Gefragt ist ein kühler Kopf
Das Vorgeplänkel auf den zweiten Final vom Samstag zwischen dem EHC Wetzikon und Arosa haben die beiden Mannschaften schon hinter sich. Einige rüde Körperchargen, die zahlreiche Rangeleien zur Folge hatten, Diskussionen und eine Strafenflut liessen die Endphase des Startspiels, das die Wetziker 6:2 für sich entschieden, zu einer zähflüssigen Angelegenheit verkommen.
«Die Hektik war unnötig», sagt EHCW-Trainer Roger Keller. Zu Recht. Denn das mit Spannung erwartete Duell zwischen dem Qualifikationssieger aus Wetzikon und den nach ihrem Kraftakt gegen Bellinzona euphorisierten Bündnern war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden.
Schon zur Spielhälfte hatte sich die Frage nach dem Sieger gar nicht mehr gestellt – zu dominant traten die Wetziker am Donnerstag auf, zu offensichtlich waren ihre läuferischen und spielerischen Vorteile gegenüber ihrem Gegner.
Knackpunkt Emotionen
Doch Spiel 1 war eben auch nur eine Momentaufnahme. Abgehakt und vorbei. Mehr als den ersten von drei benötigten Siegen brachte er den Wetzikern – neben einem guten Gefühl – nicht ein. Zudem zeigte die Schlussphase, dass der Oberländer Erstligist gut daran tut, sich nicht zu verzetteln und davon absieht, seine Kräfte auf Nebenschauplätzen zu vergeuden.
Das Team von Roger Keller muss damit rechnen, dass Arosa nach seinem missglückten Auftritt in Wetzikon am Samstag im eigenen Stadion eine Antwort geben möchte. Vom «Streichresultat» sprachen die Bündner nach dem ersten Final. Sie dürften darauf aus sein, nicht nur mehr Energie, sondern auch deutlich mehr Emotionen ins Spiel zu bringen.
«Wir dürfen uns nicht provozieren lassen, sondern müssen den Fokus behalten.»
EHCW-Trainer Roger Keller
Das weiss man selbstverständlich auch beim EHC Wetzikon. Mit einem Blick zurück auf die Schlussphase des Startspiels sagt Keller: «Arosa hatte nichts mehr zu verlieren und versuchte, uns aus dem Spiel zu nehmen.» Das sei Teil der Playoffs, sagt der EHCW-Coach. Seine Schlussfolgerung daraus: «Wir dürfen uns nicht provozieren lassen, sondern müssen den Fokus behalten.»
Wetziker Trumpfkarten
Dazu gehört, dass die Wetziker, sollten sie in Führung sein, nicht zu passiv werden, sondern den Fuss möglichst lange auf dem Gaspedal halten. Kellers Credo: «Wir müssen mit viel Tempo angreifen».
Genau das machte seine Mannschaft am Donnerstag fast 50 Minuten lang vorzüglich, der Auftritt wurde so zu einer Machtdemonstration.
Der EHC Arosa aber hat gegen Bellinzona bewiesen, dass er mental robust ist. Die Widerstandsfähigkeit half ihm, sich nach einem 1:2-Rückstand in der Serie noch durchzusetzen. Der schon verloren geglaubte Halbfinal – in Spiel vier gelang der Ausgleich erst vier Sekunden vor Schluss – hat dem Team zusätzliches Selbstvertrauen verliehen.
Zumindest ein Teil davon dürfte ihm der EHCW aber wieder genommen haben. Die Wetziker halten neben der 1:0-Führung in der Best-of-5-Serie einige weitere Trumpfkarten in der Hand. Sie verfügen beispielsweise über das routiniertere Team.
Und sie scheinen breiter aufgestellt. Anders als die Aroser, die in Wetzikon nur drei Sturmlinien und drei Verteidigerpaare zur Verfügung hatten und bei denen jetzt auch noch Captain Reto Amstutz verletzt ausfällt, trat der EHCW in Vollbesetzung an. Er konnte so die Last über viele Schultern verteilen.
Das wiederum hat Folgen auf den Krafthaushalt. Die Frische könnte mit Fortdauer der Serie ein wichtiger Faktor werden.
Kommt hinzu: Die Oberländer haben das viel zitierte Momentum auf ihrer Seite. 15 Siege reihten sie aneinander – sieben davon in den Playoffs. Diese Zahl kennt wohl auch der Gegner.
Nicht Talent allein ist allerdings ausschlaggebend dafür, dass der EHCW strammen Schrittes Richtung Titel marschiert. Er überzeugt auch mit der Solidarität innerhalb des Teams und seiner Entschlossenheit.
Die «starke Willensleistung» gefiel Keller am Donnerstag denn auch besonders gut. Geht es nach ihm, soll am Samstag eine nächste in Arosa folgen.
