Es geht um das gute Gefühl
Der lange Anlauf hat begonnen, Zieltag ist der 12. August. Dann wird an den Europameisterschaften in Berlin zum Marathon gestartet.
Auch für Tadesse Abraham, den Halbmarathon- Europameister, ist dies der Saisonhöhepunkt und seine Planung darauf ausgerichtet.
Seit Mittwoch weilt der 35-jährige Athlet des LC Uster in Japan, wo er in der Nacht auf Sonntag (04.30 Uhr) den Lake Biwa Marathon bestreitet. «Danach habe ich genügend Zeit, mich zu erholen und den Aufbau für die EM zu machen», sagt er.
Für Abraham ist es eine spezielle Rückkehr nach Japan. 2010 startete er erstmals in Otsu am Lake Biwa, einer Stadt etwa so gross wie Zürich, rund eineinhalb Stunden von Osaka entfernt.
Die Vorzeichen waren damals allerdings noch andere. Abraham lebte zwar bereits seit sechs Jahren in der Schweiz, trat aber noch für Eritrea an. Und nicht nur das war anders.
«Ich war acht Jahre jünger und hatte kaum Erfahrung», sagt er. In 2:10:46 Stunden beendete er im strömenden Regen seinen dritten Lauf über die lange Distanz auf Platz 3. Die Bestzeit, erzielt beim Debüt in Zürich, hatte er um 35 Sekunden verpasst.
Mit London geliebäugelt
Eine Weile hat er mit einem Start am London Marathon am 22. April geliebäugelt. Der LCU-Läufer hatte geglaubt, dass der 5. Rang am New York Marathon im letzten November, der 7. Platz an Olympia in Rio, eine Bestzeit von mittlerweile 2:06:40 und der Halbmarathon-EM-Titel Argumente genug für einen Startplatz wären. Doch dem war im von Stars verwöhnten London nicht so.
Seine Enttäuschung hielt sich in Grenzen, «denn das Angebot aus Japan stimmte für mich», sagt Abraham.
Wie üblich absolvierte er sein dreimonatiges Training in Addis Abeba, war zu Jahresbeginn bei unüblich kühlen Temperaturen jedoch eine Woche krank. «Die Vorbereitung war dennoch gut. Vor dem New York Marathon belastete ich nicht so stark wie jetzt, weil ich einen Rückfall befürchtete», sagt er. Die erste Hälfte von 2017 hatte er wegen eines Ermüdungsbruchs verpasst.
«Die Temperaturen werden mit rund 18 Grad eher hoch und ähnlich wie in Addis sein», glaubt er. Respekt hat er vor einigen afrikanischen Gegnern und Europameister Daniele Meucci (ITA), aber auch dem Wind. «Rückenwind auf dem Hinweg wäre zwar angenehm, Gegenwind auf dem Rückweg aber hart», sagt er. Immerhin geht es um den Anlauf und das gute Gefühl auf die EM hin. (Monica Schneider)
