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Bereit für die Standortbestimmung

Erst ein einziges Rennen hat Fabienne Schlumpf heuer absolviert, dafür viel trainiert. Zuletzt in der Höhe von Südafrika. Die Halbmarathon-WM in Spanien soll der Wetzikerin jetzt Aufschluss darüber geben, wo sie steht.

Intensive Vorbereitung fern der Heimat: Fabienne Schlumpf auf ihrer «Standard»-Route im südafrikanischen Dullstroom. (Foto: PD)

Bereit für die Standortbestimmung

Fabienne Schlumpf ist eine vielseitige Athletin. Das sieht man schon bei einem kurzen Blick auf ihr Palmarès. Die Wetzikerin hält beispielsweise die Schweizer Rekorde über 10 km auf der Strasse, im Halbmarathon und in ihrer Paradedisziplin über 3000 m Steeple. Das zeigt: Die 27-Jährige ist anpassungsfähig – fast wie ein Chamäleon, könnte man meinen.

Derzeit ist diese Fähigkeit von Schlumpf besonders gefragt. Erst am Samstag kehrte die Läuferin aus ihrem dreiwöchigen Trainingslager in Südafrika zurück. Das heisst für sie: Statt sich im 20 bis 25 Grad warmen Dullstroom ein Shirt und die kurzen Hosen überzustreifen und in angenehmen Temperaturen zu trainieren, muss sie sich nun wieder warm einpacken, um dem zurückgekehrten Winter hier zu trotzen.

Schlumpf tut es mit der ihr eigenen Gelassenheit. Sie will kein Tamtam daraus machen, schliesslich hat sie im Prinzip nicht dagegen, in der Kälte zu laufen. Sie sagt: «Ich bin mir jedes Wetter gewöhnt.»

Gelassen und ohne Rangziel

Am Freitag verabschiedet sich Schlumpf sowieso kurzzeitig wieder aus der Kälte. Sie fliegt nach Valencia, wo es um die 22 Grad warm ist, um am Samstag an der Halbmarathon-WM teilzunehmen.

Die Wetzikerin startet erstmals an der seit 1992 ausgerichteten Veranstaltung. Überhaupt ist ihre Erfahrung über diese Distanz sehr überschaubar. Vier Rennen hat sie über die 21,1 km erst absolviert – das letzte vor rund einem Jahr in Den Haag.

Damals lief Schlumpf mit der Zeit von 1:10,17 Stunden Schweizer Rekord. Und auf eine gute Zeit hofft sie auch in Valencia. «Ich will so schnell wie möglich sein», sagt sie. Und fügt nach einer kleinen Pause – es tönt beinahe entschuldigend – noch an: «Vielleicht liegt ja eine Bestzeit drin.»

Von Verbissenheit ist bei Schlumpf nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Olympia-Finalistin im Steeple in Rio sieht ihrem erst zweiten Wettkampf in diesem Jahr nach dem Bremgarter Reusslauf (24. Februar) gelassen entgegen.

Sie hat sich weder mit der als sehr schnell geltenden Strecke in Valencia auseinandergesetzt, noch hat sie die Frauen-Startliste studiert, auf der über 130 Namen stehen. «Sie anzuschauen bringt mir nicht viel.»  

 

«Ich habe hohe Erwartungen. Aber damit muss ich umgehen können.»

Fabienne Schlumpf

 

Nach den intensiven drei Trainingswochen in der Höhe von Südafrika – die Ortschaft Dullstroom liegt auf über 2000 m – verzichtet Schlumpf auch darauf, sich ein Rangziel zu setzen. Viel wichtiger ist ihr, eine Standortbestimmung zu erhalten.

Sie habe gut und viel trainiert, sagt die Läuferin der TG Hütten, die zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr einige Rennen mehr in den Beinen hatte. Auch darum hat sie jetzt vor allem eines: «Ich habe richtig Bock auf einen Wettkampf.»

Der Zeitpunkt scheint ihr günstig – etwas weniger als zehn Tage nach dem Ende ihres Höhenblocks sollte sie sich davon gut erholt haben.

Angriffig Richtung EM

Nach dem Ausflug auf die Halbmarathon-Distanz wird sich Schlumpf dann daran machen, sich auf die Bahn-Saison vorzubereiten. Einige Eckpfeiler dafür hat sie schon eingeschlagen.

Einem ersten Trainingslager in Tenero (7. bis 21. April) folgt ein Höhenblock im Engadin (12. Mai bis 6. Juni). Direkt aus dem Training in den Bündner Bergen heraus dürfte Schlumpf im belgischen Oordegem-Lede dann den Saisoneinstand in ihrer Paradedisziplin Steeple geben.

Schlumpfs Fokus ist dabei auf die Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) gerichtet. Längst hat sie ihr Ziel für den Saisonhöhepunkt bekannt gegeben – sie will eine Steeple-Medaille gewinnen.

Dass die Wetzikerin nach einer solchen strebt, ist letztlich nur konsequent. Oder wie sie selber sagt: «Es ist naheliegend, auch wenn es natürlich nicht einfach ist.»

 

Nach einem Steigerungslauf in der jüngeren Vergangenheit – die Saison 2017 war die bisher beste in ihrer Karriere – gehört Schlumpf mittlerweile zu den Kandidatinnen auf einen EM-Podestplatz. Letzte Saison war die 27-Jährige im Steeple die Nummer drei in Europa – einzig die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grøvdal (2.) sowie die Deutsche Gesa-Felicitas Krause lagen vor der Schweizerin.

Noch geht es einige Monate bis zu den Europameisterschaften. In Schlumpfs Bewusstsein sind sie dennoch immer wieder präsent. «Ich freue mich mega darauf.»

Bewusst schiebt sie die Gedanken an Berlin bisweilen aber wieder weg, um sich nicht davon verrückt machen zu lassen, nicht unnötig Energie zu verbrauchen.
Man kann sich bei einer Person mit so ansteckender Fröhlichkeit wie Schlumpf zwar nur schwer vorstellen, dass der Druck sie ausbremst. Aber er ist zweifelsohne vorhanden – und dazu quasi noch selbst verschuldet, wie die Läuferin findet.

«Ich habe hohe Erwartungen», ist Schlumpf sich bewusst und sagt zugleich: «Aber damit muss ich umgehen können.»

 

Kreienbühl und das positive Signal

 

Auf der Startliste der Halbmarathon-WM in Valencia ist Christian Kreienbühl nichtzu finden. Und dennoch ist der Rütner am Samstag mit dabei. Allerdings muss er hinter den gemeldeten 176 Elite-Athleten und quasi als «Volksläufer» antreten, da er die WM-Limite verpasste.

Hat der 36-Jährige dadurch Nachteile? Finanziell zwar schon, da der Leichtathletikverband die Kosten für seine Reise nicht übernimmt, nicht aber sportlich.

Der Rütner, der die Limite für den EM-Marathon in Berlin geknackt hat und darauf hofft, Ende April selektioniert zu werden, startet unmittelbar hinter dem grossen Elite-Block. In diesem gibt es zahlreiche Athleten, die dieselbe Pace wie der Oberländer anschlagen werden. «So muss ich mich nicht alleine durchkämpfen, sondern kann im Pulk mein Tempo laufen.»

Endlich beschwerdefrei

Kreienbühl sagt, er wäre zufrieden mit einerZeit zwischen 64:21 Minuten (Bestzeit) und jener aus dem Halbmarathon Anfang Februar in Barcelona. 64:45 Minuten benötigte er damals. Seither hat der Langstreckenspezialisit planmässig trainieren können.

Besonders wichtig für ihn, auch mental: Die langwierigen Achillessehnenprobleme scheinen endlich überwunden.

Kreienbühl nimmt das Rennen in Valencia denn auch zuversichtlich in Angriff. Und er versucht, hinsichtlich der EM-Selektion ein positives Signal zu senden. Es soll heissen: «Ich bin nicht mehr verletzt und kann auch schnell laufen.» (ome)

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