Ein simpler Ansatz für die Halbfinals
Die Vergleichswerte fehlen zwar, da die MSL in ihrer ersten Saison steht. Zieht man aber andere Ligen hinzu, um Auffälligkeiten herauszuarbeiten, lässt sich sagen: In den Viertelfinals hat es noch jedes Jahr Überraschungen gegeben.
In der National League etwa stolperten die ZSC Lions zweimal hintereinander über eine schwächere Mannschaft. Auch dem EHC Chur passierte in der letzten Erstliga-Saison dasselbe. Die nach der Qualifikation zweitklassierten Bündner mussten gegen den EHC Wetzikon (7.) überraschend die Segel streichen.
Nur: Keine Regel ohne Ausnahme. In der MSL, die für ihre Ausgeglichenheit und Spannung gelobt wird, setzten sich in den Viertelfinals alle besser klassierten Mannschaften durch. Die einzelnen Spiele in den Serien waren zwar umkämpft und Qualifikationssieger Sion musste gegen Seewen gar über die volle Distanz. In den Halbfinals sind die Top vier der Regular Season dennoch unter sich.
Das spricht für die Stärke dieser Teams. Und dafür, dass die Halbfinals einiges an Unterhaltungswert bieten dürften. Sion trifft in diesen auf Brandis, der zweite Finalist wird im Duell zwischen Dübendorf (2.) und Wiki-Münsingen (3.) ermittelt. Die Dübendorfer starten am Samstag mit Heimvorteil in die Best-of-5-Serie.
Zwei Gegentore als Referenz
Das Team von Trainer Reto Stirnimann hat eine optimale erste Playoff-Runde hinter sich. Gegen Bülach setzte sich der EHC Dübendorf auf dem kürzest möglichen Weg durch.
So konnte er Kräfte sparen und hatte genügend Zeit, um sich neu zu fokussieren. Ausschlaggebend für das sichere Weiterkommen gegen Bülach war die starke Defensivleistung. Nur zwei Gegentreffer kassierte EHCD-Goalie Remo Trüb, der wie seine Vorderleute überzeugende Leistungen ablieferte.
Besonders angetan zeigt sich Trainer Stirnimann von den ersten zwei Viertelfinal-Partien. «Da standen wir dem Gegner keinerlei schnelle Gegenangriffe zu.»
Die defensive Stabilität ist ein gutes Zeichen. Nur mit einer solchen und einem Torhüter in Hochform ist Erfolg in den Playoffs überhaupt möglich. Es überrascht deshalb nicht, dass Stirnimann vor dem Duell gegen den EHC Wiki-Münsingen – die Berner stellen die zweitbeste Offensive der Liga – vor allem über die Wichtigkeit der Verteidigungsarbeit spricht.
Disziplin, viel Leidenschaft und die Bereitschaft, einstecken zu können, fordert er von seinen Spielern. «Und wir wollen dem Gegner keinen Raum im guten Eis zugestehen.»
Patt in der Offensive
Vieles deutet auf eine umstrittene Angelegenheit zwischen Dübendorf und Wiki-Münsingen hin, auch wenn sieben Punkte am Schluss die zwei Teams in der Tabelle trennten. In den Direktbegegnungen gewannen beide jeweils ihr Heimspiel.
Berücksichtigen muss man aber, dass das 5:2 der Dübendorfer noch unter dem später von Stirnimann abgelösten Trainer Andrea Cahenzli war und sich das Team in der Zwischenzeit taktisch weiter entwickelt hat. Vor allem den Speed der Dübendorfer hob Bülach-Trainer Markus Studer nach dem Playoff-Aus hervor. Und die Ausgeglichenheit.
Der tempofeste EHCD ist denn auch schwierig auszurechnen. Er ist nicht von einigen wenigen starken Einzelakteuren abhängig, sondern kann auf vier Linien zählen, die jede die Entscheidung herbeiführen kann.
In der Offensive breit abgestützt ist allerdings auch Wiki-Münsingen. Über ein halbes Dutzend Spieler trugen in der Qualifikation zehn oder mehr Punkte bei. Äusserst effizient zeigen sich die Aaretaler momentan im Powerplay – 40 Prozent ihrer Überzahlmöglichkeiten nutzen sie aus.
Das ist eine Topquote. «Da müssen wir auf der Hut sein», sagt Stirnimann.
Probleme bekunden die Berner, die sich in den Viertelfinals in vier intensiven Partien gegen Thun durchsetzten, dafür bisweilen in der Verteidigung. Davon zeugen mehrere deutliche Niederlagen. Von den Playoff-Teilnehmern kassierte nur Seewen mehr Gegentreffer.
Auf allfällige defensive Unzulänglichkeiten beim Gegner will Stirnimann aber gar nicht erst eingehen. «Das interessiert uns nicht. Zudem sind Qualifikation und Playoffs zwei verschiedene Paar Schuhe.»
Wiki und der Zacken
Unbestritten ist: Wiki-Münsingen ist ein aufsässiges und kampfstarkes Team. Vor allem auch eines, das gemäss Trainer Stefan Gerber an den Aufgaben wächst.
In der «Berner Zeitung» sagte er: «Wir sind eine Playoff-Mannschaft. Sobald es in die entscheidende Phase geht, können wir einen Zacken zulegen.»
Letzteres sollte auch der EHCD trotz soliden Viertelfinals tun, sagt Stirnimann. Sein Ansatz ist simpel, aber unmissverständlich: «Wir müssen zwei Briketts drauf legen.»
