, ob sie im Auto so schnell unterwegs sei wie im Boot. Dann schiebt sie nach: «Ich hoffe, das wird nicht zu meinem Verhängnis.» Gmelin muss dabei lachen. Das Publikum auch. Es ist nicht das letzte Mal während des Gesprächs.

Den Alltag näher bringen

Die Stimmung ist gut – nicht nur unter den Zuschauern, die die Ruderin nach dem Ende der Sendung noch mit zahlreichen Fragen löchern. Sondern auch unter den zwei Hauptdarstellern vorne. Das hat vor allem mit Gmelin zu tun. Die Sportlerin, die für ihren «eisernen Willen», bekannt ist, fühlt sich sichtlich wohl.

«Ich habe solche Auftritte recht gerne», sagt sie hinterher. Ihre Begründung dafür: «Ich kann übers Rudern sprechen, den Leuten meinen Alltag als Spitzensportlerin näher bringen.»

Und dieser hat es in sich. Rudern gilt als komplexer Sport, in dem neben dem technischen Aspekt auch die Kraft und das Mentale äusserst wichtig sind. Gefragt ist Leidensfähigkeit. Rund 30 Stunden pro Woche trainiert Gmelin, nur am Montag hat sie jeweils frei.

Den freien Tag setzt sie für den Ausflug nach Wetzikon ein – zur Aufzeichnung des «Lunchtalk». Die Ausführungen der Skiff-Weltmeisterin sind detailliert. Mit der ihr eigenen Gelassenheit absolviert sie den kompletten Parcours an Fragen, die von ihren Anfängen als Ruderin über die schwierige Suche nach Sponsoren bis hin zur Bedeutung des WM-Titels reichen.

«Warst du ein Pummelchen?»

Die Ustermerin lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch von sehr direkten Fragen nicht. «Warst du ein Pummelchen?», will Nägeli im Zusammenhang mit Gmelins Jugend beispielsweise wissen. Oder er fragt, nachdem er einen Vergleich mit Xeno Müller, dem grossen und kampfstarken Schweizer Ruderer mit Ecken und Kanten gezogen hat: «Bist du auch eine Spinnerin?»

«Das würde ich nicht sagen.» Fein säuberlich legt Gmelin ihre Gründe dafür dar, weshalb sie keine Spinnerin ist. «Aber ich verstehe, wenn man mich als solche bezeichnet.»

Man merkt: Gmelin hat – dank dem WM-Titel  – mittlerweile einiges an Erfahrung mit Auftritten in der Öffentlichkeit. Für die Ustermerin aber gilt sowieso: Sie bleibt in jeder Situation authentisch.

So zeigt sie Nägeli bereitwillig ihre Schwielen an den Händen, wegen derer sie bisweilen schief angeschaut wird, wenn sie an einer Kasse das Rückgeld erhält. Auch die Themen «Grösse» und «Gewicht» dürfen nicht fehlen.

Gmelin misst nur 1,70 m – sie musste sich deshalb einst zwischen den zwei Ruderklassen Leichtgewicht (mit einer Gewichtsgrenze) oder Schwergewicht entscheiden. Der Genussmensch, wie sich Gmelin selbst bezeichnet, wählte das Schwergewicht, um nicht hungern zu müssen.

Die Konsequenz daraus? Sie gehört nicht nur wie von Nägeli gemeint zu den kleineren Ruderinnen an der Weltspitze. «Ich bin die mit Abstand kleinste», korrigiert Gmelin ihn. «Das heisst aber nicht, dass man nicht schnell sein kann.» Da ist es wieder, das Thema «Geschwindigkeit».
 

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