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Jetzt ist der grosse Bruder fällig

Den Pokal hat der EHC Wetzikon nach seinem Triumph selber anschreiben müssen. Die Wetziker aber wollen sowieso mehr als nur Ostschweizer Erstliga-Meister sein. Sie haben den nationalen Titel im Visier.

Von den Fans gefeiert: Peter Hürlimann (vorne) und seine Teamkollegen auf der Ehrenrunde. (Foto: David Kündig), Der Captain geht voraus: Nicolas Marzan und seine siegreichen Wetziker Jungs. (Foto: David Kündig), EHCW-Captain Nicolas Marzan mit dem Pokal. (Foto: David Kündig), Der Moment des Triumphes: Handschuhe und Stöcke fliegen durch die Luft. Und Torhüter Odin Neuenschwander erhält sehr viel Besuch. (Foto: David Kündig), Freude herrscht bei den Wetzikern. (Foto: David Kündig)

Jetzt ist der grosse Bruder fällig

Manchmal muss man improvisieren. So wie Christian Anderegg am späten Dienstagabend. Mit Filzstift kritzelte der Assistenztrainer des EHC Wetzikon den Namen des jüngsten Ostschweizer Erstliga-Meisters auf die dafür vorgesehene, aber noch leere Stelle.

«Wetzikon» steht seither also mit schwarzer Farbe auf dem Sockel des Pokals. Da Anderegg auf die Schnelle keinen wasserfesten Stift auftreiben konnte, sind einige Buchstaben aber schon leicht verschmiert.

Die kleine und überraschend leichte Trophäe hatte bereits eine beträchtliche Reise durch zahlreiche Hände hinter sich, bevor sich Anderegg ihrer annahm. Um halb elf Uhr abends hatte EHCW-Captain Nicolas Marzan den Pokal nach dem dritten Finalsieg gegen den EHC Arosa unter dem Jubel seiner Mannschaftskollegen und des Publikums entgegen genommen. Es war der Startschuss zur Wetziker Meisterfeier.

Rund eine Stunde lang genossen die Spieler zusammen mit vielen Fans, Funktionären und Familienmitgliedern den Triumph auf dem Eis, dann verzogen sie sich für kurze Zeit in die Katakomben, um später ihre Party in einem Wetziker Pub fortzusetzen. Spieler, Funktionäre und auch zahlreiche Anhänger bewiesen dabei Ausdauer – auch um drei Uhr morgens war das Lokal noch gut gefüllt und die Stimmung ausgelassen.  

 

 

Nervös in den Schlussaufstieg

Bevor man am Dienstag beim EHC Wetzikon aber überhaupt daran gehen konnte, sich die eigens für den Titelgewinn hergestellten T-Shirts überzuziehen, dem Gerstensaft und stinkenden Zigarren zu frönen, war viel Geduld gefragt. Die Mannschaft von Trainer Roger Keller musste sich den dritten Erfolg (5:2) gegen den nach zwei Niederlagen angezählten Gegner aus dem Schanfigg hart erarbeiten.

«Wir waren vielleicht etwas nervös», mutmasste Peter Hürlimann hinterher. Dass die Aroser nochmals alles in die Waagschale werfen würden, war vom Heimteam allerdings erwartet worden. Sie hätten sich auf eine Geduldsprobe eingestellt, sagte EHCW-Stürmer Alain Butty. «Wir wussten, es wird hart.»

Die Mannschaft war sich zugleich aber auch im Klaren, beim Gipfelsturm alle nötigen Werkzeuge für den Schlussaufstieg im Rucksack mitzutragen. Arosas Geschäftsführer Adrian Fetscherin zollte dem Meister denn auch Respekt. «Wetzikon war die klar stärkste Mannschaft der Gruppe und auch jene mit dem breitesten Kader.»

 

«Wenn schon, denn schon.»

EHCW-Trainer Roger Keller

 

Mit einer Machtdemonstration (9:0 Siege) in den Playoffs haben sich die Wetziker für die am nächsten Dienstag beginnende Finalrunde qualifiziert. Auf welche zwei Gegner sie in dieser treffen, ist offen. In der Zentralschweiz führt Lyss in der Finalserie gegen Zuchwil 2:1, das Westschweizer Duell zwischen Sierre und Franches-Montagnes muss beim Stand von 2:2 in die «Belle».

Butty: «Es geht noch weiter»

Wie die jeweiligen Serien ausgehen, ist sowieso zweitrangig. An der Herangehensweise des Oberländer Erstligisten, der momentan unbezwingbar scheint (17 Siege hintereinander) und trotzdem nicht in die höchste Amateurliga MSL aufsteigen will, ändert sich nichts.

«Wir haben ein erstes Ziel erreicht, aber es geht noch weiter», meldete Butty weitere Ansprüche an. «Mit unserem Lauf haben wir Chancen, den grossen Pokal zu holen.»

Auch Roger Keller gibt sich noch nicht zufrieden. Er sieht den kleinen Pokal nur als Platzhalter für dessen grossen Bruder, den der Sieger des nationalen Erstliga-Finals erhält. Sein knapper Ansatz: «Wenn schon, denn schon.»

Der einsame Pokal

Die Verbundenheit des Trainers zur Trophäe für den Ostschweizer Meistertitel ist derweil überschaubar. Wobei Keller schon länger als alle anderen Wetziker in ihrem Besitz ist. Der Sportchef des letzten Titelträgers Frauenfeld brachte den Pokal nämlich am Vortag des dritten Finalspiels dem im Thurgau wohnenden EHCW-Trainer.

 

 

Aus Aberglauben aber fasste Keller nicht einmal den Karton an, in dem der Pokal steckte. Er liess diesen daheim in den Kofferraum seines Autos legen und in Wetzikon wieder herausholen. Später stemmte er das silberne Stück dann zwar auch voller Freude in die Höhe.

Im Pub aber fehlte der Pokal. Er stand – zurückgelassen von allen – auf dem Tisch in der Trainergarderobe.

 

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