Die Laupner Talentschmiede vor dem Dessert
Vielleicht waren es die entscheidenden Worte von Yves Kempf während der ersten Drittelpause an seine Spielerinnen. «Die Fans sind so oder so zufrieden mit euch», sagte der Trainer der NLB-Frauen des UHC Laupen. 1:2 lagen die Laupnerinnen im dritten und entscheidenden Playoff-Final (best of 3) gegen Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti zurück.
Kempf wollte dem Team damit in dieser entscheidenden Phase den selbst auferlegten Druck etwas nehmen. Und tatsächlich: Die Laupnerinnen steigerten sich im Verlauf der Partie und erzielten 58 Sekunden vor Ablauf der Zeit den viel umjubelten Ausgleich.
Mit dem anschliessenden Hitchcock-Finale rechnete aber Kempf selbst nicht. «Jetzt müsst ihr clever spielen», versuchte er in der Endphase noch Einfluss zu nehmen. «Ich habe Yves gar nicht mehr gehört», offenbarte derweil Captain Sina Hofmann. Egal. Vier Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene schob ihre jüngere Schwester Yara nach einem Konter den Ball unter dem Arm der Riders-Hüterin über die Linie.
In der mit über 400 Zuschauern prall gefüllten Walder Elba-Halle brachen nun alle Dämme. «Was für ein unglaubliches Drehbuch», sagte Coach Kempf fast ein wenig ungläubig.
Die mögliche Wachablösung
Der UHC Laupen holte sich damit nicht nur den NLB-Meistertitel. Er hat nun ab Samstag in den Auf-/Abstiegsplayoffs gegen Waldkirch-St. Gallen (Wasa) zudem die Chance, in der Serie den direkten Durchmarsch von der 1. Liga bis in die NLA zu schaffen. «Wir sind im Rhythmus und natürlich im Hoch. Vieles ist möglich», schaut Captain Hofmann nach vorne. Sie rechnet mit einem physisch starken Gegner und sagt: «Wasa spielte die ganze Saison auf einem höheren Niveau. Das werden wir spüren.»
Zuzutrauen ist den Laupnerinnen der Coup aber allemal. Und klar ist ebenso: Mit einem Aufstieg käme es im Oberländer Frauen-Unihockey zu einer eigentlichen Wachablösung. Die Floorball Riders, bis 2015 selbst noch in der höchsten Schweizer Liga vertreten, ständen dann definitiv im Schatten des jungen, aufstrebenden Lokalkonkurrenten.
Der starke Nachwuchs als Basis
Nur: Dem UHC Laupen gehört sowieso die Zukunft. Mit gezielter Nachwuchsarbeit hat er sich seine Stellung hart erarbeitet. Je ein leistungsstarkes U-17- und U-21-Team dienen als Basis für die Leistungen im Aktivbereich. Dazu passt, dass sich die ältesten Juniorinnen in den letzten zwei Jahren den Schweizer Meistertitel sicherten und erneut im Final stehen – dieses Mal gegen Berner Oberland.
All diese Erfolge sind im Endspurt dieser Saison aber sogar Fluch und Segen zugleich. Gleichentags bestreiten nämlich die NLB- und U-21-Equipe ihre entscheidenden Spiele. Dies hält die altersberechtigten Laupnerinnen aber nicht davon ab, zumindest bei den Heimspieltagen vorgängig zusätzlich in der U21 aufzulaufen. «Das ist ein Wunsch der Spielerinnen. Und konditionell kein Problem», findet Yves Kempf, der auch das älteste Juniorinnen-Team als Trainer betreut.
Den Gegner nie beobachtet
Der Fokus wird aber natürlich trotzdem auf das NLB-Team gelegt. Auch wenn selbst Kempf nicht ganz genau weiss, was ihn und sein Team gegen Waldkirch erwartet. «Es mag etwas arrogant wirken. Doch ich habe die St. Gallerinnen gar nie studiert.»
Dafür nutzt er nun so quasi das erste Spiel vom Samstag. «Wir werden mit vier Linien Vollgas geben. Jede kriegt ihre Chance», sagt Kempf. Dies nicht zuletzt dank dem Best-of-5-Modus in den Auf-/Abstiegsplayoffs. «So kann man viel eher eine Niederlage ausmerzen», findet Captain Sina Hofmann.
