Für sie gibt es keine Grenzen
Das 26. internationale Schwimm-Meeting in Uster war einmal mehr gespickt mit Olympiasiegern, Welt- und Europameistern. Auch die Teilnehmerinnen am Final über 200 m Lagen waren beileibe keine Namenlosen. Dennoch liess Maria Ugolkova in ihrer Paradedisziplin keinerlei Zweifel über die Gewinnerin aufkommen.
Die kräftige Schweizerin lag im Final schon nach der ersten Länge im Delfinstil voran. Sie verteidigte ihre Führung sowohl auf dem Rücken als auch in ihrer schwächsten Sparte, dem Brustschwimmen, mühelos und schwamm schliesslich kraulend zu einem überlegenen Start-Ziel-Sieg. Mit einer Zeit von 2:14,33 Minuten war sie über zwei Sekunden schneller als die Italienerin Laura Letrari.
Dass Ugolkova später im Final über 100 m Freistil zwei hochkarätigen Konkurrentinnen den Vortritt lassen musste, beeinträchtigte ihre gute Laune nicht. «Ich bin sehr zufrieden», sagte die Lokalmatadorin vom veranstaltenden Schwimmclub Uster-Wallisellen, nachdem sie jungen Fans Autogramme verteilt und mit ihrem Trainer Pablo Kutscher das Rennen besprochen hatte.
Sie habe nicht erwartet, dass sie derart gut abschneiden würde, zumal die Saison eben erst begonnen habe und sie sich mitten im Aufbautraining befinde. Noch diese Woche geht es für zwei Wochen nach Lanzarote, um im Freien an der Form zu feilen.
Ein Vorbild für alle
Dass Ugolkova auch unter nicht idealen Voraussetzungen ihre Leistung bringt, verwundert den langjährigen Klubpräsidenten Philippe Walter nicht. «Sie ist die beste Schwimmerin, die der SCUW je hatte.» Sie wisse, was sie wolle, und könne sich als reife Frau auch motivieren, ohne von den Trainern stetig angetrieben werden zu müssen.
«Sie ist das Aushängeschild des Vereins und ein Vorbild», sagt Walter. Sowohl für den Nachwuchs, der sie täglich im Training beobachten könne, als auch für ihre Teamkolleginnen, denen sie insbesondere mit ihrer professionellen Einstellung und ihrer Beharrlichkeit den Weg vorzeige.
Für Ugolkova selbst ist neben Talent, harter Arbeit und dem absoluten Willen vor allem die Freude an dem, was sie tut, entscheidend. «Ich liebe diesen Sport, ich liebe den Wettbewerb», sagt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, die fünf Sprachen spricht und in einem Teilzeitpensum bei einer Versicherung arbeitet. Alleine im Wasser trainiert sie 20 Stunden wöchentlich. Ihre Motivation liege «bei 200 Prozent», sagt die gebürtige Russin, die «traurige Tage» verbrachte, als ihr eine Ärztin kürzlich wegen Problemen mit den Ohren zwei Tage Wasserverbot erteilte.
Stetige Fortschritte
Die erwähnten Eigenschaften sowie ein für sie ideales Umfeld mit einem Trainer, der am gleichen Strick ziehe, haben die Leistungskurve der 28-Jährigen trotz ihres für eine Schwimmerin bereits gestandenen Alters fortwährend nach oben steigen lassen.
Seit sie vor vier Jahren zum SCUW gestossen ist, hat sie Schweizermeistertitel gehamstert und nationale Rekorde purzeln lassen. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte Ugolkova Ende vergangenen Jahres an der Kurzbahn-EM in Kopenhagen, als sie über 200 m Lagen ihre eigene Bestleistung förmlich pulverisierte und als Vierte nur knapp hinter den Medaillenrängen blieb.
«Wer weiss, wo das noch hinführt, sollte es in diesem Stil weitergehen», orakelt Klubpräsident Walter. Ugolkova jedenfalls mag sich keine Grenzen setzen. An einen Rücktritt, dem sie vor ihrem Wechsel nach Uster bereits nahe gestanden hatte, denkt sie keine Sekunde.
«Ich fühle mich jünger als viele Junge.» Mit dem Fernziel Tokio 2020 fest vor Augen wolle sie weitere Schritte nach vorne machen, nationale Titel sammeln und Rekorde brechen. Insbesondere will die Olympiateilnehmerin von Rio an der Langbahn -EM in Glasgow im Sommer das in Dänemark Verpasste nachholen und ihre erste Medaille an internationalen Wettkämpfen auf höchster Stufe gewinnen.
Ob es dann gleich zur edelsten aller Auszeichnung reichen wird, steht in den Sternen. Für den SCUW aber ist Ugolkova laut Walter ohnehin «Gold wert».
