Sport

«Ich würde mit meinen alten Abfahrtsskiern herunterfahren»

Vor 30 Jahren holte Brigitte Oertli nicht nur Olympia-Silber – sie war seither auch die letzte alpine Athletin aus dem Oberland. Für die Winterspiele in Pyeongchang stellt die gebürtige Eggerin sogar den Fernseher ins Schlafzimmer.

Freude über Silber: Brigitte Oertli an den Olympischen Spielen 1988 in Calgary. (Foto: Keystone), Brigitte Oertli ist dem Skisport nach wie vor verbunden – unter anderem als Präsidentin des Gönnerclubs des Zürcher Skiverbands. (Foto: PD)

«Ich würde mit meinen alten Abfahrtsskiern herunterfahren»

Brigitte Oertli war 1988 in Calgary die letzte Oberländer Skifahrerin an den Olympischen Spielen – und holte sogar Silber in Abfahrt und Kombination. Jetzt tritt Gilles Roulin in die Fussstapfen der in Egg aufgewachsenen 55-Jährigen. «Er ist ein guter Typ», freut sie sich über die Entwicklung des Grüninger Speed-Fahrers. Die mittlerweile in Uster lebende Oertli ist dem Skisport nach wie vor verbunden – unter anderem als Präsidentin des Gönnerclubs des Zürcher Skiverbands.

Brigitte Oertli, wie oft stehen Sie noch auf den Skiern?
Brigitte Oertli: Das hängt von den Schneeverhältnissen und Tätigkeiten ab. Ich würde sagen zwischen 5 und 20 Tage pro Saison. Zuletzt war ich in den USA am Skifahren.

Vor genau 30 Jahren gewannen Sie an den Olympischen Spielen in Calgary Silber in der Abfahrt und Kombination. Würden Sie sich heute noch heute auf eine Abfahrtspiste getrauen?
Ja, einfach nicht in voller Hocke. Und natürlich käme es auch auf die Schneeverhältnisse an. Viel mehr Mühe als mit der Piste hätte ich aber mit den Skiern. Deshalb würde ich mit meinen alten Abfahrtsskiern herunterfahren.

Gibt es eigentlich noch Kontakte mit alten Weggefährtinnen?
An gemeinsamen Ski-Anlässen – wie beispielsweise an der Ski-WM in St. Moritz. Ansonsten vor allem mit Lilian Kummer, obwohl sie aus einer jüngeren Generation kommt.

Sie haben WM- und Olympia-Medaillen gewonnen. Welche haben für Sie den grösseren Wert?
Olympische Spiele sind natürlich etwas spezielles. Nur schon weil du als Athlet in der Regel höchstens ein bis zweimal die Möglichkeit hast, daran teilzunehmen und eine Medaille zu gewinnen. Dazu kommt, dass du dich dafür noch vor Ort qualifizieren musst, weil nicht alle starten dürfen.

Sie waren die letzte alpine Skisportlerin aus dem Oberland überhaupt an Olympia. In Pyeongchang ist nun der Grüninger Gilles Roulin am Start. Haben Sie seinen Weg verfolgt?
Ich kenne ihn und seine Familie nicht, finde es aber einfach cool, dass endlich wieder ein Oberländer mit dabei ist. Auch wenn ich es natürlich bedaure, dass er seine Qualitäten nicht im Zürcher Skiverband erlernt hat. Wir hätten natürlich gerne nebst Wendy Holdener einen weiteren Athleten auf diesem Niveau.

«Roulin hat überhaupt keinen Druck. Und ob er eine Überraschung schafft oder hinten raus fährt – es ist sowieso schon ein Erfolg, was er geleistet hat. Die Olympia-Qualifikation ist wie ein Sieg. Alles andere was kommt ist Zugabe.»

Was trauen Sie Roulin zu?
Er hat überhaupt keinen Druck. Und ob er eine Überraschung schafft oder hinten raus fährt – es ist sowieso schon ein Erfolg, was er geleistet hat. Die Olympia-Qualifikation ist wie ein Sieg. Alles andere was kommt ist Zugabe.

An den Olympischen Spielen in Sotschi vor vier Jahren holten die Schweizer Alpin-Fahrer drei Medaillen. Das sollte doch – wenn man den Saisonverlauf anschaut – übertrumpft werden …
Das heisst gar nichts. Die Spitze ist nahe beinander. Es spielen ganz viele Faktoren eine Rolle. Das Wetter, die Startnummer, die Piste. Zudem: Es muss ja extrem kalt sein. Damit kommen nicht alle Athleten gleich zurecht.

«Wenn Feuz nichts macht, haben die Abfahrer keine Chance.»

Wer hat die besten Medaillenchancen?
Wenn Feuz nichts macht, haben die Abfahrer keine Chance. Im technischen Bereich ist den Männern hingegen alles zuzutrauen. Und bei den Frauen können wir in jeder Disziplin sogar mehrere Medaillen holen.

Werden Sie trotz der Zeitverschiebung die Rennen anschauen?
Ich werde sicher den Fernseher ins Schlafzimmer nehmen – und den Wecker stellen. Was ich wirklich schaue entscheide ich aber situativ. Doch mich interessieren nicht nur die Ski-Wettbewerbe …

Welche finden Sie spannend?
Ich schaue gerne Curling. Und Langlauf interessiert mich. Sowieso gibt einem Olympia die Chance kompakt andere Sportarten zu sehen, die sonst kaum im TV stattfinden. Das ist toll.

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.