Pellegrini ist in Potsdam noch Kurzarbeiter
Eigentlich kam für Fabian Pellegrini und den 1. VfL Potsdam die Weihnachtspause zum ungünstigsten Zeitpunkt. Sechs von sieben Spielen gewannen die Drittliga-Handballer in der Staffel Nord zum Ende des Jahres. Und der Ustermer stand beim letzten Erfolg auswärts gegen Hannover-Burgwedel (31:29) rund 45 Minuten der gesamten Spielzeit im Tor – so lange wie noch nie in dieser Saison. «Es ist mir gut gelaufen. Der Einsatz war wichtig für mein eigenes Gefühl», sagt er.
Vor prestigeträchtigem Derby
Am Sonntag kommt es zum Auftakt der Rückrunde gleich zum prestigeträchtigen Derby gegen den Oranienburger HC. Rund 1000 Fans werden in der schmucken Halle im Sportpark Luftschiffhafen in Potsdam erwartet. Der erste Vergleich war noch deutlich verloren gegangen. «Man hat sofort die Abneigung gegenüber den Oranienburgern gespürt», blickt Pellegrini mit einem Schmunzeln auf das Hinspiel zurück.
Pellegrini dürfte die erhitzte Stimmung wohl zumeist wieder von der Ersatzbank miterleben. Der 21-Jährige war in der ersten Meisterschaftshälfte vor allem Kurzarbeiter. Da und dort wurde Pellegrini für fünf bis zehn Minuten oder auch nur einen Penalty eingewechselt. Ansonsten musste er aber hinter seinem Konkurrenten Angelo Grunz zurückstehen.
Erneuter Wechsel auf der Torhüterposition: Schulz geht, Pellegrini kommt. Alle Infos in der Pressemitteilung auf https://t.co/U1iJuGMfVk pic.twitter.com/CGCSVZMm8c
— 1. VfL Potsdam (@VfLPotsdam) 27. April 2017
Die starke Werte von Grunz
Beide Torhüter wechselten erst im letzten Sommer nach Potsdam. Pellegrini vom B-Ligisten Lakers Stäfa, Grunz vom Gruppenkonkurrenten MTV Braunschweig. Die Ausgangslage war offen. Letzterer etablierte sich aber schnell als starker Rückhalt. «Ich hatte eine Baisse in der Vorbereitung. Das hatte sicher auch mit der Angewöhnung an die neue Umgebung zu tun. Und Angelo hielt sogleich gut. Es gab keinen Grund zum Wechseln», sagt Pellegrini offen. Dazu passen die Statistikwerte. Rund 40 Prozent aller Torschüsse konnte Grunz im Durchschnitt bisher abwehren. Die Tageszeitung «Potsdamer» titelte: «Der letzte Mann geht voran».
Pellegrinis Torhüterkollege war nämlich auch in schwierigen Zeiten ein Leistungsträger. Denn Potsdam erwischte einen veritablen Kaltstart. Die ersten fünf Partien gingen allesamt verloren. Die Wende zum Guten erfolgte mit dem 34:34 gegen den Tabellenzweiten Altenholz. «Das hatte niemand erwartet. Und es wäre sogar ein Sieg möglich gewesen», sagt Pellegrini. Potsdam nahm nun erheblich Fahrt auf und verbesserte sich durch die Positivserie bis auf Platz 8. «Wir konnten die vielen dummen Fehler abstellen – und kamen in einen Flow.»
«Einfach ein guter Typ»
Für Trainer Daniel Deutsch war der Trend nur eine Frage der Zeit. «Wir haben uns stetig verbessert. Das habe ich ja in den Trainings gesehen. Wichtig war, dass wir auch in der kritischen Phase stets die Ruhe behielten.» Deutsch (er war zuvor Spieler) hatte das Team im Sommer neu übernommen, und mit ihm war es zu einem Umbruch im Kader gekommen.
Der Trainer ist auch überzeugt davon, dass Pellegrini im Verlauf der Saison des Öftern zum Einsatz kommen wird – nicht zuletzt aufgrund der etwas entspannteren Tabellensituation, die den Potsdamern mehr Handlungsspielraum gibt. «Für ihn war die Situation nicht immer einfach. Doch Fabian hat sich auch im Training nie hängen lassen. Er ist einfach ein guter Typ», lobt Deutsch.
Sowieso hat Pellegrini den Wechsel in die brandenburgische Landeshauptstadt nie bereut. «Ich habe mich sehr gut eingelebt», bekräftigt er. Über den Verein fand der Ustermer in einer Viererwohngemeinschaft Unterschlupf. Ihm gefällt es in der südwestlich an Berlin grenzenden Studentenstadt. Pellegrini zieht dabei den Vergleich mit Uster und Zürich. «Potsdam hat viel Grünflächen und ist gut zum Abschalten.» Ins pulsierende Berlin zieht es ihn hingegen hie und da für den Ausgang oder wenn er Besuch aus der Schweiz von Kollegen bekommt.
Studieren an der Hochschule
Neben den täglichen Handballtrainings belegt Pellegrini derzeit einen Studienvorkurs mit dem Ziel, ab dem nächsten Sommer an der Technischen Hochschule studieren zu können.
Damit ist auch klar: Pellegrini will über die Saison hinaus in Potsdam bleiben. «Ich warte auf meine Chance und bin bereit, wenn ich reinkomme», sagt er. Den Beweis dafür erhielt Trainer Deutsch eben erst im letzten Match.
