Vom Umbau überrumpelt
Seit genau drei Monaten wird in der neu eingeführten dritthöchsten Schweizer Liga MSL gespielt. Und schon hat die Swiss Ice Hockey Federation, wie die Dachorganisation des Schweizer Eishockeys heisst, die nächste Neuerung verkündet.
Die bisher in drei regionalen Gruppen (Ost-, Zentral- und Westschweiz) organisierte Erstliga-Meisterschaft wird bereits ab kommender Saison überregional in nur noch zwei Gruppen durchgeführt. Aus den aktuell 27 Erstligisten sollen ein Jahr später und ab der Saison 2019/2020 nur noch 24 werden.
Der neuste Wurf im Umbau der Amateurliga stammt vom Nachwuchs- und Amateursport Komitee, kurz NAC genannt. Das zwölfköpfige Gremium – laut Verbandswebsite das exekutive Führungsorgan für die operative Führung des Nachwuchs- und Amateursports – bestimmte die Neuerungen an seiner ordentlichen Versammlung in Thun. Schon am 20. Januar 2018 soll der definitive Spielmodus – ausgearbeitet von einer Arbeitsgruppe – kommuniziert werden.
«Das ist eine gute Sache», ist Harry-Louis Beringer überzeugt. Der Regionalpräsident Ostschweiz sitzt im NAC, die angesprochene Versammlung verpasste er allerdings, weil er im Ausland weilte.
Über die Köpfe hinweg
Es ist nicht lange her, da hiess es, man wolle in der 1. Liga an der Struktur der nach Regionen eingeteilten Gruppen festhalten. Daniel Steiner, Sportchef im EHC Wetzikon, dem Leader der Erstliga-Ostgruppe, ist deswegen von der Entscheidung überrascht worden. Er dürfte nicht der einzige Klubvertreter sein.
Entsprechend irritiert reagiert Steiner auf die Neuigkeiten. Und das Vorgehen des Verbandes stösst ihm sauer auf. Er spricht von einem Tatsachenentscheid, «den man einfach so raus jasst. Man müsste doch erst in den Klubs die Meinung einholen, wie sie dazu stehen.»
Der EHCW-Sportchef ist gegen eine weitere überregionale Liga im Amateurbereich. Man habe die 1. Liga immer als jene Spielklasse angepriesen, in der es mehr Derbys und kürzere Anfahrtswege gebe. «Ändert sich das, können wir genauso gut in die MSL.» Die Wetziker aber hatten – vor allem aus finanziellen Gründen – auf diesen Schritt verzichtet.
Ein offensichtliches Problem
Klar ist: Die Lancierung der MSL hat die jüngsten Änderungen in der 1. Liga ausgelöst. Das Problem ist offensichtlich. Nachdem sich aus allen drei Regionen jeweils vier Teams in die MSL verabschiedet haben, gibt es in der Zentralschweiz zu wenige Mannschaften. Mit Ach und Krach – man hievte Reinach aus der 3. Liga am grünen Tisch in die 1. Liga, was für viel Unmut sorgte – brachte man sieben Mannschaften zusammen.
In der Zukunft wird es kaum besser. Im Gegenteil. Man munkelt darüber, dass sich drei Teams (Argovia Stars, Adelboden, Reinach) aus der Zentralschweizer Gruppe auf die nächste Saison hin aus der 1. Liga zurückziehen werden. Dem Verband blieb also keine andere Wahl, als zu handeln.
«Die Teams sind verwöhnt»
Das wiederum bestätigt jene, die im Zusammenhang mit der MSL bemängelten, man habe eine neue Liga eingeführt, ohne sich zu überlegen, welche Konsequenzen sich für die Spielklasse darunter ergeben.
Einer davon war Steiner. «Jetzt müssen wir den Fehler ausbaden», sagt der EHCW-Sportchef. Er sieht längere Reisen und somit höhere Kosten auf sich zukommen. Beringer entgegnet: «Man soll die Reiserei nicht immer in den Vordergrund stellen. Die Teams sind jetzt verwöhnt. In der 2. Liga fuhr Schaffhausen letzte Saison beispielsweise nach Chiasso.»
Das sind 290 km pro Weg. Zum Vergleich: Gastieren die Wetziker in Bellinzona, legen sie bis ins Tessin 170 km zurück. Und wenn man annimmt, Burgdorf und Zuchwil würden ab nächster Saison in der Wetziker Gruppe spielen, bewegen sich die Anfahrtsdistanzen (Zuchwil 116 km/Burgdorf 133 km) im selben Bereich wie wenn der Oberländer Erstligist nach Arosa (126 km) fährt.
Keine Vorverurteilung, bitte
Ungeachtet der Diskussion über die Reisen stellt sich Steiner sowieso auf den Standpunkt, dass nicht schon nächsten Herbst in zwei Gruppen gespielt werden kann. Der Entscheid des NAC sei nicht reglementkonform, moniert er.
In Artikel 31 steht denn auch, dass Änderungen in der Organisation der Meisterschaft erst auf die jeweils übernächste Saison nach dem Beschluss eingeführt werden. Es gibt aber den Zusatz, die der Versammlung das Recht einräumt, mit einer Dreiviertelmehrheit Ausnahmen zu beschliessen. Steiner hat beim Verband das Sitzungsprotokoll angefordert, ist jedoch abgeblitzt.
Für Beringer ist klar – das NAC hat sich korrekt verhalten. Er sagt aber auch: «Vielleicht fühlen sich einige Klubs vom Vorgehen überrumpelt.» Dennoch findet Beringer, man solle die Neuordnung nicht schon im Vorfeld verreissen. «Man kann doch erst in zwei, drei Jahren beurteilen, ob sie gelungen ist.»
