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«Ich bin schon noch ein Stück weit weg»

Sein Fernziel ist die höchste Stufe. Sebastian Stalder aber weiss – bis in den Weltcup ist es noch ein steiniger Weg. Der 19-jährige investiert viel. Und er hofft, in den nächsten zwei Jahren entscheidende Schritte machen zu können.

Der Walder Sebastian Stalder klettert dem Weltcup entgegen. (Bild: Swiss-Ski)

«Ich bin schon noch ein Stück weit weg»

Noch ist es nicht allzu lange her, seit mit dem inzwischen zurückgetretenen Seegräbner Claudio Böckli im Biathlon-Weltcup letztmals ein Oberländer Athlet startete. Dreieinhalb Jahre, um genau zu sein. Ein wenig dürfte es aber auch im besten Fall noch dauern, bis jemand aus der Region in Böcklis Fussstapfen treten kann.

Sebastian Stalder hat sich immerhin längst auf den beschwerlichen Weg Richtung höchster Stufe aufgemacht. Wie gross die Konkurrenz da ist, lässt sich leicht aufzeigen. In der letzten Saison holten 106 verschiedene Athleten Weltcup-Punkte. Und weitere 74 gingen leer aus.

Von unten streben derweil immer weitere Biathleten nach ganz oben. «Einst im Weltcup starten zu können ist natürlich das grosse Ziel», sagt Stalder zu seinen Zukunftsplänen. Er ist sich aber bewusst: «Davon bin ich schon noch ein Stück weit weg.»

Nur wenige Ausnahmetalente schaffen diesen Sprung in der Frühphase der Karriere, der Grossteil der Athleten tastet sich schrittweise ans Top-Niveau heran. Kein einziger der aktuell regelmässig im Weltcup eingesetzten Schweizer ist jünger als 25. Stalder hingegen ist erst 19.

Er hat also noch Zeit, sich zu entwickeln. Und der Walder will seine zwei Juniorenjahre dafür voll nutzen. Mit der Absicht, «danach eine höhere Kader-Qualifikation zu erreichen.» Derzeit gehört er dem Schweizer C-Kader an – wie acht andere Biathleten im Alter zwischen 17 und 21.

Tageweise den Kopf lüften

Stalder investiert viel, um weiter zu kommen. Mittlerweile ist er eigentlich Biathlon-Profi. Der gelernte Zimmermann arbeitet in seinem einstigen Lehrbetrieb nur noch auf Stundenlohnbasis. Um die drei bis vier Tage sind es pro Monat.

«Sie helfen mir auch, etwas den Kopf durchzulüften», sagt er. Die restliche Zeit geht für Training und Regeneration drauf. Der eingeschlagene Weg scheint sich für ihn auszuzahlen. Stalder jedenfalls findet: «Man merkt die Fortschritte.» Zu lernen gibt es gleichwohl noch vieles. Vor allem in der Loipe sieht er Entwicklungspotenzial. Beim Laufen beispielsweise die richtige Hüfstreckung zu erreichen, «nicht zu stark nach hinten zu sitzen», wie er sagt.  

Stalder hat eine reibungslose Vorbereitung hinter sich. «Der Sommer war sehr gut, die Leistungstests ebenso. Ich fühle mich parat», sagt er zufrieden. Im Oktober war er mit seinen Teamkollegen erstmals nach dem Aufbau im Schnee – in der Skihalle Oberhof. Den Feinschliff holte sich Stalder im letzten Monat dann aber in der freien Natur. Zusammengerechnet rund drei Wochen trainierte er in Lenzerheide, in der modernen Biathlon Arena.

Freude über die Stabilität

Vom Frühling bis jetzt hat er 8000 Schuss abgefeuert. Bis zum Ende der Saison dürften es gegen 11’000 werden. Der Walder findet, er habe sich im Schiessstand in der Vorbereitung gegenüber dem Vorjahr gesteigert. «Ich war sehr stabil.»

 

Die Veränderungen, die er am Gewehr vorgenommen hat, scheinen sich auszuzahlen. Auch wenn man sagt, Schiessen sei zu 90 Prozent Psychologie. Manch ein bekannter Athlet ist oder war sehr sensibel, was die Waffe betrifft.

 

So etwa Michael Greis, der dreifache Olympiasieger, der ständig an seinem Gewehr pröbelte und es «Baby» nannte. Heute ist der Deutsche Cheftrainer am Biathlon Stützpunkt Ostschweiz in Lenzerheide, wo er auch Stalder betreut hat.

Greis steckte in seiner Karriere jeweils mit dem bekannten deutschen Büchsenmacher Sandro Brislinger die Köpfe zusammen, Stalder tüftelte hingegen fast einen Monat mit seinem Vater am Gewehr, um einen perfekten Holzschaft und Handgriff zu entwickeln. Er ist sicher: «Wir haben etwas Gutes hingekriegt.»

Ein gutes Gefühl im Rucksack

Am letzten Wochenende fiel für Stalder in Österreich mit zwei Sprintrennen (Plätze 6 und 20) der Startschuss in den Winter. Am Freitag belegte er im Einzelwettkampf in Ridnaun- Val Ridanna (ITA) den siebten Platz.

Stalders Hauptaugenmerk ist neu auf Wettkämpfe im IBU-Junior-Cup ausgerichtet, in dem die Konkurrenz gross ist. Diese Saison sind aus 20 Ländern Biathleten der Jahrgänge 1997/98 vertreten. Auch solche, die Erfahrung im IBU-Cup (zweithöchste Stufe) oder im Weltcup aufweisen. Stalder gehört mit Jahrgang 98 zu den Jüngeren, nimmt die vor zwei Jahren lancierte Serie aber mit Selbstvertrauen in Angriff.

 

«Ich möchte bei der WM ans letzte Jahr anknüpfen»

 

Anfang letzte Saison hatte er erfolgreich im IBU-Junior-Cup debütiert. Er klassierte sich in Lenzerheide im Sprint als Achter, im Einzelrennen wurde er 16. «Daran zurückzudenken ist für mein Gefühl sicher gut.»

Hauptsächlich aber war der Walder im Alpencup im Einsatz. In diesem messen sich Nachwuchshoffnungen aus den Alpenländern, um früh einen internationalen Vergleich zu erhalten. Stalder überzeugte – er gewann die Gesamtwertung in der Kategorie Jugend 2. Im IBU-Junior-Cup strebt er nun an, regelmässig in die Top 30 zu laufen. Der Formaufbau ist auf die Jugend-/Junioren-WM im Otepää  (Estland) ausgerichtet.

«Ich möchte ans letzte Jahr anknüpfen», nennt er als Ziel. Damals hatte Stalder im Einzelwettkampf der Jugend den starken 10. Platz erzielt – trotz fünf Schiessfehlern notabene. 

 

 

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