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Wenn Rollstühle wie Putschautos zusammenstossen

Der Wetziker Dave Mzee zählt zu den Leistungsträgern des Schweizer Nationalteams im Rollstuhlrugby. Die Qualifikation zur WM in Sydney verpasste es nur wegen der schlechteren Tordifferenz.

Hart bedrängt: Der Wetziker Dave Mzee (links) muss sich gegen einen angriffigen Koreaner behaupten. (Foto: PD), Nichts für Zartbesaitete: Im Rollstuhl-Rugby geht es zur Sache. (Foto: PD)

Wenn Rollstühle wie Putschautos zusammenstossen

Wenn Dave Mzee auf das jüngst zu Ende gegangene WM-Qualifikationsturnier in Nottwil mit dem Schweizer Rollstuhlrugby-Nationalteam zurückblickt, ist er hin- und hergerissen. Der Wetziker ist etwas enttäuscht, da nur ganz wenig zur WM-Teilnahme in Sydney fehlte. Alles in allem überwiegt aber doch der Stolz, weil ihm wohl das bestes Turnier überhaupt in seiner Karriere gelang.

Tatsächlich. Die Schweizer gewannen zwei der drei Gruppenspiele gegen das besser eingeschätzte Polen und Deutschland. Mzee hatte einen grossen Anteil an diesen Erfolgen. Zum nötigen zweiten Gruppenrang reichte es trotzdem knapp nicht – aufgrund der schlechteren Tordifferenz. «Wir waren taktisch super eingestellt. Im Rollstuhlrugby reichen eben nicht nur ein paar motivierenden Worte», sagt Mzee. Sein Lob gilt hierbei Trainer Adrian Moser, ohne den diese Resultate wohl gar nicht möglich gewesen wären.

Der 30-jährige Oberländer deutet damit aber auch die ganze Komplexität des Sports an. Taktik, Physis und Dynamik – Rollstuhlrugby beinhaltet von allem etwas. Mzee vergleicht es wegen den extremen Gegensätzen sogar mit «Schachboxen». Dazu kommt beim Rollstuhlrugby, dass jeder Spieler seinem Handicap entsprechend von 0,5 bis 3,5 Punkte klassifiziert ist. Und: Das vierköpfige Team auf dem Feld darf maximal acht Punkte aufweisen – damit eine faire Balance gegeben ist.

Nichts für Zartbesaitete

Vor allem geht es aber beim Rollstuhl-Rugby heftig zur Sache. Das Spiel ist schnell und wogt wegen einer 40-Sekunden-Regel förmlich hin und her. Soviel Zeit bleibt den Teams, um einen Angriff erfolgreich abzuschliessen, ansonsten wechselt wieder der Ballbesitz. Immer wieder prallen die massiv gebauten Rugbystühle zusammen oder kippen gar um. Rollstuhlrugby ist nichts für Zartbesaitete. Dazu passt die ursprüngliche englische Bezeichnung «Murderball». Der Begriff fand auch Bekanntheit durch einen gleichnamigen amerikanischen Film, in dem an den Sommer-Paralympics von 2004 die Rivalität zwischen den Nationalteams der USA und Kanadas dokumentiert wurde.

(Video: Youtube/Swiss WCR)

Dave Mzee selbst kam durch seine damalige Sporttherapeutin an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich zum Sport. Er war 2010 nach einem Unfall auf dem Minitrampolin, die eine inkomplette Tetraplegie zur Folge hatte, in der sieben Monate dauernden Rehaphase. «Eigentlich haben wir zuerst einfach mit einem Ball in zwei Richtungen gespielt», erinnert er sich. Mzees Sportherapeutin erkannte sofort sein Talent und empfahl ihm, bei einem Training der in Zürich-Affoltern beheimateten Blue-White Eagles reinzuschauen.

Das mulmige Gefühl

«Ich hatte zunächst schon ein etwas mulmiges Gefühl», sagt der Wetziker. «Es hat gescheppert und gekracht, wenn die Rugbystühle wie Putschautos zusammenstiessen.» Doch Mzee legte seine Zurückhaltung schnell ab – nicht zuletzt wegen der herzlichen Stimmung untereinander. «Beim zweiten Mal hat es mir den Ärmel reingezogen.»

Auch die ersten Erfolge stellten sich ein. Schon bald reiste Mzee für ein Turnier in die USA. Seither hat er bereits mehrere Europameisterschaften erlebt. «Durch das Rollstuhlrugby bin ich schon weit in der Welt herumgekommen», sagt er.

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