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«Wollen beobachten, wie sich die Liga entwickelt»

Der EHC Wetzikon hat die Chance, den Schweizermeistertitel in der 1. Liga zu holen. In die MSL will er aber auch bei einem Titelgewinn nicht aufsteigen. Sportchef Daniel Steiner erklärt wieso und sagt, ob sich daran etwas ändern könnte.

Mehrkosten befürchtet: Sportchef Daniel Steiner und der EHC Wetzikon sagen «Nein» zur MSL. (Archivfoto: David Kündig)

«Wollen beobachten, wie sich die Liga entwickelt»

Der EHC Wetzikon greift als Regionalmeister Ostschweiz nach dem nationalen Titel in der 1. Liga. Wie schätzen Sie die Chance auf diesen ein?
Daniel Steiner: In Prozent? Vielleicht 50 zu 50. Wir haben eine gute Mannschaft, viel Selbstvertrauen, spielen gutes Eishockey und wollen diesen Titel unbedingt. Die Gegner kennen wir aber überhaupt nicht.  

Längst ist klar: Auch bei einem Titelgewinn steigt der EHCW nicht in die MSL auf. Weshalb?
Weil wir den Entscheid, den wir vor einem Jahr gefällt haben, nicht umstossen, nur weil wir jetzt sportlich gut dastehen. Das wäre nicht richtig. Andererseits wollen wir weiterhin beobachten, wie sich die Liga entwickelt.

Worum geht es konkret?
Wir wollen keine finanziellen Risiken eingehen, da wir gegenüber dem Gesamtverein, also beispielsweise auch dem Nachwuchs, verpflichtet sind. Wir wollen das Konstrukt, das wir in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben, nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Entgegen allen anderen Voten, die man hört, sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass uns eine Teilnahme an der MSL einen sechsstelligen Betrag mehr kosten würde.

 

«Die Kosten explodieren momentean auch in der 1. Liga.»

EHCW-Sportchef Daniel Steiner

 

Diese Summe unterscheidet sich deutlich von den Angaben anderer Klubs. Dübendorf und Chur rechneten beispielsweise mit 20’000 Franken Mehrausgaben. Hat sich Ihre Angst vor explodierenden Kosten in der MSL denn bestätigt?
Ich habe nichts in dieser Richtung vernommen. Allerdings habe ich auch nicht extra bei MSL- Klubs angefragt, da man sowieso keine ehrliche Antwort erhält. Die Kosten explodieren momentan auch in der 1. Liga. Wenn ich höre, was unseren Spielern von anderen Vereinen als Entschädigung angeboten wird, muss ich davon ausgehen, dass ich in der MSL pro Spieler mindestens 2000 bis 4000 Franken mehr in die Hände nehmen müsste. Wir haben aktuell 27 Spieler unter Vertrag. Das wären dann schon mal 80’000 Franken Mehrkosten. Dazu kommen weitere Mehrauslagen oder Mindereinnahmen.

Ein Klub hat es selber in der Hand, ob er diese Preistreiberei bei den Entschädigungen mitmacht oder nicht.
Das ist richtig. Nur habe ich dann keine Spieler und damit keine Mannschaft mehr. Wir haben uns mit harter und ehrlicher Arbeit in der 1. Liga wieder einen Namen erarbeitet. Spieler kommen wieder gerne zu uns, auch wenn sie bei uns weniger Geld erhalten als an anderen Orten. Dafür haben wir anderes anzubieten. Man kann bei uns sportliche Erfolge feiern, erhält Wertschätzung und ist in einem funktionierenden sozialen Umfeld eingebettet. Es war ein langer Weg bis hierhin.

 

«Wir sind in Wetzikon in der glücklichen Lage, dass unsere Spieler keine exorbitanten finanziellen Forderungen haben.»

EHCW-Sportchef Daniel Steiner

 

Was spricht dagegen, eine Liga höher dieselben Ansätze anzuwenden?
Ohne explizit in der Mannschaft nachgefragt zu haben, bin ich davon überzeugt: Wenn wir in die MSL wollen, in der der Aufwand wohl höher ist, würde ich die Hälfte meiner Spieler verlieren. Ich müsste die Lücken stopfen und dafür wohl jedem Zuzug einen fünftstelligen Betrag bieten. Entschädigungen in dieser Höhe zahlen wir niemandem. Wir sind in Wetzikon in der glücklichen Lage, dass unsere Spieler keine exorbitanten finanziellen Forderungen haben.  

Können Sie das präzisieren?
Mit unserem aktuellen Lohnniveau wären wir in der MSL mit Sicherheit nicht konkurrenzfähig. Es ist aber ungemein wichtig für unser Umfeld, auch für unsere Sponsoren, dass wir konkurrenzfähig sind.

 

 

Das ist momentan zweifellos der Fall. Der EHC Wetzikon hat sich den Regionalmeistertitel souverän gesichert, im Team steckt sehr viel Potenzial. Wurden Sie in diesem Zusammenhang nie von Fans auf die derzeit fehlenden Aufstiegsambitionen angesprochen?
Nein. Ich las lediglich einige Kommentare dazu im Facebook, aber direkt zu mir ist niemand gekommen. Ich bin allerdings auch eher im Hintergrund tätig, werde deswegen kaum je auf so etwas angesprochen. Ich glaube auch, die Leute verstehen unsere Beweggründe. Wichtig aber ist: Unser sportliches Ziel ist es, jederzeit bereit zu sein, um aufsteigen zu können.

Bedeutet das, dass man die Situation zu einem späteren Zeitpunkt neu beurteilt?
Ja. Wir werden im November oder Dezember, also in der nächsten Saison, in der Sportkommission das Ganze erneut ausloten und dann allenfalls einen Vorschlag an den Gesamtvorstand einreichen – sollten wir dann aufsteigen wollen.

 

Sierre und Zuchwil als Unbekannte in der Finalrunde

Eine Woche nach dem Gewinn des Regionalmeistertitels Ostschweiz nimmt der EHC Wetzikon den letzten Teil seiner Saison in Angriff. Die Mannschaft von Trainer Roger Keller empfängt am Dienstag im ersten Spiel der Erstliga-Finalrunde Zuchwil, den Gewinner der Zentralschweizer Gruppe. Die Zuchwiler mussten in ihrer Finalserie gegen Lyss ebenso über die maximale Distanz gehen wie der HC Sierre in der Westschweiz, der das Teilnehmerfeld der Finalrunde komplettiert.

Die Walliser durften sich am Samstag nach dem 4:2-Sieg gegen Franches-Montagnes vor über 3000 Zuschauern doppelt freuen: über den Regionalmeistertitel sowie den Aufstieg in die MSL. Der HC Sierre profitiert davon, dass weder Wetzikon noch Zuchwil in die höchste Amateurliga wollten. Sierre ersetzt in dieser Neuenburg.

Bitteres Los mit der Halle

Die wichtigste sportliche Frage ist damit zwar geklärt, an der spannenden Ausgangslage für die Finalrunde ändert sich nichts. Jedes der drei Teams will ins Finalspiel vom 2. April einziehen und seine Saison mit dem Meistertitel krönen.

Alle müssen dabei mit dem Umstand klar kommen, dass sie ihre Gegner nicht kennen. Fakt ist: Wetzikon und Sierre schlossen die Qualifikation auf Rang 1 ab, die Zuchwiler beendeten sie auf Rang 3. In den Playoffs feierte der EHCW ausschliesslich Siege – Zuchwil und Sierre blieben jeweils bis in die Finalserie ebenfalls makellos, ehe sie einige Federn lassen mussten.

Die Wetziker beginnen ihr Pensum mit den zwei Heimspielen gegen Zuchwil und Sierre (Samstag). Bitter für sie: Weil ihnen die Zürcher Oberländer Frühlingsmesse (5. bis 8. April) in die Quere kommt, müssen sie ein allfälliges Heimrecht im Final abtreten, da die Wetziker Eishalle dann nicht zur Verfügung steht.

EHCW-Sportchef Daniel Steiner verhehlt seine Enttäuschung darüber nicht: «Das ist schlicht tragisch.» (ome)

 

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