Riders und Laupen greifen nach dem Titel
«Nicht wer rennen kann, gewinnt das Rennen, sondern wer bis zum Ende rennen kann.» Das war das Fazit bei den Laupnerinnen nach dem 4:3-Sieg über Basel Regio im zweiten Vergleich der NLB-Playoff-Halbfinals. Sie bedienten sich dabei an einem jamaikanischen Sprichwort aufgrund des späten Siegtreffers von Andrea Wildermuth. Sie traf erst in der 69. Minute mit einem spektakulären Weitschuss aus spitzem Winkel – und entschied dadurch die Serie.
Der Aufsteiger beendete damit den Halbfinal (best of 3) auf dem kürzesten Weg – mit 2:0 Siegen. Es war allerdings trotzdem ein hartes Stück Arbeit für die Laupnerinnen. Bis in die 59. Minute lagen sie noch 2:3 zurück, ehe Sina Hofmann ihr Team kurz vor Schluss überhaupt in die Verlängerung rettete. Und damit sind wir wieder bei der erwähnten jamaikanischen Redewendung.
Trotzdem. Von ausgelassener Freude war bei Laupens Trainer Yves Kempf nach dem Einzug in den Final wenig zu spüren. «Wir waren während 58 Minuten das schlechtere Team. Erst in der Overtime spielten wir überlegen», sagte er. Er ärgerte sich nach dem 9:0-Kantersieg in der ersten Partie über das überhebliche Auftreten seiner Akteurinnen. «Alles warnen im Vorfeld nützte nichts. Ich sprach gegen eine Wand», sagte er.
Ärger über den Modus
Kempf hatte aber nicht nur Kritik für seine Mannschaft übrig. Für Unverständnis sorgt bei ihm auch die auf diese Saison hin getätigte Playoff-Modusänderung des Verbands, wodurch statt drei neu zwei Siege zum Weiterkommen reichen. «Es erhöht die Gefahr, dass sich nicht immer die bessere Mannschaft durchsetzt», ist für ihn klar.
Wie auch immer: Trotz eines eher durchwachsenen zweiten Auftritts gegen Basel haben sich die Laupnerinnen die Finalqualifikation verdient und damit auch die eigenen Erwartungen (Einzug in die Halbfinals) übertroffen. Und dass sie dort auf die Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti treffen, ist sogar eine leise Überraschung.
Die Wende der Riders
Den Oberländerinnen gelang nämlich am Wochenende gegen Rümlang-Regensdorf mit zwei Siegen (3:2, 5:3) eine spektakuläre Wende. Dabei hatte der Qualifikationssieger aus dem Furttal im Vorfeld der Playoffs aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und den Aufstieg in die NLA als klares Ziel formuliert.
Und da Rümlang-Regensdorf das erste Spiel auch standesgemäss 3:1 gewann, waren die Floorball Riders entsprechend unter Zugzwang. Nur: Sie konnten sich eben am Samstag beim 3:2-Sieg in den entscheidenden Momenten insbesondere auf zwei reaktivierte Spielerinnen verlassen, die mit ihren Akzenten die Partie in die entsprechende Richtung lenkten. Eveline Scherrer war es, die in der 18. Minute ein 0:1 korrigierte. Und sie war es auch, die das wegweisende 3:1 für die Riders erzielte (47.). Die Vorlagen wiederum kamen von einer anderen Altbekannten – der eigentlich zum Ende der letzten Saison zurückgetretenen Topskorerin Tamara Schmucki.
Nicht gut sah es für die Floorball Riders auch tags darauf in Rümlang zu Beginn des zweiten Drittels aus. 0:2 lagen sie zurück, ehe es doch noch zu einem Happy End kam – dieses Mal nicht zuletzt wegen einer stark auftrumpfenden Malin Brolund, die beim 5:3-Erfolg dreimal traf.
Aufgrund der drei Siege in den bisherigen Direktduellen und dem zweiten Qualifikationsrang scheint der UHC Laupen auf dem Papier als leiser Favorit gegen die Floorball Riders in die Oberländer Finalserie zu starten. Trainer Kempf will davon allerdings nichts wissen. «Wir haben vielleicht etwas mehr Breite im Kader. Dafür sind die Riders weitaus routinierter», sagt er.
Hoffen auf eine faire Serie
Kempf hofft vor allem, dass bei aller Rivalität die Fairness bei der am kommenden Samstag in Laupen beginnenden Playoff-Serie nicht auf der Strecke bleibt – auf dem Feld wie den Tribünenrängen. Laut dem Trainer war es schon in der Qualifikation zwischen den beiden Teams zuweilen hitzig zu und her gegangen. «Das Problem von zu vielen Emotionen besteht – auf beiden Seiten», sagt er.
Es sind berechtigte Bedenken. Schliesslich steht nun weitaus mehr auf dem Spiel. Der Sieger des Finals bekommt es anschliessend in den Auf-/Abstiegsplayoffs immerhin mit dem Verlierer der Playout-Serie zwischen Waldkirch St. Gallen und Zug United zu tun – und kann damit auch den Aufstieg in die NLA schaffen.
Die Riders hätten damit die Chance nach drei Jahren Abwesenheit wieder in die höchste Spielklasse zurück zu kehren. Für den UHC Laupen wiederum, wäre der Aufstieg in die NLB der grösste Erfolg überhaupt in der Klubgeschichte. «Wir haben intern keinen Druck», beschwichtigt Coach Kempf. Die mögliche Herausforderung NLA würde der Verein aber trotzdem annehmen. (zo/fbr)
