Uster will eine bessere Rolle spielen
Es war so etwas wie eine kleine Versöhnung. Im letzten Heimspiel der Meisterschaft feierten die Erstliga-Handballer des TV Uster einen souveränen 31:21-Sieg über Frauenfeld. Trotzdem: Es war eben vor allem auch eine ernüchternde Finalrunde, in der 11 der 13 Partien verloren gingen.
Die Ustermer verpassten damit im Gegensatz zum Vorjahr nicht nur die Aufstiegsspiele zur NLB mit den beiden Gruppenbesten, sie spielten vor allem von Beginn weg überhaupt keine ernsthafte Rolle.
Besonders erstaunlich daran: Im Kader des TVU war es im letzten Sommer nur zu wenigen Mutationen gekommen. Und: Auf fünf der sieben Finalrunden-Gegner war Uster schon letzte Saison getroffen.
Von Verletzungen und Pech
Weshalb also dieser Einbruch? Sportchef Rolf Schärer spricht bei der Ursachenforschung von «vielen, kleinen Gründen» und «einem Haufen Diskussionen». Richtig konkret wird er aber nicht. «Es war auch nicht alles schlecht», fügt er an.
Nicht um den heissen Brei herum redet hingegen Trainer Robin Gerber. «Die Finalrunde ist natürlich nicht so verlaufen wie wir es wollten.» Er macht einerseits das grosse Verletzungspech für die Baisse verantwortlich. Gerber beklagt aber auch das fehlende Wettkampfglück, insbesondere in den ersten Partien. «Wir waren das bessere Team und verloren trotzdem», sagt er. Wie auch immer: Die Ustermer gerieten in die berühmt-berüchtigte Negativspirale und reihten fortan Niederlage an Niederlage. Und Gerber musste feststellen: «Nur 50 Minuten gut zu spielen reichen in der Finalrunde nicht. Da gibt es keine schlechten Gegner mehr.»
Er ist aber auch froh, dass die Vereinsverantwortlichen selbst in schlechteren Zeiten hinter dem Team und ihm standen. «Das war ganz wichtig», findet er. Sowieso ist das Vertrauen in Gerber nach zwei Jahren Amtszeit ungebrochen. Der Vertrag wurde jüngst um eine weitere Saison verlängert. Seine Vorgabe ist klar: «Wir wollen wieder in die Finalrunde und dort eine bessere Rolle spielen», sagt er.
Klimciauskas neuer Assistent
Die Voraussetzungen dafür haben die Ustermer im personellen Bereich bereits weitgehend geschaffen. Augenfällig ist in erster Linie der Abgang von Iwan Ursic, der beim TVU als spielender Assistenztrainer und Leiter Technik Nachwuchs, sowie als prominentes Zugpferd für die Vermarktung gleich mehrere Aufgaben bekleidete. Für all diese Aufgaben war der Ex-Nationalspieler – vorerst für ein Jahr – in einem 50-Prozent-Pensum fest angestellt worden. Die Zusammenarbeit mit dem 41-jährigen Ex-Nationalspieler wurde nun beendet. Auf die Gründe will Sportchef Schärer aber nicht näher eingehen.
Ersatz wurde gleichwohl schon mit Vaidas Klimciauskas gefunden. Der frühere litauische Nationalspieler hat nicht nur einen Namen mit Zungenbrecher-Potenzial. Klimciauskas füllt als einer der raren Linkshänder auch ein Vakuum im Rückraum der Ustermer. Und vor allem ist er mit bald 40 Jahren noch immer für einige Tore gut. Für den Ustermer Gegner Seen Tigers war er in der Finalrunde in 13 Partien immerhin 45-mal erfolgreich.
Tatsächlich übernimmt Klimciauskas in der ersten Mannschaft auch die Aufgaben von Ursic. Geplant ist des Weitern, dass er einmal wöchentlich ein Training im Juniorenbereich leitet. Gemäss Schärer noch offen ist hingegen wer Ursic als Nachwuchsverantwortlicher beerbt.
Aus einem Duo wird ein Trio
Am meisten Veränderung im Ustermer Kader gibt es auf der Goalieposition. Torhüter Manuel Votapek legt aufgrund einer beruflichen Weiterbildung eine Pause ein. Für ihn fand der TVU mit Fabrizio Steiner (Frauenfeld) und Ari Fueter (Stäfa U19) gleich doppelten Ersatz. Und da Rakesh Sherpa weiter an Bord bleibt, wird aus dem Duo ein Trio. «Da haben wir eine neue komfortable Situation», freut sich Trainer Gerber und spricht von einer offenen Ausgangslage.
Nebst Votapek stehen in der nächsten Saison auch Gulliver Stocker (Pause) und Roman Grimm nicht mehr zur Verfügung. Letzterer muss aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, bleibt dem TVU aber als Teammanager erhalten. Im Gegenzug gibt Kenny Tan sein Comeback bei den Ustermern. Er pausierte zuletzt aus beruflichen Gründen für ein Jahr. «Ich bin froh, dass das Gros der Mannschaft zusammen bleibt», sagt Gerber vor dem letzten Saisonspiel vom Samstag in Appenzell. Zwei bis drei Zuzüge sind laut dem 55-Jährigen noch möglich. «Es ist aber noch nichts spruchreif.»
