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Die letzte Ausgabe von Ursula Speich

Ursula Speich, die langjährige Redaktionsleiterin des «drü-egg», hört auf. In zehn Jahren hat sie das Dorfmagazin sanft umorganisiert und darüber hinaus gelernt, sich zurückzunehmen. Auch wenn sie ihre Aufgabe geliebt hat: Als Zürcherin ist sie in Egg letztlich nie ganz angekommen.

Die letzte Ausgabe von Ursula Speich

Das «drü-egg» steht irgendwie schräg in der Presselandschaft. Es kommt daher als zirka 60-seitiges Magazin mit je einem Hauptthema wie «Wohnen», «Alter» oder «Gold und Silber». Dieser Schwerpunkt wird dann in mehreren Artikeln aufs Lokale runtergebrochen. Die Texte sind mal gut, mal weniger, mal überraschend und interessant, dann wieder banal.

Gleichzeitig ist das «drü-egg» aber auch eine Dorfzeitung mit eingesandten Texten, PR-Berichten und Nachberichterstattungen von Anlässen, die aufgrund der vierteljährlichen Erscheinungsweise hoffnungslos veraltet sind. Dazu gibt es einen kleinen Teil, für den die Gemeinde verantwortlich ist. Leserbriefe findet man nicht – denn egal, was den Leuten heute unter den Nägeln brennt: In drei Monaten ist das in den meisten Fällen einfach kein Thema mehr. Eine politische Auseinandersetzung ist deswegen nicht nur von vornherein ausgeschlossen, sondern auch gar nicht erwünscht, denn das «drü-egg» ist seit jeher unpolitisch.

«Das ist einfach so»

«Dass das ‹drü-egg› nur viermal jährlich erscheint, ist für gewisse journalistische Inhalte sicher nicht ideal», sagt Ursula Speich, «aber das ist einfach so und lässt sich nicht ändern.» «Das ist einfach so»: Diesen Satz hört man häufiger, wenn man mit der langjährigen Redaktionsleiterin des «drü-egg» spricht.

«Damals haben die Medien anders ausgesehen und anders funktioniert.»

Ursula Speich

Denn die Publikation ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Wer wissen will, wie solche Hefte in den 70er Jahren ausgesehen haben, kann sich durchs «drü-egg» blättern; das Dorfmagazin erschien erstmals im September 1974.

«Damals haben die Medien anders ausgesehen und anders funktioniert», sagt Speich. Einen Änderungsbedarf leitet sie draus nicht ab. «Hier in Egg herrscht die Meinung: Wenn etwas eine gute Qualität hat und wie das ‹drü-egg› zur Gegend passt, dann gibt es keinen Grund, weshalb man es anders machen sollte.»

Eher Hobby als Teilzeitstelle

Der Aufwand, der in jedem Heft steckt, ist beträchtlich. Allein für Ursula Speich fallen pro Ausgabe 60 bis 80 Stunden Arbeit an, dabei ist die Aufgabe – gerade auch vom Honorar her – eher als Hobby denn als Teilzeitstelle ausgelegt.

«Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, dauerten die teilweise bis zu fünf Stunden.»

Ursula Speich

Speich verfasst Texte und redigiert die Artikel der freien Schreiber. Nach dem Überarbeiten werden sämtliche Berichte von allen Mitarbeitern des rund zehnköpfigen Teams sowie der Präsidentin und der Kassierin des Trägervereins nochmals durchgelesen und gemeinsam besprochen. Nachdem die Layouterin mit ihrer Arbeit fertig ist, folgt schliesslich das eigentliche Korrektorat durch Ursula Speich. Das ist traditionsgemäss einfach so.

Auswärtige verstehen nicht alles

Und dann die Sitzungen. «Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, dauerten die teilweise bis zu fünf Stunden», erinnert sich Ursula Speich. Also habe sie Abläufe und Organisation gestrafft – «subtil», wie sie sagt – und auch eine Traktandenliste eingeführt. «Danach ging es einiges effizienter.»

Ansonsten blieb das meiste, wie es eben war. Dies auch, weil sich Speich bewusst zurückhielt. «Ich bin zwar in einem kleinen Ort in der Innerschweiz aufgewachsen und weiss deshalb, wie die Leute in einem Dorf ticken.» Gleichzeitig hat die Stadtzürcherin auch gemerkt: Es gibt Dinge in Egg, die versteht man nicht, wenn  man nicht aus Egg kommt. Und das habe sie auch immer mal wieder zu hören bekommen.

Alles ist «made in Egg»

Publizistisch ist das «drü-egg» unabhängig, oder zumindest fast. Die allermeisten Einnahmen stammen aus dem Verkauf von Inseraten. Für den Gemeindeteil gibt es pro Ausgabe aber auch ein paar Tausend Franken aus der Gemeindekasse, was die Autonomie ein kleines bisschen einschränkt. Denn seitdem ein eingesandter Text einer Egger Gruppierung im Gemeindehaus für Ärger gesorgt hat, gibt Ursula Speich die Gemeindeseiten zum Gegenlesen. «Ansonsten nimmt der Gemeinderat aber eigentlich keinen Einfluss.»

«Das liebenswürdige Team wird mir fehlen.»

Ursula Speich

Was das «drü-egg» mit anderen Medien gemein hat, ist die Finanzlage. So reicht das Geld zwar für den Normalbetrieb, ein vierfarbiger Druck oder ein «drü-egg online» liegen aber nicht drin. Produziert wird das Heft in einem Egger Medienunternehmen. Eine Auslagerung in eine Grossdruckerei ausserhalb des Dorfs oder gar im Ausland sei keine Alternative, sagt Ursula Speich. «Denn dann wäre das ‹drü-egg› ja nicht mehr aus Egg.»

«Made in Egg» – genau aus diesem Grund sei es ihr immer wichtig gewesen, sich beim Redigieren der Texte von freien Schreibern zurückzunehmen. «Natürlich müssen Grammatik, Rechtschreibung und Aufbau stimmen», betont Ursula Speich. Gleichzeitig müsse der Artikel aber auch nach der Überarbeitung noch immer als Text des entsprechenden Autors zu erkennen sein. Denn sämtliche freien Mitarbeiter wohnen in Egg, «und damit kommen alle Artikel mitten aus der Bevölkerung», sagt sie. «Das ist persönlich, auf eine gute Art Egg-bezogen und macht letztlich den Charme des Magazins aus.»

Ein neuer Impuls

Die Frühlingsausgabe, die Mitte März erscheint, ist nun Speichs letztes «drü-egg». Sie habe ihre Arbeit für das Dorfmagazin immer geliebt, anders sei es gar nicht möglich, die Aufgabe zu meistern. Und das «liebenswürdige Team» werde ihr fehlen. «Wenn man einer Zeitung zehn Jahre lang den Stempel aufdrückt, ist es aber irgendwann auch mal genug. Und nach einer so langen Zeit braucht es auch einfach mal einen neuen Impuls.» Langweilig werde es ihr sicher nicht werden. «Mit meinem Textbüro habe ich nach wie vor genug zu tun.»

 

Persönlich: Ursula Speich
 
Ursula Speich begann ihre Schreibkarriere als freie Mitarbeiterin bei der «Zürichsee Zeitung», erst im Lokalteil, dann auch national; das war zu einer Zeit, als sich die meisten Zeitungen noch einen Schweiz- und Auslandteil leisten konnten. Später wechselte sie zum Schweizer Fernsehen, wo sie als Redaktorin zuständig war für Nachmittags-, Frauen- und Konsumentensendungen. Danach war Ursula Speich Zentralsekretärin und Redaktorin beim Schweizerischen Zivilschutzverband in Bern, bis sie vom Zürcher Gewerbeverband abgeworben wurde, für den sie erst die Redaktion der Monatszeitung übernahm und später in der Öffentlichkeitsarbeit landete. Parallel dazu baute Ursula Speich ihre eigene Text-Redaktion auf, in der Texte für Wirtschaft und Politik bearbeitet werden.
 
Zum «drü-egg» kam sie, weil sie im Auftrag des Gewerbevereins Egg (GVE) Berichte für das Dorfmagazin verfasste und nach der Kündigung der damaligen «drü-egg»-Chefin Guida Kohler das Mandat der Redaktionsleiterin und Blattmacherin übernahm.
 
Betreffend der Nachfolge in der Redaktionsleitung des «drü-egg» nach dem Rücktritt von Ursula Speich wird derzeit evaluiert; Genaueres dürfte im Juni bekanntgegeben werden. tba

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