Dürnten verliert erstes Finalspiel
Unverdrossen trieben die Fans der Dürnten Vikings ihre Mannschaft weiter an. Doch die Zeit rieselte dem Oberländer Zweitligisten durch die Finger. Weniger als drei Minuten vor Schluss lag er gegen Rheintal vor über 400 Zuschauern mit zwei Toren in Rückstand. Und jeder in Bäretswil wusste: Nur ein sportliches Wunder kann die Vikings retten.
Das aber blieb am Dienstag aus. Die Gäste agierten abgebrüht, verteidigten ihre Führung im Stile einer erfolgsverwöhnten Mannschaft, die weiss, wie man die Uhr herunterspielt.
Ein Treffer fiel in der Schlussphase zwar noch – ins verlassene Tor der Dürntner, die mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters die letzte mögliche Massnahme ergriffen hatten. 2:5 verloren sie schliesslich den ersten Final der Best-of-5-Serie.
«Am Anfang sind wir erschrocken.»
Rheintal-Trainer Roger Nater
Die Differenz schufen die Gäste im Powerplay. Dreimal trafen sie in diesem, währen das Heimteam nichts aus seinen Überzahlmöglichkeiten machte. Zudem unterliefen den Dürntnern in ihrer eigenen Zone zu viele individuelle Fehler. Und sie sassen zu oft auf der Strafbank. «Das können wir uns nicht leisten», sagte Claudio Petrini.
Was das mit Spannung erwartete erste Duell der zwei besten Ostschweizer Mannschaften aus Sicht des Vikings-Trainer aber auch zeigte: «Bei numerischem Gleichstand sind wir ebenbürtig.»
Brüderliche Produktion
Vor sechs Jahren waren die beiden Mannschaften in den Playoffs schon einmal aufeinander getroffen. Die Dürntner behielten damals mit 3:2 die Oberhand, wobei es in der Serie lauter Heimsiege gab. Deutlich interessanter ist der Fakt, dass bei den Vikings zehn Spieler von damals noch immer dabei sind.
Bei den Rheintalern, die am Dienstag ihren 37. Sieg in Serie feierten, sind es nur deren drei – darunter aber mit Damian Holenstein ein tragendes Element der erfolgreichen Mannschaft. Zusammen mit seinem Bruder Manuel steuerte er diese Saison in der Qualifikation über 100 Skorerpunkte bei.
«Wir müssen ganz einfach mehr und direkter den Abschluss suchen.»
Vikings-Trainer Claudio Petrini
Die Brüder waren auch im ersten Finalspiel massgeblich dafür verantwortlich, dass die Rheintaler in die Spur fanden. Zwei Minuten vor Ende des Startdrittels schlug Manuel Holenstein im Powerplay zu – 1:1. Und nachdem die Dürntner nach einem sehenswerten Solo von Adrian Stoob in Unterzahl zum 2:2 ausgeglichen hatten, folgte durch Damian Holenstein postwendend die Antwort. Die Gäste spielten zu diesen Zeitpunkt mit zwei Mann mehr.
Sie brauchten nur wenige Sekunden, um die doppelte Überzahl auszunutzen. Als wäre das für das Heimteam noch nicht Unbill genug, kassierte es in einfacher Unterzahl auch noch das 2:4.
Verzögern, bis es zu spät ist
Es war ein harter Schlag, den die Vikings da im Mitteldrittel zu verdauen hatten. Einer auch, von dem sie sich bis zum Schluss nicht mehr richtig erholten.
Die drei Gegentore innerhalb von nicht einmal sechs Minuten taten ihnen besonders weh. Denn die Dürntner waren nicht nur zu Beginn des Spiels das klar bessere Team gewesen, sodass Rheintal-Trainer Roger Nater hinterher bekannte: «Am Anfang sind wir erschrocken.»
Die Vikings starteten auch beim Stand von 1:1 ausgesprochen gut in den zweiten Abschnitt. Sie waren wacher, spielten schnell nach vorne, kamen zu guten Möglichkeiten, waren aber häufig zu wenig entschlossen. «Wir müssen ganz einfach mehr und direkter den Abschluss suchen», sagte Vikings-Trainer Petrini hinterher.
Bestes Beispiel für die Verspieltheit der Dürntner: In der 23. Minute verzögerte Mischa Rüegg alleine vor dem Tor stehend seinen Schuss so lange – bis es zu spät war.
Humorlose Gäste
Rheintal trat derweil sehr humorlos auf. Entgegen dem Spielverlauf brachte Adrian Ströhle die Gäste in der 25. Minute in Führung. Der Rheintaler zog ohne Angst vor Verlusten in hohem Tempo direkt aufs Tor. Er würgte die Scheibe über die Linie, räumte dabei aber auch gleich noch Goalie Fabian Ryffel sowie das Gehäuse aus dem Weg.
Rheintal-Trainer Nater gefiel das Durchsetzungsvermögen seines Spielers ausgesprochen gut. «Es war ein sogenanntes dreckiges Tor, aber es war wegweisend.»
Mit Verspätung hatte der Favorit also in die Partie gefunden, hatte sich «hineingekämpft», wie Nater fand. Mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken zeigte sich dann gut, über wie viel Selbstvertrauen die Rheintaler verfügen. Die erste Runde geht an sie. Mehr nicht.
«Das Spiel ist bereits abgehakt», sagte Vikings-Trainer Petrini bereits unmittelbar nach Spielschluss. Und klar ist: Am Donnerstag gedenken die Dürntner in Widnau zurückzuschlagen.
