Roulin hat den Tag X im Visier
Die Eckwerte der Olympia-Abfahrtsstrecke in Jeongseon sind schnell aufgezählt. 2857 m lang ist sie. Der Start liegt auf 1370 m Höhe, das Ziel auf 545 m. Wenn man ausschliesslich das Höhenprofil betrachtet, ist das fast so, als ob man vom Schnebelhorn nach Wetzikon runterbrausen würde. Die für eine Abfahrt geforderte Mindest-Höhendifferenz von 800 m wird nur knapp erreicht.
Rund 40 Autominuten von Pyeongchang entfernt und inmitten dicht bewaldeter Hügelketten liegt Jeongseon. Hier finden alle Speed-Rennen statt. 50’000 Bäume mussten am Olympia-Berg für die Abfahrtsstrecke weichen.
Den «Magic Tree» jedoch, der mitten auf der Ideallinie steht, verschonte man. Wegen seiner besonderen Bedeutung für die Einheimischen. Unter ihm hätten Frauen jeweils eine Nacht verbracht, wenn sie Mühe hatten, schwanger zu werden, erzählten sie Pistenbauer Bernhard Russi. Der liess daraufhin die Strecke um den Baum herum bauen, weil er es «eine wunderbare Geschichte» fand.
20 Rennen hier, 249 da
Eine wunderbare Geschichte – diese Aussage passt auch perfekt zu Gilles Roulin, der in Südkorea seine Olympia-Premiere feiert. Dass der junge Grüninger überhaupt für eine Selektion in Frage kommen würde, hätte vor Beginn des Winters kaum einer für möglich gehalten. Der 23-Jährige ist ein Weltcup-Grünschnabel. Ein Neuling, der sich nach dem Aufstieg aus dem Europacup erst beweisen muss.

