Im 13. Anlauf klappt es
Es ist Samstagabend, kurz nach dem Ende der NLA-Partie zwischen dem UHC Uster und dem SV Wiler-Ersigen. Erstmals in der Vereinsgeschichte und nach zuvor 25 vergeblichen Versuchen ist es den Ustermern gelungen, den elffachen Schweizer Meister zu bezwingen.
4:3 gewinnt das Team von Trainer Simon Meier nach einer abgeklärten Leistung.
Simon Suter trifft nach einem schnellen Gegenangriff in der Overtime und kann hinterher zufrieden festhalten: «Wir haben heute eine sehr gute Teamleistung geboten.» Mit den zwei Punkten macht Uster einen grossen Schritt Richtung Playoff-Qualifikation. Es wäre die Erste überhaupt.
Torspektakel und Hektik pur
Doch der Jubel nach der Premiere gegen Wiler-Ersigen ist nicht grenzenlos, denn noch läuft die für Uster relevante Partie zwischen GC und Waldkirch-St. Gallen. Bei einem Sieg der Zürcher ist Uster schon eine Runde vor Ende der Qualifikation durch.
Gespannt verfolgen die Ustermer Spieler die Partie auf einer Grossleinwand im Buchholz. Einige sitzen noch immer in ihren verschwitzten Trikots da, der eine oder andere fingert nervös am Smartphone, um sich etwas abzulenken.
Rund 20 Kilometer von Uster entfernt geht es zwischen dem viertklassierten GC und den an neunter Stelle liegenden Ostschweizern in der Sporthalle Hardau hoch zu her. Die Zürcher führen zwischenzeitlich 4:1, doch rund drei Minuten vor Schluss liegen sie plötzlich 6:9 hinten.
Hat sich das Schicksal gegen Uster verschworen? Ist der Erfolg gegen Wiler-Ersigen doch nicht das Playoff-Ticket?
Was dann in Zürich folgt, ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. GC ersetzt seinen Goalie, trifft in Überzahl einmal, zweimal, gar dreimal – 9:9. Nun greifen die Ostschweizer ihrerseits ohne Torhüter an und kommen tatsächlich zu Chancen.
Doch schliesslich lacht GC in der Verlängerung das Glück. Cyrill Pedolin trifft zum 10:9. Der Jubel ist gross – im Buchholz. Uster hat den Playoff-Einzug vor dem abschliessenden Auswärtsspiel gegen Kloten-Bülach auf sicher.
Das Gerüst bleibt bestehen
Es ist ein Meilenstein für den Klub nach einer schon fast unglaublichen Durststrecke, die am Samstag endlich zu Ende geht. Erst im 13. Anlauf gelingt es dem UHC Uster, die Qualifikation über dem Trennstrich zu beenden.
Auch, weil der Klub in der Vergangenheit oftmals Jahr für Jahr seine besten Spieler an die Konkurrenz verliert und so sein Gerüst praktisch immer wieder neu bauen muss.
Doch dann gelingt der Turnaround. Nicht nur kehren 2016 arrivierte NLA-Spieler wie Florian Bolliger und Raphael Berweger zu ihrem Stammklub zurück. Auf diese Saison hin bleiben die Eckpfeiler des Teams bis auf ganz wenige Ausnahmen erhalten.
Das zahlt sich jetzt aus. Statt wie jahrelang im Playout jeweils um seinen Platz in der höchsten Liga zittern zu müssen, ist der seit Jahren gut geführte NLA-Klub für einmal frühzeitig von allen sportlichen Sorgen erlöst und darf ans Dessert-Buffet in Form der Playoffs. Als Tabellenachte fordern die Ustermer in den Viertfinals Qualifikationssieger Wiler-Ersigen.
«Gegenüber der vergangenen Spielzeit haben wir spielerisch einen grossen Schritt nach vorne gemacht und konnten diesbezüglich auch mit den Spitzenteams mithalten», sagt Trainer Meier.
Mit dem Rücken zur Wand
Vor dem letzten Meisterschaftsdrittel aber sieht es trotzdem so aus, als ob die Ustermer dasselbe Lied wie immer anstimmen müssten. Dasjenige nämlich, mit allen Teams mithalten zu können, in den entscheidenden Momenten aber doch nur zweiter Sieger zu sein.
Zu oft verspielt Uster auch diese Saison Führungen, belohnt sich für gute Leistungen nicht entsprechend. Die Konsequenz daraus: Sieben Runden vor Schluss beträgt der Rückstand auf den achten Platz fünf Punkte.
«Wir hatten den Fokus nicht ständig auf die Tabelle gerichtet.»
Uster-Trainer Simon Meier
Was dann folgt, dürfte manch einer nicht für möglich gehalten haben. Mit dem Rücken zur Wand reihen die Ustermer fünf Siege aneinander. Sie gewinnen dabei viermal in Serie mit nur einem Tor Differenz und beschliessen ihr Pensum gestern mit einem 7:5-Sieg bei Schlusslicht Kloten-Bülach Jets.
Mit welcher Ruhe, Entschlossenheit und auch mentaler Stärke die junge Mannschaft das Ruder letztlich herumgerissen hat, verdient grossen Respekt.
«Klar haben wir uns über die blöden Niederlagen geärgert, aber von Resignation war in diesem Team keine Sekunde lang etwas zu spüren», sagt Meier. «Wir hatten den Fokus auch nicht ständig auf die Tabelle gerichtet, sondern uns einfach darum gekümmert, wo wir uns in unserem Spiel noch verbessern mussten.»
Einer der Eckpfeiler des Erfolgs ist mit Sicherheit auch Meier selber. Der Profitrainer hat es geschafft, dem Team ein klares Spielkonzept zu verpassen. Für ihn sind die Playoffs in Uster zugleich der Abschluss. Er verlässt den Verein Ende Saison.
Aelligs Abschiedsgeschenk
Ganz besonders dürften die Partien gegen Wiler-Ersigen auch für Thomas Aellig werden, der den Grund für den Erfolg im Team-Spirit sieht. «Jeder Einzelne hat das Team in den Vordergrund gestellt.»
Oft hiess es innerhalb des Vereins scherzhaft, dass Aellig (34) so lange spiele, bis Uster die Playoffs erreiche.
Vor wenigen Wochen hat die Ustermer Identifikationsfigur nach über 350 Spielen für den Klub seinen Rücktritt auf Ende Saison angekündigt. Ein besseres Abschiedsgeschenk als die Playoff-Teilnahme ist deshalb kaum vorstellbar. (Oliver Meile und Philipp Wyss)
