«Die meisten Sportler sind mausarm»
Sie erhalten von der Schweizer Sporthilfe keine finanzielle Unterstützung. Wie schaffen Sie dennoch den Spagat zwischen Beruf und Sport?
Ich habe eine 50-Prozent-Arbeitsanstellung mit fünf Wochen «Ferien» – also Trainingslagern. Und durch die Spitzensportförderung der Armee kann ich zusätzlich 100 Tage im Jahr «WK» in Trainingslagern verbringen.
Gibt es dennoch Einnahmen abseits Ihres Jobs?
Finanziell erhalte ich vom Verband Swiss Athletics ein sehr kleines monatliches Fixum. Dazu kommt nochmals ein ähnlicher Betrag von meinem Fan-Klub.
Wie sieht es mit Sponsoren aus?
Ich habe fast ausschliesslich Materialsponsoren. Sprich: Ausrüstung und Mobilität.
Und die einzelnen Wettkämpfe werfen nichts ab?
Start- und Preisgelder sind für einen Marathonläufer sehr bescheiden. Wenn, dann ist es auf meinem Niveau nur an Läufen in der Schweiz möglich.
Haben die Olympischen Spiele in Rio vor zwei Jahren für Sie keine Türen geöffnet?
Ab und zu verdiene ich seither eine kleine Gage für Vorträge bei Firmen.
Gibt es noch weitere Zuwendungen?
Ich habe einzelne Verbilligungen via Swiss Olympic und Swiss Athletics durch meine Kaderzugehörigkeit – zum Beispiel bei der Krankenkasse, beim Mobiltelefonvertrag und bei Kontaktlinsen.
Zusammengefasst: Bleibt da was übrig?
In einem Jahr mit vielen Wettkämpfen samt Prämien und mit einigen Vorträgen komme ich mit dem Sport auf eine schwarze Null. Mittlerweile schreibe ich aber leicht rote Zahlen. Dank der 50-Prozent-Anstellung kann ich aber trotzdem gut leben – und als Sportler habe ich grundsätzlich sowieso ein sehr privilegiertes Leben. Tatsächlich sind die meisten Sportler aber mausarm. Es wird einfach von der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen.
