Der Donnergott findet nach Europa
Was haben der Oberländer Zweitligist Dürnten Vikings und das drittklassige Profiteam der Adirondack Thunder aus dem US-Bundesstaat New York gemein? Mehr als man erwarten könnte.
Da ist einerseits eine – zugegeben etwas konstruierte – Verbindung auf Spielerebene. So pflegen die Thunder eine Kooperation mit den New Jersey Devils. Der NHL-Klub hat sich im Sommer die Rechte an Torhüter Gilles Senn gesichert, der momentan beim HC Davos unter Vertrag steht.
Dessen Bruder Mario Senn wiederum, ein Stürmer, spielt seit mehreren Saisons für die Dürnten Vikings.
Viel offensichtlicher aber ist die Verbindung zwischen dem Oberländer Amateurteam und der in Glen Falls spielenden Profimannschaft Adirondack Thunder bei einem Blick auf die Klublogos. Sie sind beinahe identisch. Doch wie kommt das?
Neues Kleid nach der Fusion
Die Spurensuche führt ins Jahr 2011. Im Frühling jenes Jahres fusionierte der 1957 gegründete EHC Dürnten mit der EHC Bäretswil GmbH zum EHC Dürnten Vikings. Die Folge davon: Die Dürntner spielten ab der Saison 2011/12 nicht nur unter neuem Namen statt in Wetzikon in Bäretswil, sondern verpassten sich auch optisch einen anderen Auftritt.
Im Mittelpunkt steht seither Thor, einer der wichtigsten Götter der Wikinger. Er galt als Herr über Blitz und Donner, Sturm und Regen.
Doch wer verschaffte den Dürntnern – ihr ursprüngliches Logo war Ende des letzten Jahrtausends schon mit zwei Wikingern ergänzt worden – das markante Kleid? Die Antwort mehrerer angefragter Personen aus dem Klubumfeld fällt identisch aus: Sie wissen es nicht.
Stellvertretend für sie steht Rico Schaffer. Er war viele Jahre Spieler und Trainer bei den Dürntnern und erlebte den Neubeginn aus nächster Nähe mit. Wie man zum neuen Logo kam? «Ich habe keine Ahnung.» Von den Adirondack Thunder hat er noch nie gehört.
Auf die Ähnlichkeit der Logos angesprochen, macht er sich noch während des Telefongesprächs im Internet auf die Suche. Und sagt dann: «Ui. Die sind identisch. Bis aufs Isolierband am Stock und der Bartfarbe. Und natürlich den Ortswappen von Dürnten und Bäretswil.»
Ein Karton mit Trikots
Klar ist: Das Signet wurde 2005 vom drittklassigen Profiteam Stockton Thunder eingeführt. Jemand im Oberländer Verein muss daran also gefallen gefunden und dem Wikinger den Schritt nach Europa ermöglicht haben.
Doch niemand will den Ablauf genau rekonstruieren können. Schaffer erinnert sich immerhin daran, dass 2011 der damalige Präsident Silvio Iten «plötzlich einen Karton neuer Trikots anschleppte».
Insgesamt 14 Jahre stand Iten dem Klub vor – und fällte manche Entscheidung im Alleingang. Ob auch diese, bleibt offen. Itens Ära endete im Mai 2012 – mit vielen Misstönen. Daraufhin zog er aus der Region weg.
Heute steht Marco Maroni an der Spitze des Vereins. Und er ist sich durchaus bewusst, dass man sich einst in den USA bedient hatte. Bei einer Bereinigung der Statuten sei plötzlich die Frage aufgetaucht, woher das Logo eigentlich komme.
Ein paar Minuten Recherchearbeit reichten Maroni, um die Antwort zu kennen. «Daraufhin entschlossen wir uns, es etwas anzupassen, sodass es kein Thema mehr sein sollte.»
Den Umzug überlebt
2015 hätte sich das Logo-Problem der Wikinger von alleine erledigen können. Aufgrund einer grösseren Umstrukturierung in den Farmligen wurden die Stockton Thunder von den Calgary Flames gekauft. Der kanadische NHL-Klub verschob das Team aus Kalifornien über 3000 Kilometer nach Glen Falls, in den Osten der USA.
Der zehn Jahre zuvor eingeführte Name «Thunder» und das gleich lange existierende Logo blieben nach dem Umzug allerdings weitestgehend unangetastet. Einzig die Farbe des Wikingerbartes änderte man von gelb auf rot und passte den Schriftzug den neuen Begebenheiten an.
So sind vorerst also weiterhin zwei ganz unterschiedliche Mannschaften mit dem Wikinger auf der Brust unterwegs.
Auf der einen Seite des grossen Teichs die vor durchschnittlich 2900 Zuschauern spielenden Adirondack Thunder, in Bäretswil der erfolgreiche Zweitligist Dürnten Vikings, der in den letzten drei Saisons zweimal den Ostschweizer Meistertitel gewann.
Bei den Dürntnern schätzt man die Gefahr indes als klein ein, von den Besitzern der Thunder aufgefordert zu werden, das Signet zu ändern.
«Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch was kommt», sagt Präsident Maroni. In Sicherheit wiegen können sich die Oberländer allerdings nicht. Es gibt genügend Beispiele von Profiklubs, die ihre Juristen von der Kette liessen, um angebliche Verletzungen von Markenrechten zu ahnden.
