Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Sport

Patrick Müller: «Ich will zeigen, was ich kann»

Patrick Müller nimmt seine erste Saison bei den Profis in Angriff – in einem neu gegründeten Team. Die Vorbereitung verlief für den Ustermer optimal. Und bei den Leistungstests schnitt der 21-Jährige so gut ab wie noch nie.

Der Ustermer Patrick Müller hat seine ersten Wochen im neuen Team Vital Concept als überaus positiv erlebt. (Foto:PD)

Patrick Müller: «Ich will zeigen, was ich kann»

Die Verantwortlichen von Vital Concept, dem neu gegründeten französischen Pro-Continental-Team, hatten sich das so schön ausgemalt. Gleich im ersten Jahr des Bestehens hoffte der in der Bretagne stationierte Rennstall darauf, an der Tour de France teilnehmen zu können. Denn das wichtigste Radrennen der Welt führt diesen Sommer durch die Bretagne.

Seit kurzem aber ist klar: Die Grande Boucle findet ohne Vital Concept statt. Bei der Verteilung der vier Wildcards ging die auf der zweithöchsten Stufe angesiedelte und überwiegend aus Franzosen (15) bestehende Mannschaft leer aus.

«Das ist natürlich ein Rückschlag», sagt Patrick Müller. Einen aber, den man nach Ansicht des Ustermers bereits abgehakt hat. Müller ist der einzige Schweizer unter den 20 Fahrern. Und er ist mit seinen 21 Jahren nicht nur der Zweitjüngste bei Vital Concept. Nach drei Jahren im Nachwuchsteam von BMC schlägt Müller als Neoprofi auch ein frisches Kapitel in der Karriere auf.

 

 

«Man hört ja so einiges über Rennen auf diesem Niveau», sagt er vor seiner ersten Profisaison. Bange ist dem Talent, das nach Einschätzung des Schweizer Nationaltrainers Danilo Hondo alle Voraussetzungen mitbringt, um einst auf allerhöchster Stufe zu reüssieren, trotzdem nicht.

Als Stagiaire bei BMC erhielt Müller im vergangenen Jahr bei den Profis einen Einblick, was ihn erwartet. Er bestritt beispielsweise die siebentägige Tour of Utah. Müller bewies dabei, dass er auf diesem Niveau mithalten kann. Die Schlussetappe beendete er als Vierter, in der Gesamtwertung der jungen Fahrer resultierte der sechste Platz.

Die Schnupperlehre hilft

Die letztjährige «Schnupperlehre» gibt dem 21-Jährigen jetzt Sicherheit. Die Ziele hält er dennoch bewusst tief. Der Ustermer will gut in die Saison starten, «zeigen, was ich kann», ohne sich rangmässig unter Druck zu setzen.

Letzteren verspürt er auch von seinem Arbeitgeber nicht. Müller sagt, die Erwartungen der von Ex-Profi Jérôme Pineau geführten Mannschaft an ihn seien realistisch. Sie will ihm genug Eingewöhnungszeit geben, hat sich gar einverstanden erklärt, dass ihr «Profilehrling» noch einmal einige U-23-Rennen mit dem Schweizer Nationalteam bestreiten kann.

Ein Umstand, der dem mehrfachen Schweizermeister im Nachwuchsbereich in seiner Entwicklung helfen dürfte.  

Ein Abenteuer mit Risiko

Die ersten Wochen in der neuen Umgebung hat Müller als überaus positiv erlebt. Er spricht recht gut französisch, was ihm den Einstieg erleichterte. Und er schätzt es, dass mit Pineau ein Mann die Führung inne hat, dessen Karriereende noch nicht lange her ist. «Er schaut auf die Fahrer und deren Bedürfnisse. So fühlt man sich respektiert.»

Im November traf Müller bei einem Zusammenzug alle Fahrer und Mitarbeiter von Vital Concept erstmals. Es war der offizielle Beginn des gemeinsamen Wegs. Sprinter Bryan Coquard, der Teamleader, sprach in diesem Zusammenhang gar von einem Abenteuer mit Risiko. «Weil es ein komplett neues Projekt ist.»

Von Kinderkrankheiten ist allerdings nichts zu spüren. «Alles ist super organisiert», sagt Müller. Einzig die Velosocken in den Teamfarben trafen nicht rechtzeitig fürs Trainingslager ein.

 

«Es ist alles bestens. Aber erst jetzt sehen wir, wie die Mannschaft unter Druck funktioniert.»

Radprofi Patrick Müller

Die Professionalität der Bretonen kommt nicht überraschend. Ihre Ambitionen sind gross. Innerhalb von drei Jahren will man in die World Tour aufsteigen. Das Team-Budget soll rund sieben Millionen Franken betragen. Man darf annehmen, dass Müllers Rennstall damit zu den besser gestellten Pro-Continental-Equipen zählt.

Zwei Zahlen lassen diesen Schluss zu. So operierte das Westschweizer Team IAM in seiner letzten World-Tour-Saison mit einem Budget von zwölf Millionen Franken. Das 2016 auf zweithöchster Stufe fahrende Schweizer Team Roth wiederum hatte damals neben Sachleistungen der Sponsoren nur rund eineinhalb Millionen Franken flüssige Mittel zur Verfügung.

Besser war Müller noch nie

Finanzielle Potenz und eine gute Stimmung aber garantieren noch keine Erfolge. Dessen ist sich auch Müller bewusst. «Es ist alles bestens. Aber erst jetzt sehen wir, wie die Mannschaft unter Druck funktioniert.»

Am 28. Januar greift er selber am Grand Prix Cycliste la Marseillaise (145 km) ins Renngeschehen ein. Im Februar stehen für ihn zwei Mehretappen-Rennen auf dem Programm. «Dann sehen wir weiter.»

Müller bleibt in der Schweiz wohnen. Er kann sich somit in seinem gewohnten Umfeld bewegen. Die Trainingspläne erhält er von seinem Coach bei Vital Concept, Rémy Deutsch, per Mail. Mit dem jungen Sportwissenschaftler hat sich der Ustermer auf Anhieb sehr gut verstanden. «Es ist wichtig, auf derselben Wellenlänge zu sein. Mit ihm habe ich schliesslich am meisten zu tun.»

Die Saison packt Müller mit viel Zuversicht an. Der Neoprofi, der sagt, man lerne hauptsächlich durch das Beobachten arrivierter Fahrer, hat allen Grund dazu: Noch nie schnitt er an Leistungstests besser ab.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns