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Künzle peilt einen Rollenwechsel an

ZSC-Lions-Stürmer Mike Künzle spielt ab nächster Saison in Biel. Der 24-jährige Fehraltorfer hat realisiert, dass er seinen Stammklub verlassen muss, um sich weiter entwickeln zu können.

Stürmer Mike Künzle (rechts) setzt nach dieser Saison seine Karriere beim EHC Biel fort. (Foto:Keystone)

Künzle peilt einen Rollenwechsel an

Im Herbst zeigte Mike Künzle in einem SRF-Beitrag dem vom EHC Biel zu den ZSC Lions gewechselten Dave Sutter die Stadt Zürich. Nun hat Sutter die ideale Möglichkeit, sich zu revanchieren, da Künzle den umgekehrten Weg geht. Der Fehraltorfer Stürmer spielt ab nächster Saison für zwei Jahre beim EHC Biel.

Ist er deshalb bei Sutter schon vorstellig geworden, um eine Führung durch Biel zu erhalten? «Das haben wir tatsächlich abgemacht», sagt der Oberländer und muss über die Frage lachen.

24 Jahre alt ist Künzle unlängst erst geworden. Er hat dennoch bereits knapp 250 Spiele in der höchsten Liga absolviert. Notabene alle für die ZSC Lions, in deren Organisation er gross wurde und bei denen er in der fünften Saison unter Vertrag steht. Dass es die vorerst letzte sein wird, kommt nicht überraschend. Bereits im Vorjahr, als es ihm gar nicht lief und er so wenig zur Lions-Produktion beitrug wie nie zuvor (drei Tore), dachte Künzle erstmals über einen Wechsel nach.

Vor einigen Wochen und nach einem längeren Prozess war ihm schliesslich klar: «Eine Veränderung wird mir gut tun. Ich muss den Schritt von hier weg machen.»

Trübe Zukunftsaussichten

Künzle hat diese Saison zwar zurück in die Spur gefunden. Er  konnte sich in der prominent besetzten Lions-Offensive – auch wegen vielen Verletzten – wieder mehr Eiszeit ergattern. Der «Tages-Anzeiger» schrieb nach der Hälfte der Qualifikation, der Stürmer sei wieder explosiver und torgefährlicher geworden, was sich auch in dessen Skorerwerten (7 Tore/9 Assists) niederschlägt.

Die Aussichten aber, zukünftig eine tragende Rolle bei den Lions übernehmen zu können, waren minim. Obwohl dem kräftigen Stürmer attestiert wird, das Potenzial längst nicht ausgeschöpft zu haben. Die Lions aber verlängerten nicht nur mit Roman Wick, einem der Stürmer, der viel Eiszeit beansprucht. Der Verein mit den grossen Ambitionen rüstet nach dem zweimaligen Ausscheiden in den Playoff-Viertelfinals auf die nächste Saison in der Offensive auch kräftig auf. Er verpflichtete die Nationalspieler Denis Hollenstein und Simon Bodenmann.

Druck und Vertrauen nötig

Spätestens nach diesen Transfers musste sich Künzle eingestehen: Er kommt bei der Konkurrenzsituation in seinem Stammklub nicht weiter. «Ich sah keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr.» Der Flügelstürmer sagt zudem offen, er habe in seiner Entwicklung stagniert. Sein Rückschluss daraus: «Ich brauche eine neue Herausforderung, muss in eine andere Rolle schlüpfen und Verantwortung übernehmen können.»

Bei den ZSC Lions sind dafür prominentere Stürmer zuständig, hinter deren Rücken sich Spieler wie Künzle wegducken können. «Das ist zu wenig Ansporn. Ich brauche wohl Druck, muss aber auch das Vertrauen spüren.»

Genau das bringen ihm die Bieler Verantwortlichen entgegen. Künzle spricht von mehreren Optionen, die er hatte. Und er sagt, der EHC Biel sei zu Beginn seiner Zukunftsplanung gar nicht im Zentrum gestanden. Doch Künzle erhielt von den Seeländern bei den Verhandlungen schnell das Gefühl vermittelt: «Wir setzen auf dich.»

«Das kratzt an unserem Ego»

Martin Steinegger verteilt denn auch Vorschusslorbeeren. Der Bieler Sportchef sieht bei Rechtsschütze Künzle – er suchte gezielt nach einem solchen – enormes Potenzial. Steinegger ist überzeugt: «Seine Fähigkeiten werden unserem Offensivspiel neue Möglichkeiten eröffnen.»

Das Bieler Werben überzeugte den Fehraltorfer, den sportlichen Neuanfang im Seeland zu wagen. In einem kleineren Klub, in dem nicht dieselbe Erwartungshaltung wie bei den Lions herrscht. Die Ansprüche sind seit dem Einzug ins neue Stadion und dem Zuzug einiger arrivierter Spieler wie Jonas Hiller und Beat Forster zwar gestiegen. Die Konkurrenz im Team lässt sich aber nicht mit derjenigen bei den Lions vergleichen.

Künzle sieht darin eine Chance. Er will sich für die Toplinien aufdrängen, möchte wegkommen von der Rolle des Nebendarstellers. So wie einst Marc Wieser, der sich erst in Biel richtig entfalten konnte und danach als gestandener Skorer zum Stammklub Davos zurückkehrte.

Künzle ist froh, die Zukunft geklärt zu haben. Jetzt kann er sich uneingeschränkt auf das hier und jetzt konzentrieren. Es gibt genug zu tun. Zehn Runden vor Schluss der Qualifikation liegen die ZSC Lions auf dem enttäuschenden sechsten Platz. «Das kratzt an unserem Ego.»

Am Freitag empfängt der ZSC den EHC Biel. Ausgerechnet, möchte man sagen. Doch Künzle winkt ab. Für ihn ist es kein besonderes Spiel. «Ich trage noch immer das Trikot der Lions», sagt er, «und möchte meine Zeit hier so gut wie möglich abschliessen.»

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