Der FC Gossau braucht einen neuen Trainer
Für Sokol Maliqi ist «Identifikation mit dem Verein» nie eine leere Phrase. Der Trainer des FC Gossau fühlte sich nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 beim Zweitligisten sofort wohl. So machte er beispielsweise beim Werbevideo fürs Grümpelturnier als Darsteller mit und verlegte sogar seinen Wohnsitz in die Gemeinde.
Die Meldung von seinem vorzeitigen Abgang zum FC Uzwil nach insgesamt eineinhalb Jahren Tätigkeit kommt daher etwas überraschend. Oder auch nicht. Denn Maliqi schätzte zwar das Klubleben in Gossau, er ist als ehemaliger Fussballprofi aber auch mindestens so ehrgeizig. Sein Blick richtete sich schon länger in eine höhere Liga.
Mit seinem Transfer zum Interregio-Klub Uzwil ist ihm nun dieser Schritt gelungen. Bei den Ostschweizern findet der 35-Jährige ganz andere Möglichkeiten vor – nur schon in finanzieller Hinsicht. Immerhin hat sich der FCU das mittelfristige Ziel gesetzt, in die 1. Liga aufzusteigen. «Wir wollen in der 2. Liga interregional das beste Team der Rückrunde werden», setzte Maliqi bei seiner Präsentation am Montagabend vor der versammelten Mannschaft die Messlatte sogleich hoch an.
Erst Fast-Abstieg, dann Hoch
Es sind Töne, die er aufgrund der bescheidenen Mittel in Gossau nie angeschlagen hätte. Maliqi erlebte nach dem Abstieg aus der Interregio eine schwierige erste Saison, die beinahe mit dem Absturz in die 3. Liga gegipfelt hatte. Der FCG rutschte nach dem letzten Spieltag auf einen Abstiegsplatz, schaffte aber trotzdem – als besserer Drittletzter der beiden Zweitliga-Gruppen – den Klassenerhalt.
Seither läuft es den Gossauern – mit fast identischer Mannschaft – aber weitaus besser. Als Tabellendritter der Zweitliga-Gruppe 2 zählen sie bei Saisonhalbzeit zu den positivsten Überraschungen überhaupt.
Die Entwicklung allein reichte Maliqi allerdings bekanntlich nicht zum Bleiben. «Die Verantwortlichen des FC Gossau sind natürlich etwas enttäuscht, sie verstehen aber auch meinen Entscheid aufgrund der sportlichen Perspektiven», sagt er.
Das Lob des FCG-Präsidenten
Dies bestätigt Präsident Adrian Keller und streicht die gute Arbeit des scheidenden Trainers heraus. «Sokol hat unsere Jungen einen Schritt nach vorne gebracht.» Der künftige Coach der Gossauer muss dementsprechend ein ähnliches Profil vorweisen und den eingeschlagenen Weg mit dem Team konsequent weitergehen.
Laut Keller ist der FCG auch längst in der Findungsphase. Maliqi hatte die Klubführung bereits Anfang Dezember über den anstehenden Wechsel informiert. Sein Nachfolger dürfte daher noch vor den Feiertagen präsentiert werden.
Maliqi selbst erhält in Uzwil ebenfalls aufgrund eines vorzeitigen Abgangs überhaupt die Chance Fuss zu fassen. Der bisherige Trainer Erik Regtop nutzte Anfang November die Gelegenheit, beim Erstligisten Eschen/Mauren anzuheuern.
In der Ostschweiz ist Maliqi im Übrigen kein Unbekannter. Während seiner Profizeit spielte der Angreifer auch für Wil sowie den grenznahen Klub Vaduz in der Challenge League. Dazu passt, dass er während seiner Trainer-Auszeit in der Saison 2015/16 ein halbes Jahr lang den FC Ruggell als Spieler verstärkte.
Wiedersehen mit Dübendorf
Seine Trainerkarriere hatte Maliqi zuvor beim FC Schwamendingen und FC Dübendorf lanciert. Beide Zweitliga-Teams betreute er je zwei Jahre.
Zumindest mit Dübendorf kommt es bereits am 11. März im Zelgli beim Rückrundenauftakt zu einem Wiedersehen. Die Glattaler sind nämlich – genauso wie der FC Rüti – ein Gegner der Uzwiler in der Gruppe 6 der interregionalen 2. Liga. Zusätzliche Brisanz erhält der Vergleich nur schon daher, da FCD-Präsident Markus Herzog und Trainer Maliqi im letzten halben Jahr ihrer Zusammenarbeit das Heu nicht mehr auf derselben Bühne hatten.
