Meisterjubel nach dem Geduldsspiel
74 Sekunden vor Schluss der Partie räumte Peter Hürlimann die letzten Zweifel aus. Mit seinem Tor zum 5:2 war gestern jedem der über 1300 Zuschauer definitiv klar – der EHC Wetzikon wird seinen Finalgegner Arosa auch ein drittes Mal besiegen und hat den Titel des Regionalmeisters Ostschweiz auf sicher.
So feiert der EHCW seinen Titel:
(Video: Simon Grässle)
«Das ist natürlich supergeil», freute sich der letzte Wetziker Torschütze kurz nach der Pokalübergabe und schob mit einem breiten Grinsen im Gesicht hinterher: «Gott sei Dank müssen wir nicht noch einmal nach Arosa hoch und können hier bei uns zu Hause feiern.» Dann stürzte sich Hürlimann mit einer Dose Bier in der Hand zurück in die Menge. Zurück zu den Fans, Familienangehörigen und Mitspielern, die den Triumph bei lauter Musik zusammen auf dem Eisfeld genossen, sich gegenseitig umarmten und für Fotos mit dem Pokal posierten.
Wobei: Die kleine, silberne Trophäe soll nur der Anfang sein. Der Oberländer Erstligist will mehr, er strebt nach dem Titel des Schweizer Amateurmeisters. «Wir wollen den grossen Pokal», sagte Trainer Roger Keller denn auch und lächelte nach dem 17. Sieg seiner Mannschaft in Serie zufrieden. Und auch Hürlimann machte klar: «Unser Hunger ist noch nicht gestillt.» Letzteres erklärte auch, weshalb Hürlimanns Teamkollege Alain Butty hinsichtlich Festivitäten ankündigte: «Wir werden sicher nicht überborden.»
Das Gehäuse ist ein Aroser
Lange war gestern aber ungewiss, ob die Korken überhaupt würden knallen können. Die Wetziker taten sich auf dem Weg zum entscheidenden dritten Sieg gegen Arosa überaus schwer. Sie gerieten gar wie in jedem Finalspiel in Rückstand. «Das ist zwar nicht optimal, aber wir konnten die Spiele ja noch jedes Mal drehen», sagte Butty dazu.
Im dritten Spiel gab es zudem eine Premiere – erstmals überhaupt in dieser Finalserie fiel in einem Drittel überhaupt kein Tor. Das aber hiess nicht, dass die beiden Mannschaften nicht zu Chancen gekommen wären. Die kompakt agierenden Aroser waren ebenbürtig und sorgten – vor allem im Powerplay – einige Male für Gefahr, die grösseren Möglichkeiten aber hatte dennoch der EHCW. Zweimal kurz hintereinander musste das Gehäuse gar Partei für die Gäste ergreifen, um die Wetziker Führung zu verhindern. Erst traf Eggimann nur den Pfosten, danach spritzte Hürlimanns Abschluss an die Latte.
Bis die Wetziker etwas zu jubeln hatte, dauerte es danach fast noch einmal ein ganzes Drittel. Und es waren unangenehme 20 Minuten, die das Heimteam erlebte. Die Bündner tobten sich richtiggehend aus. Kein Zeichen davon, dass sie mit dem Rücken zur Wand standen. Oder aber, dass den erneut nur mit einem dezimierten Kader angetretenen Gästen die Kraft ausgehen könnte. Arosa war aufsässig, diszipliniert und agierte in der eigenen Zone kompromisslos. EHCW-Trainer Keller sagte hinterher: «Wir brauchten wirklich viel Geduld.»
Die Wetziker Ketchupflasche
Doch wie schon in den Spielen zuvor arbeitete sich der EHCW so lange unbeeindruckt am Gegner ab, bis sich der Erfolg einstellte. In der 39. Minute glich Gianni Brandi in Überzahl mit einem Schlenzer von der blauen Linie zum 1:1 aus. Er belohnte das Heimteam dafür, dass es nach dem Gegentreffer durch Patrick Bandiera (31.) seine Bemühungen deutlich verstärkt hatte. Und es scheint bei den Wetzikern wie bei der Ketchupflasche. Erst kann man lange schütteln und es kommt nichts – dafür dann plötzlich auf einmal viel. Der von Christopher Wittwer ideal lancierte Manuel Laimbacher jedenfalls liess sich nur 72 Sekunden nach dem Ausgleich nicht zweimal bitten. Kurz schaute er auf, als er alleine auf Goalie Sven Salis lief, dann traf er abgezockt zum 2:1.
Wer kommt, ist egal
Genau so abgebrüht reagierten die Oberländer im Schlussabschnitt auf den Rückschlag in Form des zweiten Gegentreffers. Nur ein paar Minuten durften die Bündner nach Bandieras 2:2 (47.) auf die Verlängerung der Finalserie hoffen, dann rückte der Qualifikationssieger die Verhältnisse wieder zurecht. Mit einem Doppelschlag von Bucher und Butty – beide Treffer erzielten die Wetziker im Powerplay – stellten sie auf 4:2. Für Butty war hinterher klar: «Dass wir nachdoppeln konnten, hat ihnen das Genick gebrochen.»
Den Arosern lief danach die Zeit davon, die Wetziker bogen derweil nach einem langen Anlauf endgültig Richtung Feierlichkeiten ein. Sind diese erstmals vorbei, gilt es, den Fokus sofort neu zu richten. Am nächsten Dienstag beginnt die Finalrunde. Auf welche zwei Gegner das Team von Roger Keller in dieser trifft, ist noch unklar. Es dürfte den Wetzikern schlichtweg egal sein. Die Oberländer wissen dank ihrem schon wochenlang dauernden Höhenflug – sie können jeden Erstligisten bezwingen.
So verlief die dritte Finalpartie – der Liveticker zum Nachlesen:
